Wer hat die Pforzheimer Sportplatz-Krise zu verantworten? Der TV Pforzheim will nicht der Buh-Mann sein – und macht nun Details aus dem Pachtvertrag mit dem 1. FC Pforzheim öffentlich.
„Nachtreten ist nicht unser Stil“, unterstreicht Roland Hiller gegenüber unserer Redaktion. Man wolle „gerne konstruktiv und kooperativ arbeiten“, macht der stellvertretende Vorsitzende des TV Pforzheim deutlich. Aber die Punkte, die in der aktuellen Diskussion um den massiven Sportplatz-Mangel in Pforzheim seinen Verein betreffen, könne man so nicht stehen lassen.
Direkt vor Schlösslegalerie?
Im Mittelpunkt eben dieser Diskussion steht der Bohrain-Sportplatz, der dem TV Pforzheim gehört, der selbst aber keine aktive Fußballabteilung besitzt. Auf ihm hat bis zuletzt auch der 2018 neu gegründete 1. FC Pforzheim seine Heimspiele ausgetragen. Der Pachtvertrag läuft am 30. Juni aus und soll nicht verlängert werden. Als erste Konsequenz hat der FCP bereits seine Herrenmannschaft vom Spielbetrieb abgemeldet. Offen ist, was mit den 140 Jugendfußballern des Vereins passieren soll. Unterstützung bekam der Verein hierbei sogar vom Oberligisten 1. CfR Pforzheim, dessen Vorsitzender Markus Geiser in einem offenen Brief an die Stadtverwaltung schrieb: „Sollen wirklich 140 Kinder lieber vom Fußballplatz vor die Schlösslegalerie geschickt werden?“ Denn das Problem ist: Aufgrund des akuten Sportplatz-Mangels nimmt derzeit kein Pforzheimer Fußballverein neue Kinder und Jugendliche auf. Der FCP findet also einerseits keinen neuen Sportplatz für sich selbst – und andererseits werden wohl auch seine 140 Kinder und Jugendlichen keinen neuen Verein finden.
Zu viele Polizeieinsätze
Nun macht Hiller jedoch deutlich: Dass der Pachtvertrag mit dem FCP auf dem Bohrain nicht verlängert wird, liege an dem 2018 neu gegründeten Verein, der den Namen des 1. FC Pforzheim (deutscher Vizemeister von 1906) bewahren will. Laut Hiller habe der die sanitären Anlagen dreckig hinterlassen und keine Ordnung in den Geräteräumen gehalten. Auch habe der FCP immer wieder Polizeieinsätze auf dem Bohrain verursacht – einerseits wegen Zwischenfällen bei seinen Heimspielen, andererseits wegen Ruhestörungen in den Abendstunden. Den zunächst nur bis 2023 laufenden Pachtvertrag habe der TVP daher schon vor zwei Jahren nicht verlängern wollen, machte es dann aber doch.
Sind 3000 Euro angemessen?
Dieses Mal allerdings wird der TVP den Pachtvertrag mit dem FCP nicht verlängern – zumindest nicht mit dessen Herrenmannschaft. Für die Jugendmannschaften habe man dem FCP hingegen einen neuen Pachtvertrag angeboten. Über den Inhalt gibt es verschiedene Aussagen. Laut dem FCP-Vorsitzenden Sascha Senst habe der TVP zunächst einen mündlichen Vertragsentwurf unterbreitet, diesen aber zwei Tage später „in schriftlicher Form mit unannehmbaren Konditionen“ abgeändert. Hiller schätzt diese Konditionen dagegen völlig anders ein. Konkret fordere man nicht den im Raum stehenden annähernd fünfstelligen Betrag vom FCP, sondern nur 3000 Euro pro Jahr. „Im Übrigen empfand das Amt für Schule und Sport, mit dem wir durchaus im Austausch sind, den Mietpreis als eher günstig“, sagt Hiller gegenüber unserer Redaktion und betont: „Dieses Angebot hat auch weiter Gültigkeit.“
„Finanziell darstellbar“
Bleibt die Frage: Nimmt der FCP mit seinen 140 Jugendspielern dieses Angebot bis zum 30. Juni an oder kann er auch bei 3000 Euro nicht mitgehen? Für Hiller ist die Sache klar: Diese Summe sei für den FCP „durchaus finanziell darstellbar“.