In dem Jahr, in dem auch das Bundesland Baden-Württemberg gegründet wurde, stellt der Sportwagenhersteller Porsche entscheidende Weichen.
1952, im Jahr der Gründung von Baden-Württemberg, werden auch beim Sportwagenhersteller in Zuffenhausen Weichen gestellt. Das Unternehmen namens Porsche war zwar schon 1949 aus dem österreichischen Gmünd, wo ab 1948 die ersten 52 Sportwagen mit dem Schriftzug gebaut wurden, zurück nach Stuttgart gekommen. An Ostern 1950 hatte der erste Porsche aus Zuffenhausener Produktion die Werkshalle verlassen. Die vierstellige Fahrzeugnummer, beginnend mit 5001, deutet noch darauf hin, dass man mit einem überschaubarem Absatz rechnete.
Sensationssieg bei 24 Stunden von Le Mans
Der entscheidende Impuls kam dann aus Übersee. Nach dem sensationellen Klassensieg bei den 24 Stunden von Le Mans im Juni 1951 reiste Ferry Porsche Ende des Jahres in die USA und verhandelte mit dem dortigen Handelspartner Max Hoffman die Konditionen für den Export der ersten Fahrzeuge vom Typ 356. Festgehalten wurde bei den Gesprächen auch, dass die Sportwagen nicht nur unter dem Namen Porsche produziert werden, sondern auch ein Logo bekommen sollen. „Lenkradnabe verziert mit ,Porsche‘ und Wappen von Stuttgart oder ähnlich“, hält eine Notiz vom 27. Dezember 1951 fest.
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Der Konstrukteur Franz Xaver Reimspieß entwarf wenig später die Urform des Porsche-Logos. Das ist erstaunlich: Noch bevor überhaupt das Bundesland im Südwesten gegründet war, nahm der Entwurf für das Firmenlogo Elemente auf, die später im Landeswappen auftauchen sollten – etwa die stilisierten Geweihstangen. Sie entstammen ebenso wie die rot-schwarzen Landesfarben dem traditionellen Wappen Württemberg-Hohenzollern. In den Konturen eines goldenen Schildes ist in der Mitte des Porsche-Entwurfes das aufsteigende Pferd des Stuttgarter Stadtsiegels abgebildet.
Das Porsche-Logo wird noch 1952 beim Deutschen Patentamt eingetragen. Es taucht im gleichen Jahr erstmals auf der Lenkradnabenabdeckung eines 356er auf. Von November an ziert es auch den Fronthaubengriff des 356 Speedster und ist heute das weltweit bekannte Emblem der Marke.
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Ohne einen Sportwagen, der von den Kunden geliebt wurde, wäre das Emblem schnell vergessen worden. Der US-Importeur Hoffman bringt Porsche dazu, ab 1952 eine renntaugliche Leichtbauversion des 356er zu fertigen: Der America Roadster mit Alu-Karosserie, Behelfsstoffverdeck, Sitzschalen und rudimentärer Innenausstattung wird nur 16-mal gebaut. 15 von 16 Rennwagen gehen in die USA. Der America Roadster ist damit das erste Modell nur für den Export. Er legt den Grundstein für den ab 1954 gebauten Porsche 356 Speedster.
Deutsche waren Paria
Der Zuspruch für den deutschen Sportwagen in den USA kommt wenige Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges durchaus überraschend. Wegen der Kriegsverbrechen und der Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die die Deutschen begangen hatten, waren sie international Paria, der persönliche Umgang mit ihnen und der Kauf der von ihnen hergestellten Produkte in den USA so gut wie tabu.
In Zuffenhausen hatten die Alliierten bei Kriegsende die Produktionsanlagen von Porsche, das sogenannte Werk 1, in Besitz genommen. Ferry Porsche besaß nur noch seine private Villa. Um mit der Serienherstellung des Porsche Typ 356 zu starten, benötigte er eine Fabrik. Porsche mietet zunächst Räume beim benachbarten Karosseriebauer Reutter. Zusammen mit Reutter baute Porsche die ersten 356er. Faktisch ist diese erste Serienproduktion noch weitgehend von Handarbeit geprägt. Porsche rechnete damit, dass die Alliierten irgendwann die Anlagen zurückgeben würden. So lange wollte er aber nicht warten und entschloss sich zum Bau eines neuen Werks.
Den Entwurf lieferte der Stuttgarter Architekt Rolf Gutbrod, der seit 1947 an der Technischen Hochschule lehrte. Die Werkhalle von Gutbrod ist nicht nur die erste Produktionsstätte der Sportwagen in Stuttgart und bildet mit ihren drei Erweiterungen in 1954, 1963 und 1970 die Grundlage für den Zuffenhausener Standort, wie er noch heute rund um den Porscheplatz existiert.
Die Halle, deren Fenster bewusst nach Norden ausgerichtet waren, um das Tageslicht für die Arbeit zu nutzen, wurde regelrecht ein Klassiker der Fabrikarchitektur in Stuttgart nach dem Zweiten Weltkrieg und steht seit 1992 unter Denkmalschutz. Gutbrod, der auch am Bau der Liederhalle sowie des Deutschen Pavillons bei der Weltausstellung 1967 in Montreal beteiligt war, ließ sich von der Architekturauffassung der Organik leiten. Begriffe wie „menschliches Bauen“ und „Individualität“ waren ihm wichtig und ergänzten sich schon 1952 mit den Werten, für die Porsche heute noch steht.
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