Felix von Roeder (links) trägt hier das Trikot der Cornhole-Nationalmannschaft. Foto: Cornholefreunde Diersburg

In ihren Disziplinen gehören Felix von Roeder und Stefan Marte zu den Besten in ganz Deutschland. Was treibt sie an?

Das Werfen von kleinen Säckchen in ein Loch auf einem Holzbrett ist die große Leidenschaft von Felix von Roeder. Der Diersburger gehört zu Deutschlands besten Cornhole-Spielern. Die Sportart aus den USA hat es nach Europa geschafft. 2019 unternahm von Roeder seine ersten Versuche in der Nischensportart, im vergangenen Jahr hat es der Ortenauer sogar in das Nationalteam geschafft. „Ein gigantischer Erfolg“, betont von Roeder im Gespräch.

 

Die Cornhole-Regeln sind schnell zu lernen, die Einstiegshürden niedrig. Die gefüllten Säckchen müssen idealerweise durch das Loch im schräg aufgestellten Holzbrettgeworfen werden – das gibt drei Punkte. Bleibt das Säckchen auf dem Brett liegen, gibt es einen Punkt. Das Spiel sei ein „Corona-Gewinner“, berichtet von Roeder. Gerade in den USA sei der Sport „explodiert“. Aber auch hierzulande steige die Zahl der Spieler Jahr für Jahr.

Anders als andere Sportprofis kann von Roeder trotz Spitzenleistungen nicht vom Cornhole leben. Seinen Lebensunterhalt verdient der Anfang 30-Jährige als Winzer auf dem Familienweingut. Trotzdem sieht er sich als Profi, erklärt er.

Der richtige Wurf muss zur Routine werden

Sein Training ist inzwischen „professionalisiert“. Nicht nur mit seinen Vereinskollegen übt er ein bis zweimal die Woche, täglich trainiert er alleine. Auch in den Reben baut er in kleinen Pausen immer wieder das Holzbrett auf und wirft die Säckchen – immer und immer wieder. „Es geht um ,Muscle Memory’, verdeutlicht der Nationalspieler. Das bedeutet: Das Werfen muss zur absoluten Routine werden. Nur so könne man „wenn der Druck am größten ist“ erfolgreich sein.

Den gibt es dann bei den großen Turnieren. Bei der Team-Weltmeisterschaft in Paris 2023 trat der Diersburger an und schied erst im Halbfinale gegen die Favoriten und spätern Sieger aus den USA aus. Keine drei Jahre später ist die Cornhole-Welt in Deutschland eine andere. Ob er es erneut in den Nationalkader schaffen wird? „Ich werde alles versuchen“, stellt er klar. Nur ist die Konkurrenz stärker geworden, in der Rangliste oben dabei zu sein schwieriger.

Stefan Marte wurde 2024 deutscher Meister im Skat. Foto: Skatclub „Schnippel die 10“

Gedanken, in einer populäreren Sportart Profi zu sein, habe er gehabt, gibt von Roeder zu. 24 Jahre spielte er Fußball. Aber: „So groß war mein Talent nicht“, erzählt er lachend. Beim Cornhole ist das anders. Für ihn ist klar: „Ich bleibe beim Brett.“

Einen weiteren Unterschied zu Profis im Rampenlicht gibt es bei von Roder. Eine Weltmeisterschaft würde wohl kein Fußballer sausen lassen. Der Diersburger verzichtete aber 2025 auf seinen sicheren WM-Platz in Kroatien. Zu der Zeit stand die Weinlese an, und die hatte für den Winzer Priorität.

Auf Weltmeisterschaften hat auch das Skat-Ass Stefan Marte verzichtet – aber aus einem ganz anderen Grund. „Bei der WM oder EM muss man sich nur einkaufen“, erklärt Marte. Für die deutsche Meisterschaft hingegen muss man sich über mehrere Ebenen qualifizieren. Bei der Weltmeisterschaft fehle ihm schlicht die sportliche Herausforderung. Der 32-Jährige, der für den Haslacher Club „Schnippel die 10“ antritt, feierte 2024 seinen größten Erfolg: Er wurde deutscher Meister im Skat in der Klasse „Junge Leute“.

Dass Marte heute zu den besten Skatspieler des Landes gehört, ist eine Überraschung. Niemand aus seiner Familie beherrscht das traditionsreiche Kartenspiel. Erst durch Freunde lernte er Skat 2016 kennen und begann zu spielen. Inzwischen geht es ihm nicht mehr nur um einen Zeitvertreib. „Den Ehrgeiz habe ich“, stellt er mit Blick auf die Turniere klar. Denn dort braucht es Durchhaltevermögen.

Junge Skatspieler sind eine Ausnahme

Viele Serien (Partien) werden an einem Turniertag gespielt. Das dauert viele Stunden. Über so einen langen Zeitraum hochkonzentriert zu bleiben, daran müsse man sich gewöhnen, weiß Marte. Für ihn sind die hochklassigen Turniere trotzdem „immer wieder schön“. Denn die Skatszene ist klein, man kennt sich. „Abends ist das wie ein Klassentreffen“, beschreibt es Marte.

Und wie reagieren Außenstehende auf sein Leben als „Skat-Profi“? Die Rückmeldungen, die er bekomme, seien durchweg positiv. „Viele sind überrascht – und es gibt Anerkennung“, so Marte. Die überraschten Reaktionen könnten auch an Martes Alter liegen. „Der Altersdurchschnitt ist sehr hoch.“

Da der Haslacher Skatverein „relativ jung ist“ – der Altersschnitt liege zwischen 40 und 50 Jahren – hat sich der 32-Jährige für die Hansjakobstadt entschieden, obwohl er bei Schramberg wohnt. Nachdem Marte 2025 seinen DM-Titel nicht mehr verteidigen konnte, trainiert er nun für die Qualifikation. „Ich habe auf jeden Fall den Anspruch, wieder dabei zu sein“, stellt er klar.

Unesco-Kulturerbe
Skat spielen wurde 2016 von der Unesco als immaterielles Kulturerbe in der Kategorie „Gesellschaftliche Bräuche, Rituale und Feste“ anerkannt.