Nach 2021 holten sich Selina Marquardt (li.) und Helen Vordermeier im vergangenen Jahr zum zweiten Mal den WM-Titel. Der sie auch zu Stuttgarts Mannschaft des Jahres macht. Foto: Baumann/Julia Rahn

Stuttgart versteht sich als Sportstadt. Aber: Wer sind ihre Aushängeschilder? Am Montagabend wurden in Cannstatt die Sportler des Jahres gekürt. Bei den Mannschaften siegte ein Duo, das sich bestmöglich vom Leistungssport verabschiedet hat.

Feierlicher Rahmen, jede Menge Gäste – und strahlende Siegerinnen und Sieger. Am Montagabend sind im Cannstatter Kursaal Stuttgarts Sportlerinnen und Sportler des Jahres gewählt worden.

 

Eine Auswahlkommission, bestehend aus Vertretern von Sportamt, Sportkreis, Sportkreisjugend und Olympiastützpunkt sowie den beiden ehemaligen Athletinnen Kim Bui (Turnen) und Chantal Laboureur (Beachvolleyball) hatten vor Wochen die Liste der Nominierten zusammengestellt. Je drei in den Kategorien Sportlerin, Sportler und Mannschaft. Maßgeblich dafür waren die im Jahr 2023 erreichten Erfolge und erbrachten Leistungen. Die geladenen Gäste – darunter auch zahlreiche Sportler und Trainer – hatten im Vorfeld des Ehrungsabends dann ihre Stimme abgegeben.

In der Kategorie „Mannschaft des Jahres“ erhielten die meisten davon: Helen Vordermeier und Selina Marquardt – die sich nicht erstmals über diese Auszeichnung freuten. Aber zum letzten Mal.

Irgendwie ist es ja eine Duplizität der Ereignisse. Im Jahr 2021 hatten Helen Vordermeier und Selina Marquardt erstmals einen Weltmeisterschaftstitel gewonnen – und einige Monate später wurden die Kunstradfahrerinnen zu Stuttgarts Mannschaft des Jahres gekürt. 2023 war es dann wieder soweit: Dem Duo gelang erneut der Coup bei der WM – und am Montagabend waren sie erneut das Team, das im Cannstatter Kursaal den Wahlsieg bei der Stuttgarter Sportlerwahl feiern durfte.

„Es ist wirklich schön, dass wir diese Wahl erneut gewonnen haben“, freute sich Helen Vordermeier, „schließlich steht unser Sport ansonsten ja nicht so sehr im Fokus.“ Also: Alles gleich wie vor zwei Jahren? Von wegen!

Künftig vielleicht Trainerin oder Kampfrichterin

Denn anders als noch im Frühjahr 2022 dient die Auszeichnung in der Landeshauptstadt den beiden nicht als Motivation für ein neues Wettkampfjahr. Denn nach dem letzten Weltcup im November des vergangenen Jahres haben Helen Vordermeier und Selina Marquardt nicht nur die Saison beendet – sondern gleich die ganze Karriere als Leistungssportlerinnen. Im Januar gab es eine Abschiedsfeier, da wurde zurück geblickt, „und uns ist bewusst geworden, wie viel wir in der kurzen Zeit erreicht haben. Von 2017 an waren die beiden als Duo unterwegs, zuvor waren sie Einzelsportlerinnen gewesen.

Nun hat sich wieder viel verändert. „Ich werde oft gefragt, ob ich das Kunstradfahren vermisse“, sagt Helen Vordermeier. Ihre überraschende Antwort: „Auf dem Rad zu sitzen vermisse ich, ehrlich gesagt, nicht.“ Schließlich hat sie dem Sport 22 Jahre ihres Lebens gewidmet, freut sich nun über einen „etwas entspannteren Alltag“ – und darüber, „dass einem mal nichts wehtut“. So ganz kann die Sportlerin der SportKultur Stuttgart – Selina Marquardt startete für den RV Oberjesingen, gemeinsam haben sie in Stuttgart trainiert – aber nicht lassen von ihrer bisherigen Leidenschaft.

Bei Lehrgängen für den Nachwuchs hat sie schon ausgeholfen. Und wenn die eigene Karriere erst einmal ein Stück zurück liegt, kann sie sich auch eine Aufgabe als Trainerin oder Kampfrichterin vorstellen. Zuschauerin will sie sowieso immer wieder mal sein. Was ebenfalls bleiben wird: die Freundschaft zu ihrer Teamkollegin.

Zwar leben die beiden mittlerweile rund 100 Kilometer auseinander – Helen Vordermeier ist zu ihrem Freund nach Ulm gezogen – und es stehen auch keine drei gemeinsamen Trainingseinheiten auf dem Wochenplan. Im Laufe der vergangenen Jahre „ist aber eine schöne Freundschaft entstanden“, sagt Helen Vordermeier. Mit den emotionalen Höhepunkten bei den beiden WM-Titeln, von denen jener 2021 mit dem Heimpublikum in Stuttgart gefeiert werden konnte. Also in der Stadt, in der das Duo nun zweimalige Mannschaft des Jahres ist.

Neben Helen Vordermeier und Selina Marquardt waren in der Kategorie „Mannschaft des Jahres“ auch das Frauen-Turnteam des MTV Stuttgart und die Volleyballerinnen von Allianz MTV Stuttgart nominiert gewesen.