Sie dürften wohl noch die moderne Übungsmethode unter Fußballlehrer Paulus erlebt haben: Kurt Pautsch (stehend, von links), Karl Armbruster, Alfons Rauber, Eugen Groß, Klaus Horn, Emil Haas, Wilhelm Hacker, Egon Rauber und Willi Rauber (kniend von links), Helmut Busch, Meinhard Gebert – noch mit einem geschnürten Lederball, der sich bei Regenwetter mit Wasser aufgesogen hat und schwer wurde. Foto: Haas

Der Chronikband des SV Oberwolfach gibt Einblick in so manche Anekdote und Begebenheit der Frühzeiten fußballerischer Kunst beim Verein. Zimperlich durfte man seinerzeit nicht sein.

Auch im dritten Jahr nach dem 75-jährigen Bestehen des SV Oberwolfach ist es interessant, im Chronikband zu blättern. Federführend mit eingebunden war auch dabei schon Vorsitzender Patrick Santos.

 

Natürlich konnte bei dem umfangreichen Vorarbeiten nicht mehr viel direkt aus der SVO-Gründerzeit recherchiert werden, denn die in jener Zeit Aktiven waren nicht mehr da. Einzig Emil Haas, aus dem Harmersbachtal stammend und schon früh im Verein aktiv, kann man noch als Spieler und danach Verbandsschiedsrichter aus der ganz alten Garde antreffen.

So konnte man beim Verfassen der Chronik nur wenig zu Trainern der Frühphase in Erfahrung bringen, die für erste „Höhenflüge“ der SVO-Kicker sorgten. Mit Alois Schoch, Karl-Hans Baur, Konrad Scherer und Vitor Pereira waren es vor allem ehemalige Aktive, die als leibhaftige Vorbilder ihre Erfahrung beim Trainieren der Seniorenmannschaften mit einbrachten.

Systematisches Training unter der Woche hat anfangs kaum stattgefunden. Das Kicken war noch eher Freizeitvergnügen, somit mehr oder minder auf den Sonntagnachmittag begrenzt. Man ging unter der Woche fast durchweg schwerer körperlicher Arbeit nach. So mancher aus der damals noch durch die Arbeit in Landwirtschaft und Handwerk geprägten Generation fand das sonntägliche Kicken sowieso überflüssig und spottete: „Die solle under de Woch rächt schaffe, no bruuche sie nit am Sunndig uff‘ em Schportplatz rumrenne.“

Unter Trainer Paulus wurde teilweise schon ohne Ball unter der Woche trainiert

Vor allem bei den Lokalkämpfen ging es auch unter den Aktiven der eigenen Mannschaft nicht immer zimperlich zu. Den Oberwolfachern oft körperlich weit überlegen waren vor allem die Konkurrenten aus dem unteren wie auch oberen Harmersbachtal.

Kam da ein junger, gerade 18-jähriger, frisch der Jugendmannschaft entwachsener Neuling nach einem harten Zweikampf unter solch einen „Kaliber“ aus dem Harmersbachtal zu liegen, erfuhr er vom daneben stehenden, wohl schon über 30-jährigen „Haudegen“, wie dem Linksfüßer und Routine-Elfmeterschützen Wilhelm Hacker keine Hilfe, sondern lediglich per Fingerzeig einen Hinweis mit dem Kommentar: „Du, dirt dobe isch’s Altersheim.“

Von den Trainern sind nicht mehr so leicht markante Persönlichkeiten zu nennen. Einer der herausragenden Fußballlehrer war Ende der 1950er-Jahre ein hünenhafter älterer Herr mit Familienamen Paulus, wohl einer der ersten Auswärtigen als SVO-Trainer. Am Spielfeldrand wurde gemunkelt, er sei ein Bruder des legenden Generals Paulus, bekannt durch die Schlacht um Stalingrad, der ebenfalls durch seine Körpergröße von mehr als 1,90 Metern auffallend war. Jedenfalls ragte der riesige Fußballlehrer inmitten der eher kleinwüchsigen Oberwolfacher Kicker deutlich heraus.

Trainer Paulus ging sehr konzentriert und mit Methoden ans Werk, die sogar die Ehefrauen und Freundinnen der damaligen Kicker wochentags auf den Sportplatz lockten Es wurde teilweise schon ohne Ball trainiert. Zuvor bestand das Training lediglich aus purem Kicken oder dem Üben des Ballstoppens oder des Kurz- und Doppelpass-Spiels.

Da musste man nun auch zur Ertüchtigung und Körperbeherrschung in einer Art hüftschwingendem „Enten-Wackelgang“ um die im Kreis Nebenstehenden herumtänzeln, was Erika Hacker, die spätere Frau des Groß-Eugen, zu einem lauten Auflachen reizte. Spontan wurde sie deshalb vom sich gefoppt fühlenden Trainer erzürnt aufgefordert, diese Übung doch mal selbst mitzumachen.

Trainer Bongratz bescherte den Spielern mit seinem Training auch Muskelkater

Besonderen Wert auf energievollen Kraftfußball legte nachfolgend Trainer Bongratz (oder Ponkgratz?) aus Wolfach, ein pensionierter „Polizeioberer“. Er ließ bei einem Training auf dem Walker Sportplatz, auf den man wegen Sanierungsarbeiten ausweichen musste, wechselweise einen Mitkicker auf dem Rücken tragend eine schier nicht auszuhaltende Zeitspanne lang mit sich herum schleppen. Pech war es, wenn man beispielsweise den gefühlt 1,85 Meter großen und an die zwei Zentner schweren Gebert-Hermann als Ballast zugelost bekam.

Noch beim Spiel am nachfolgenden Sonntag, waren die meisten durch dieses „Malträtieren“ unter der Woche von Muskelkater geplagt, dass sie kaum zum Kicken imstande waren. „Wie auf Eiern gehend, kamen sie dahergeschlichen“, wurde berichtet. Und einer fragte den anderen mit schmerzverzerrter Miene: „Diën dir d’Knie und d’Oberschenkel au so saumäßig weh?“

Aber irgendwie erfolgreich muss das aufopferungsvolle Trainieren doch gewesen sein: denn die SVO-Kicker spielten im Kinzigtäler Fußball meistens eine herausragende Rolle mit dem Aufsteigen bis in die A-Klasse, was der heutigen Bezirksliga entspricht.

Die Vereinsgeschichte