Nach seiner Stilllegung im Jahr 2022 war es lange ruhig um das Friedensschulbad. Doch jetzt geht es darum, was aus dem Teilgebäude der größten Schwenninger Grundschule einmal werden soll – und zwar ganz im Sinne von Schülern und Vereinen.
Im Stadtbezirk wird man sich noch gut an die heiße Diskussion erinnern, die vor rund zweieinhalb Jahre um die Zukunft des Schulbads zwischen Bäder VS, Vereinen und Schwenninger Bürgern entbrannt war: Die Bäder Villingen-Schwenningen (BSV) als Tochtergesellschaft der Stadtwerke VS, die Teileigentümerin des rund 80-jährigen Bades ist, hat es schließen lassen – nach mehr als 80 Jahren, nachdem beziehungsweise obwohl es von Schülern und Vereinen tagtäglich genutzt wurde. Der Schwimmunterricht war stattdessen in das Neckarbad verlegt worden.
Seither steht das Bad im rechten Flügel der Friedensschule leer. Nun bringt die Verwaltung das Thema wieder auf die Agenda: Der Verwaltungs- und Kulturausschuss darf in seiner nächsten Sitzung am Mittwoch, 5. Februar, entscheiden, wie der große Raum künftig umgenutzt werden soll.
Zwei Schulen im Fokus
Schon im Zuge der Schließung hatte man kundgetan, die Sport- und Gymnastikmöglichkeiten für Schüler darin zu erweitern. Laut Verwaltungsvorlage hat nicht nur die größte Grundschule des Stadtbezirks mit jeweils fünf Klassen pro Jahrgangsstufe, einer Vorbereitungsklasse sowie einem großen Ganztagsbereich Mehrbedarf an Sporträumlichkeiten, sondern auch das Sonderpädagogische Beratungs- und Bildungszentrum (SBBZ) Janusz-Korczak-Schule. Zum Schuljahr 2025/26 soll die Schule nämlich von ihrem jetzigen Standort in Alten Gymnasium in das Gebäude der ehemaligen Hirschbergschule ziehen, das unweit der Friedensschule liegt und mit ihr einen sogenannten Schulcampus bilden soll.
Unterricht auch am Nachmittag
Und warum ein Mehrbedarf? Vor allem für die Ganztagsschüler der Friedensschule sei es von großer Bedeutung, zusätzlich zu den im Bildungsplan festgelegten Sportstunden, die derzeit überwiegend am Vormittag stattfinden, weitere Bewegungseinheiten am Nachmittag zu nutzen. Ein Mehrbedarf an Bewegungs- und Sporträumen werde sich zudem automatisch durch den allgemeinen Anspruch auf Ganztagsunterricht, der ab kommendem Schuljahr gilt, ergeben.
Der Bedarf steigt
Mit 50 Sportstunden pro Woche sowie 14 Stunden Schwimmsport im Neckarbad könne der Bedarf an Vormittags-Sportunterricht in der Friedensschule gerade so abgedeckt werden. Am Standort stehen derzeit zwei Einfeldturnhallen – die eine in der Friedensschule, die andere in der ehemaligen Hirschbergschule – zu Verfügung. An der Janusz-Korczak-Schule werde der wöchentliche Bedarf an Hallenzeiten im kommenden Jahr bei 16 Schulstunden liegen.
„Gymnastikraum mit Bewegungslandschaft“
Der Plan der Verwaltung: Um dem Sportraumbedarf beider Schulen also annäherend gerecht zu werden, soll das stillgelegte Friedensschulbad künftig in einen „Gymnastikraum mit Bewegungslandschaft“ verwandelt werden, heißt es in der Vorlage weiter. Das bedeutet, dass anstelle des Beckens ein Raum mit Freifläche und fix installierten Sportgeräten – Trampoline, Schnitzelgrube und Matten – entstehen soll. Das Schwimmbecken könnte dafür mit einer Stahl-Holzträgerkonstruktion überbaut werden, das habe die bauliche Bewertung durch das Amt für Gebäudewirtschaft und Hochbau (GHO) ergeben.
