Schon wieder einen Fragebogen ausfüllen: Nicht alle Funktionäre sporttreibender Vereine in Albstadt sind glücklich über die jüngsten Erhebungen in Sachen Hallenbedarf. Kommt erneut ein Konzept für die Schublade dabei heraus? Nein, sagt die Stadt.
Noch ein bisschen teurer als die Sportentwicklungsplanung 2013 kommt den Steuerzahler die Fortschreibung der „Sportentwicklungskonzeption“: 57 344 Euro – 2344 Euro mehr als das Konzept von 2012, dessen „Großteil es nie bis zur Umsetzung schaffte“, wie die Stadtverwaltung auf Nachfrage unserer Redaktion einräumt. „Bedauerlicherweise wurden nur einige wenige Maßnahmen realisiert.“
Als Grund dafür nennt Pressesprecherin Mona Lehmann, „dass das Konzept teilweise von der Entwicklung in der Stadt schlicht überholt wurde“, und nennt als Beispiele den Abriss der Schlossberghalle, die Sanierung der Turn- und Festhalle Pfeffingen und den Bau der „Rominger+Blaier-Arena“ beim Albstadion.
Nun sei die „Fortschreibung der Sportstättenentwicklungsplanung aber wichtiger denn je“, vor allem „im Hinblick auf die Haushaltslage und den komplexen Bestand an Gebäuden und Freiluftsportanlagen“. Die Stadtverwaltung erhofft sich von der Befragung unter den Schulen, den sporttreibenden Vereinen und zufällig ausgewählten Einwohnern, die aktuell läuft, Erkenntnisse, „wo welche Sportanlagen benötigt werden, um diese entsprechend dem Bedarf auch vorhalten zu können“.
Vereine im Umbruch – darauf soll reagiert werden
Zudem stehe die Vereinslandschaft vor einem „Umbruch durch veränderte Altersstrukturen, fehlenden Nachwuchs, sich stetig ändernde Angebote und die mangelnde Bereitschaft zur ehrenamtlichen Mitwirkung in den Vereinen“.
Genau hier setzt die Kritik jener Ehrenamtlichen an, die viel Freizeit investieren, um Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen Sport und Gemeinschaft in einem Verein zu ermöglichen. Fragebögen auszufüllen sei ja in Ordnung, kommentiert ein Vereinsfunktionär, aber eben nicht, wenn das auf dieser Basis erstellte Konzept – wieder mal – nicht umgesetzt werde.
Hinzu komme die Tatsache, dass der Stadt doch bekannt sein müsse, welcher Verein wo und zu welcher Zeit Sport treibe – schließlich stelle die Verwaltung den Vereinen ja Rechnungen für die Raum- und Hallenmiete aus. Mona Lehmann entgegnet, dass die Stadt nicht konkrete Nutzungszeiten abfrage, sondern den zusätzlichen Bedarf. Nicht zuletzt komme es vor, „dass Zeiten nicht mehr in Anspruch genommen werden, beim Sportamt aber nicht zurückgegeben werden“. In einem anderen Fall würden weitere Zeiten genutzt, ohne dass dies dem Sportamt bekannt sei.
Ihre Pflichtaufgabe will und muss die Stadt erfüllen
Die Stadt Albstadt steht vor dem Dilemma, dass sie den Schulsport als Pflichtaufgabe der Kommune ermöglichen muss, ihn aber – ebenso wie den Vereinssport – „nicht in vollem Umfang unterbringen“ könne, wie Mona Lehmann erklärt. „Daher ist es wichtig, Prioritäten zu setzen.“ Von den Schulen fordere die Stadt derzeit „maximale Flexibilität im Sportbereich, um alle Unterrichtsstunden gemäß Lehrplan gewährleisten zu können“.
Ähnlich verhalte es sich mit dem Vereinssport: „Obwohl die Vermietung städtischer Sporthallen an Vereine eine freiwillige Leistung ist, setzen wir uns ebenso intensiv dafür ein, auch unter den gegenwärtig schwierigen Bedingungen akzeptable Lösungen für die Vereine zu finden“, betont die Pressesprecherin. „Einige Vereine haben eigenständig kreative Lösungen außerhalb der städtischen Räumlichkeiten entwickelt.“
Und dafür kräftig investiert, wie das Beispiel des TSV Ebingen zeigt, der eine Halle in der Sigmaringer Straße angemietet hat, die Miete aber alleine aufbringen muss. Zuschüsse bekäme der Verein nur dann, wenn ihm die Halle gehörte.
Fördermittel gibt es nur für eigene Sportanlagen
Erklärung der Stadtverwaltung: Deren Sportförderrichtlinien „sehen einerseits eine Förderung des Sportbetriebs“ – Grundförderung, Zuschüsse für Übungsleiter, Jugendförderung und anderes mehr – „vor, andererseits Zuschüsse für vereinseigene Anlagen.“ Das gelte auch für Investitionszuschüsse.