An der Frage, wie warm es in der Bräunlinger Sporthalle sein soll, entzündet sich eine Diskussion. Der Stadtrat hat sich dazu entschieden die Temperatur nicht auf 15 Grad Celsius abzusenken. Das Bild wurde vor der Pandemie aufgenommen.Archivfoto: Maier Foto: Schwarzwälder Bote

Gemeinderat: Gremium diskutiert über Temperatur in der Sporthalle / Kritik an geplanten Begehungen mit externem Berater

Bereits seit 1999 ist die Stadt Bräunlingen in ­ Sachen Energiemanagement tätig. Jetzt ist eine Umstellung des Systems geplant, die einen Vergleich mit anderen Kommunen ermöglicht.

Bräunlingen. Zum Energiemanagement gehört etwa die regelmäßige Überwachung der Energieverbräuche der städtischen Einrichtungen, jährliche Energieberichte, die zeitnahe Bearbeitung von Auffälligkeiten und die Planung und Umsetzung von Maßnahmen, die sich aus den Daten ergeben. Die Frage ist, wie genau das alles überprüft werden soll.

Die Stadt möchte auf ein System umstellen, das es erlaubt, Vergleiche zwischen verschiedenen Städten herzustellen. Dazu ist sie seit einer Neufassung des Klimaschutzgesetzes 2020 verpflichtet. Die Klimaschutz- und Energieagentur hat eine standardisierte Vorgehensweise entwickelt. Die im Gemeindeverwaltungsverband (GVV) Donaueschingen zusammen-geschlossenen Städte haben 2020 beschlossen, die vorhandenen Energiemanagementsysteme entsprechend umzustellen. Dazu gibt es Vorgaben des Städtetages.

Proteste werden befürchtet

So etwa auch bezüglich bestimmter Raumtemperaturen. "Hier werden in Turn- und Sporthallen 15 Grad empfohlen", erklärte Umweltberater Gerhard Bronner den Stadträten. "Es hat sich aber gezeigt, dass das bei dem heutigen Anspruchsniveau nicht haltbar ist." Man befürchtet, sollte man das durchsetzen, dass es zu vielen Protesten kommen werde. Ein Grad Celsius Temperaturunterschied schlage sich in Kosten von rund 1000 Euro nieder. In den Schulen sollen die Vorgaben des Städtetages eins zu eins umgesetzt werden. In den Klassenräumen sind 20 Grad Celsius vorgegeben. "Es gibt Sportarten, da wird es schnell warm. Aber die Turner, besonders die kleinen Kinder frieren jetzt schon. Wir sollten die Temperatur lassen, wie sie ist", sagte FDP-Stadtrat Siegbert Wernet. Schlussendlich entschieden sich die Räte dazu, die Temperatur bei 18 Grad Celsius festzulegen.

Es entspann sich jedoch eine Diskussion über die turnusmäßigen Begehungen, die in den Einrichtungen zur Überprüfung unternommen werden. Deren Sinnhaftigkeit wurde nicht überall im Rat gesehen. "Die Temperatur würde ich auch nicht absenken. Aber warum müssen wir die turnusmäßigen Begehungen machen?", so CDU-Fraktionssprecher Michael Gut. "Was wird dabei überhaupt genau angeschaut?", fragte er. Man überprüfe da etwa die Einstellungen der Heizungen, "bisher haben wir bei jeder Begehung etwas gefunden, das behoben werden musste. Es hat sich gezeigt, dass beim Verzicht auf laufende Kontrollen der Energieverbrauch hoch ist", erklärte Bronner. Dem entgegnete Gut: "Wir haben Wartungsverträge und unsere Hausmeister machen schon Energiemanagement. Kein Privatmann macht das so. Ich würde das infrage stellen."

"Das Energiemanagement ist bei uns nicht strukturiert", so CDU-Stadtrat Rolf Schütz. Man zahle jahrelang Geld an das Energiebüro, "das genau das machen sollte. Ich erwarte eine Schulung für die Hausmeister, damit sie das auch übernehmen können".

Ähnlich sah es auch Berthold Geyer, Fraktionssprecher der Gruppe 84: "Fehler müssen im laufenden Betrieb erkennbar sein. Das sollte im Bauamt konzentriert sein. Man sollte überlegen, wie man das koordiniert bekommt." Dass die laufende Optimierung eine klassische Hausmeister-Aufgabe sei, betonte auch Georg Baum von der FDP: "Grundsätzlich ist es sinnvoll, einmal im Jahr eine Gesamt-Auswertung zu machen. Aber wir sollten das mit Bordmitteln erledigen." Bürgermeister Micha Bächle erklärte, dass es generell das Ziel ist, möglichst viel durch eigene Mitarbeiter abzudecken: "Sie machen da auch schon sehr viel."

Begehungen nach Bedarf

"Ich würde es lieber sehen, dass wir bedarfsorientierte Begehungen schalten", so Michael Gut weiter. "Wir bekommen auch so ein Ergebnis. Auch jährlich gesehen sehe ich darin keinen Sinn." Wenn man erkenne, es laufe etwas aus dem Ruder, sollte gehandelt werden: "Symptom­orientiert, nicht pauschal." Umweltberater Gerhard Bronner äußerte dazu "größte inhaltliche Bedenken". Beispiele anderer Kommunen zeigen andere Ergebnisse: "Ich würde sagen man kann es so machen. Ob es dann ein Siegel gibt, das ist fraglich. Aber man kann auch ohne Siegel Energiemanagement machen", so Bronner.

Schützenhilfe bekam Bronner von FDP-Fraktionssprecher Armin Ewald: "Eine jährliche externe Begehung macht Sinn. Mit Bordmitteln schleift sich das ab." Die ­Anlagen sollten von jemandem angeschaut werden, der den neuesten Stand der Technik im Kopf habe. "Ich habe Bedenken. Es ist ein schleichender Prozess und dann ist irgendwas. Und bis dahin geht zu viel Zeit ins Land." Dass ein Externer komme, sei auch eine Kontrolle für die städtischen Mitarbeiter. Das Thema der turnusmäßigen Begehung soll abermals diskutiert werden.

Die neu strukturierten turnusmäßigen Gebäudebegehungen, die halbjährlich durch einen Energieberater gemacht werden, verursachen natürlich auch Kosten. Die belaufen sich voraussichtlich auf etwa 4500 Euro, die im Haushalt 2021 aufschlagen werden. Im Anschluss an die Begehungen wird ein entsprechendes Maßnahmenpapier erarbeitet, das in den Kosten bereits abgebildet ist.