Und auch, wenn das ehemalige Schulbad – ebenso wie die gesamte Friedensschule – unter Denkmalschutz stehen, seien mögliche Hürden und Auflagen nicht zu erwarten. Man sei in regelmäßiger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.
Auch Vereine profitieren
Zudem sollen die hiesigen Vereine davon profitieren, könnte dem im Rahmen der Gesamtanalyse der Sportstätten in VS festgestellten Mangel für Vereine in den Nachmittags- und Abendstunden sowie an den Wochenenden Einhalt geboten werden. Die allgemeine Nachfrage nach Flächen für Gymnastik, Tanz oder sonstigen Sportkursen sei nach wie vor sehr hoch und werde aktuell verstärkt durch die kurzfristige Schließung des Hilben-Gymnastikraums. Hier hat es einen Wasserschaden gegeben.
Ein Novum
Die Schaffung dieser neuen, modernen Sportangebote sowohl für Vereine als auch für Gruppen, zum Beispiel von der Volkshochschule, habe es in dieser Form in der Doppelstadt bisher noch nicht gegeben, betont die Verwaltung.
Bringt der Verwaltungs- und Kulturausschuss in seiner Sitzung an diesem Mittwoch die Umnutzung also auf den Weg, muss es in einem ersten Schritt um die Eigentumsverhältnisse und die Übertragung gehen. Denn seit der Gründung im Jahr 1991 ist die Bäder VS GmbH Teileigentümerin des Grundstücks zwischen Mozartstraße 12, Mühlweg 85 und Paulinenstraße 40 bis 48, dessen ermittelter Verkehrswert bei 120 000 Euro liegt.
Stadt neuer Eigentümer
Bereits im vergangenen Herbst hatte der Aufsichtsrat der Bäder VS beschlossen, den Eigentumsanteil an die Stadt zu diesem Wert zu veräußern. Ob die Übernahme tatsächlich zum Verkehrswert, per unentgeltlicher Übertragung mittels Auflassung oder per unentgeltlicher Übertragung mittels Schenkung über die Bühne läuft, muss das Liegenschaftsamt prüfen und mit der Bäder VS verhandeln.
Ein Rückblick
Das Aus des Friedensschulbads
Seit dem Sommer 2022 steht fest: Die Bäder VS werden das mehr als 80 Jahre alte Friedensschulbad nicht mehr weiter betreiben: Der Grund: stark gestiegene Energiekosten, ein Fehlbetrag von rund 200 000 Euro pro Jahr sowie ein notwendiges Investitionsvolumen von 400 000 Euro. Doch diese Bekanntgabe wollten sich Vereine und engagierte Schwenninger Bürger nicht so einfach gefallen lassen, befürchteten sie doch die fehlenden Schwimmlern- und Trainingsmöglichkeiten vor allem für den Nachwuchs. Und ließen nichts unversucht, um das Bad, in dem für viele Schwenninger Erinnerungen stecken, doch noch zu erhalten. Demo, Petition, unzählige Gespräche folgten und machten die Sache zudem politisch. Ein Beschlussantrag, die Vorgehensweise der BSV zu unterstützen, gleichzeitig aber Fördermittel des Bundesprogramms zur Sanierung und Schwimmbädern zu beantragen, wurde vom Gemeinderat knapp abgelehnt. Seither findet der Unterricht der Friedensschule sowie der doppelstädtischen Schwimmvereine im Neckarbad beziehungsweise im Villinger Hallenbad statt. Im Zuge der Schließung ist jedoch ein bereits bestehendes Thema wieder aufgewärmt worden: ein Schwimmbad im Zentralbereich. Im Mai 2024 hat ein Bürgerbescheid es auf den Weg gebracht.