Steffen Welte ist seit 2019 Vorsitzender des Sportvereins Erlaheim. Seine erste Amtszeit hatte er sich anders vorgestellt: "Das vergangene Jahr war relativ bescheiden."
Geislingen-Erlaheim - Trotzdem ist der 44-Jährige zuversichtlich, dass Erlaheims größter Verein mit Schwung aus der Corona-Krise kommen wird. Mitte Juli hatte der SVE seine erste Hauptversammlung seit zwei Jahren. Wegen Corona war diese 2020 ausgefallen. Ebenso mussten zwei Fußball-Saisons der Bezirksliga abgebrochen werden.
Das vergangene halbe Jahr haben Welte und seine Vorstandskollegen jedoch genutzt, den SVE zukunftsfähig aufzustellen: Ab der kommenden Saison gibt es eine Spielgemeinschaft mit dem Sportverein Gruol.
Spieler rücken kaum nach
Geschuldet war dies der Tatsache, dass es den Vereinen aus den beiden Nachbarorten an ausreichendem Nachwuchs für die ersten Mannschaften mangelt: "Alleine kriegen wir das fast nicht mehr hin", sagt Welte.
Es rückten derzeit kaum Spieler zwischen 17 und 20 nach: "Deswegen haben wir seit Februar die noch gute Mannschaftslage genutzt, um einen Partner zu suchen. Mit Gruol hat das gut gepasst."
Im Jugendfußball wird hingegen die Zusammenarbeit mit dem TSV Geislingen und der Spielvereinigung Binsdorf fortgesetzt. Zwischen 15 und 20 Kinder und Jugendliche aus Erlaheim kicken in verschiedenen Altersstufen mit.
Zu dieser Zahl sei während der langen Trainingspause niemand Neues hinzugekommen, weiß der Vorsitzende. Im Gegenteil hätten manche Jungfußballer wohl die Lust verloren, bedauert er.
Merklich mehr Austritte als in normalen Jahren habe es infolge von Corona indes nicht gegeben: Der 1926 gegründete Verein hatte zum Jahresbeginn genau 403 Mitglieder, davon 63 Kinder und Jugendliche zwischen zwei und 17 Jahren. "Man kann sagen, jeder zweite Erlaheimer ist im SV dabei", bestätigt der Vorsitzende.
Keine Einnahmen durch den Lockdown
In der Vereinskasse war die lange Pause zu spüren: "Finanziell haben wir schon gemerkt, dass viele Veranstaltungen wegfielen", sagt Welte. Ohne Spielbetrieb gab es keine Einnahmen aus der Bewirtung, und auch sonst blieb das Sportheim geschlossen. Mit dem 2020 abgesagten Naturtag "Obschd und määhr" fiel eine weitere Einnahmequelle des SVE weg, die auch 2021 nicht nachgeholt wird.
Eine große Veranstaltung stemmt der Verein jedes Jahr normalerweise: Sportfeste, Turniere oder Open-Air-Konzerte. Auch an diese ist derzeit nicht zu denken, und der SVE hat diesmal auch auf EM-Public-Viewing verzichtet.
Das finanzielle Polster des Sportvereins ist während der Corona-Pandemie deshalb geschrumpft. "Vom Hauptverein sind wir an die Grenzen gekommen", sagt der Vorsitzende. Jetzt sei es höchste Zeit, dass wieder Einnahmen fließen.
Betrieb läuft wieder an
Ein zentrales Anliegen des SVE sei es, eine Möglichkeit für jede Altersklasse zu bieten, sich sportlich zu betätigen, sagt Welte. Neben dem Fußball wird mit Lauftreff, Zumba, Gymnastik für jedes Alter und Geschlecht sowie Turnen ab dem Kindergartenalter das Thema Breitensport abgedeckt.
Auch Geselligkeit und Gemeinschaftspflege haben einen hohen Stellenwert: Durch die Mitgliederzahl könne man im Ort etwas bewegen. "Die Leute ziehen mit und kommen zu unseren Veranstaltungen", sagt der Vorsitzende.
Für viele Erlaheimer sei der SV über den Sport hinaus eine Heimat: Man treffe sich in der Freizeit, tausche sich im Sportheim nach dem Training aus.
Das habe aber unter Corona gelitten: Man konnte nach dem Training nicht einfach noch zusammensitzen und miteinander schwätzen.
Nachdem die Corona-Zahlen gesunken waren, läuft der Betrieb beim SV Erlaheim inzwischen langsam wieder an. Steffen Welte ist deshalb für die Zukunft optimistisch, auch mit Blick auf den Vorstand: Darin engagiere sich ein breites Altersspektrum zwischen 30 und 60 Jahren. Auch sei das Gremium groß genug, dass sich die Aufgaben auf viele Schultern verteilten.