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Sporthallenbad Stuttgart Schwimmfreunde tauchen ab

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Leistungsschwimmer können zurzeit nur wenig Hoffnung haben, dass in Stuttgart ein neues Sportbad mit 50-Meter-Becken gebaut wird. Foto: dpa

Bei der Anbahnung des Stadtbadprojekts ist noch mehr schiefgelaufen als bisher gedacht. Nicht einmal der Deutsche Schwimmverband fördert das Vorhaben entschlossen.

Stuttgart - Beim Olympiastützpunkt (OSP) Stuttgart ist es, wie die Stuttgarter Nachrichten erfuhren, in der vergangenen Woche zu einer hitzigen Auseinandersetzung um das geplante Sportbad im Neckarpark gekommen. Dabei stellte sich heraus, dass nicht nur das Land die Förderung abgesagt hat, sondern der Deutsche Schwimmverband (DSV) sich noch nicht einmal zu dem Projekt bekannt hat und beim Bund für Zuschüsse verwendet. Stuttgarts Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) und die ihm unterstehenden Bäderbetriebe hatten aber seit fast fünf Jahren mit Millionenzuschüssen gerechnet.

Schon zu Zeiten, als das Bad gut 13 Millionen Euro kosten sollte, hatte man 4,5 Millionen Euro von Bund und Land eingeplant. Danach wurde mit höheren Baukosten und höheren Zuschüssen gerechnet – bis der Landesausschuss für Leistungssport (LAL) vor rund drei Monaten den ans Land gerichteten Förderantrag ablehnte.

Der DSV verfolge sogar eher ein Projekt in Rostock an der Ostseeküste, nicht den Bau des Sportbades in Stuttgart, heißt es in Kreisen des Sports nach der Besprechung. Bei der sei „blankes Entsetzen ausgebrochen, weil Baden-Württemberg bei den schwimmpolitischen Planspielen des DSV keine Rolle spielte“, heißt es auch. Vertreter des LAL, der das Kultusministerium bei der Steuerung von Zuschüssen berät, hätten sich bitter beklagt, wie schlecht das Projekt vorbereitet gewesen sei. Der zuständige Referatsleiter des Bundesinnenministeriums habe gedroht, dass man nicht über Zuschüsse entscheiden werde, wenn sich der DSV nicht festlege. Doch ohne Zuschüsse, hatte Föll schon früher erklärt, könne man das Sportbad nicht bauen.

Nach der Eskalation sind besonders die DSV-Funktionäre abgetaucht. Der LAL-Vorsitzende Jörg Schwenk zeigt mehr Mut zur Transparenz. Auf Anfrage bestätigte er: „Beim DSV gibt es Vorstellungen, lieber einen anderen Standort zu unterstützen.“ Die Annahme, dass der Bund zwei Neubauprojekte fördern könnte und noch dazu in der diskutierten Höhe, sei völlig abwegig. Wenn jemand mit gut neun Millionen Euro gerechnet hätte, müsse er die Realität und Warnsignale ausgeblendet haben.

Dass man aufgrund der teilweisen Nutzung des Bades für den Wasserball-Leistungssport automatisch an hohe Zuschüsse herankommen könnte, war nach Schwenks Einschätzung auch ein Irrglaube. Stuttgart sei beim Wasserball eben nicht Spitzenstandort. Eine einseitige Förderung durch das Land ohne Beteiligung des Bundes sei nicht üblich. Bei Bund und Land wären im besten Fall maximal je 500 000 bis eine Million Euro zu holen, keinesfalls je 4,7 Millionen. Schwenk wörtlich: „Die Erwartungen waren jenseits von Gut und Böse.“

Dass der LAL Ende 2013, wie erst später bekannt wurde, den Antrag vom Tisch wischte, wird dort offenbar auch mit taktischen Fehlern der Antragsteller, den von Föll beaufsichtigten Bädebetrieben, in Zusammenhang gebracht. Mit den Ausstattungswünschen für das Bad und den Kosten – inzwischen bei 25 bis 27 Millionen Euro – seien eben auch die Zuschusserwartungen gestiegen, erinnert sich Schwenk. Föll habe das Antragsverfahren unverändert weiterlaufen lassen, sagen auch manche im Rathaus, obwohl jüngst sogar der von ihm vorgeschlagene Standort bei den Sportanlagen von VfL und ESV Rot-Weiß Stuttgart im Gemeinderat abgelehnt wurde. Dann machte der LAL dem Verfahren ein Ende.

Das müsse aber nicht das letzte Wort sein, sagte Schwenk nun. Der LAL könnte sich auf einen neuen Antrag doch noch für die Bezuschussung durch das Land aussprechen – „aber nicht in der bisher erwarteten Höhe“ und nur dann, wenn der Bund das Sportbad als Fall für die gemeinsame Förderung von Spitzensport akzeptiert. Der Sportkreisvorsitzende Fred-Jürgen Stradinger hofft, dass beim Land auch noch Zuschussgelder außerhalb der knapp bemessenen Regelförderung beschafft werden können.

Föll will die Kunde von der Besprechung nicht kommentieren. Das Gespräch, das er am 8. April mit DSV-Präsidentin Christa Thiel führen will, diene ja gerade dem Zweck, die Absichten des DSV auszuloten. „Von neun Millionen Euro Zuschüssen habe er nie geredet“, sagte er. Davon sei auch in Gemeinderatsvorlagen nicht die Rede gewesen. Für Zuschüsse in der Größenordnung von fünf Millionen Euro habe er vor Jahren ein positives Signal des Schwimmverbands Württemberg bekommen. Dass es nur ein mündliches Signal war, finde er nicht erheblich. Verbindlich habe es beim damaligen Verfahrensstand gar nicht sein können. Es sei im Übrigen immer klar gewesen, dass die Regelung der Zuschussfrage der Job der Verbände sei, der Antrag Sache der Stadt.

Wie es weiter geht, wird sich im Rathaus erst am 9. April abzeichnen. Klaus Tappeser, Präsident des Württembergischen Landessportbunds, will alle Kräfte bündeln. Er habe noch Hoffnung. Nur: „Wer nicht kämpft, hat schon verloren.“ Die CDU im Rathaus hat das Abspecken beantragt, um das Projekt zu retten. Dabei wird besonders die bisher für 900 Zuschauer vorgesehene Tribüne in den Blick geraten. Die Arbeitsgemeinschaft der schwimmsporttreibenden Vereine wehrt sich aber gegen das Abspecken. Prinzipiell gilt das Bad der Sportbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU) sowie Sportkreis-Chef Stradinger als unverzichtbar. Mehr und mehr holen Föll, der den Bau ohne hohe Zuschüsse für nicht machbar erklärt hat, in der kommunalpolitischen Diskussion seine früheren Argumente ein: Leistungssportler, Breitensportler und das Schulschwimmen brauchen das neue Sportbad, damit man die Energieschleuder Stadtbad Cannstatt und die sanierungsbedürftige Traglufthalle über dem 50-Meter-Becken im Inselbad Untertürkheim aufgeben kann. Letztlich, meint auch LAL-Chef Schwenk, stehe die Stadt vor einer Gewissensfrage: ob sie nun gar nichts macht oder sich nach einer Abspeckaktion das Sportbad leistet.

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