Marc Prell in Aktion: Der Reichenbacher schleudert sein 11,34 Kilo-Gewicht aus dem Wurfring. Foto: Prell

In Reichenbach wohnt ein Meister seines Fachs und kaum einer weiß es: Marc Prell betreibt Rasenkraftsport – und hat die deutsche Meisterschaft im Dreikampf gewonnen.

Im schwäbischen Waiblingen setzte sich der 57-jährige Marc Prell mit insgesamt 1658 Punkten durch. Der Rasenkraftsport-Dreikampf besteht aus Hammerwerfen, Gewichtwerfen und Steinstoßen – Disziplinen mit einer langen Tradition. Der Hammerwurf ist dabei die bekannteste und einzige noch heute olympische Disziplin. Der Gewichtwurf, der dem Hammerwurf technisch ähnelt (das Gewicht aus einem Wurfkreis geworfen, das Gewicht ist über eine kurze Kette mit dem Griff verbunden), war lediglich 1904 und 1920 olympisch. Das Steinstoßen, seit Jahrhunderten in vielen Kulturen verbreitet, war immerhin bei den olympischen Zwischenspielen in Athen im Jahr 1906 vertreten.

 

Prell war schon als Kind und Jugendlicher ein begeisterter Schwimmer, Turner und, etwas später, Leichtathlet – damals noch in Dissen am Teutoburger Wald, einer Kleinstadt, die auf eine große Leichtathletiktradition zurückblickt. Dort kam er als Jugendlicher erstmals mit dem Rasenkraftsport in Berührung und feierte rasch Erfolge: 1982 wurde er Niedersachsenmeister.

Mittlerweile ist Prell beim TV Haslach aktiv

Im selben Jahr zog Prell als 15-Jähriger nach Südbaden. Dem Rasenkraftsport blieb er aber auch in der neuen Heimat treu: Bereits 1983 wurde er Fünfter bei den badischen Meisterschaften für den KSV Lahr-Kuhbach. In den Folgejahren sammelte er weitere regionale Erfolge, etwa als Ortenaumeister sowie mehrfacher badischer Meister.

Mitte der 1980er-Jahre fehlte Prell schließlich die Zeit für den trainingsintensiven Sport. Erst 2015 nahm er den Faden wieder auf. „Ich hatte wieder mehr Zeit – und ich wollte einfach wissen, wie viel ich noch kann“, sagt Prell rückblickend. Er klapperte die Vereine ab und trainierte auf dem Lahrer Altvater-Platz. Zwischenzeitlich fand er im Stadtteil Kuhbach beim Ringerverein wieder einen Platz.

Aber die Bedingungen hatten sich für Rasenkraftsportler geändert, und nicht zum Besseren: Deutschlandweit wurden Trainingsflächen abgebaut, Vereine schrumpften, viele traditionsreiche Standorte verschwanden. Der Rasenkraftsport war zu einer Nischensportart geworden, in der Zeitung höchstens mal eine Randnotiz wert. Auch in der Region: Der Altvater-Platz wurde der Natur überlassen, der KSV Lahr-Kuhbach ging zusammen mit dem ASV Reichenbach in die SG Lahr auf – eine Rasenkraftsportabteilung gab es dort aber nicht mehr.

Also orientierte sich Prell erneut um – und fand schließlich beim TV Haslach eine neue Basis. Max Schmider, ein Urgestein der regionalen Leichtathletik und früher selbst beim KSV aktiv, lotste ihn ins Kinzigtal. Schmider, von Prell „Ziehvater“ genannt, starb 2021.

Es gibt nicht mehr allzu viele Rasenkraftsportler in der Region. Diejenigen, die den Sport betreiben, kennen sich gut, schätzen sich und unterstützen einander. Und sie trainieren zusammen. Prell trifft sich regelmäßig mit dem älteren Peter Gerth aus Ettenheim; häufig trainieren die beiden gemeinsam in Meißenheim.

Prell startet inzwischen in der Altersklasse „Senioren 3“ (50 bis 60 Jahre). Zu Wettkämpfen reist er zusammen mit seiner Partnerin Kerstin Hansmann, die selbst eine passionierte Marathonläuferin ist. Die beiden Sportler unterstützen sich gegenseitig und begleiten einander zu den Wettkampforten.

Prell denkt nicht ans Aufhören

Wie lange will der mittlerweile 57-Jährige noch weitermachen? Immerhin ist Fitness im Rasenkraftsport extrem wichtig. Prell zuckt auf diese Frage mit den Schultern: Als Werfer brauche man eine gewisse Explosivität, erzählt er: „Gute Werfer sind auch immer gute Sprinter.“ Ans Aufhören denke er allerdings nicht. Er wisse, dass irgendwann ein Leistungsknick komme, das sei einfach Natur der Sache – aber bislang sei er davon verschont geblieben. „Und solange es Spaß macht, hör ich bestimmt nicht auf“, sagt Prell.

Ende im Vorstand

Bis März dieses Jahres war Marc Prell im Vorstand des RTVB aktiv. Der Verband vereint die Sportarten Rasenkraftsport und Tauziehen, das in Südbaden eine lange und erfolgreiche Tradition genießt. Nun hat sich Prell zurückgezogen. Der Reichenbacher betont, wie wichtig es ihm ist, den Staffelstab an die jüngere Generation weiterzureichen. „Ich möchte jetzt einfach den jüngeren Leuten den Vorzug geben“, sagt er.