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Sport "Wir müssen alle nach vorne schauen"

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Beruflich ist Daniel Wehrle bei einem Unternehmen für Medizintechnik beschäftigt und dort im Bereich Marketing bundesweit unterwegs. Foto: Marc Eich

Die Corona-Krise hat den Sport lahmgelegt. Doch zahlreiche Sportler aus der Region sind durch ihren Beruf mitten im Geschehen gefordert. Wir sprachen mit Daniel Wehrle, Valeria Chiarelli, Peter Hesselbach und Tobias Hummler über den neuen Corona-Alltag.

Daniel Wehrle ist Mittelfeldspieler des Oberligisten FC 08 Villingen. Beruflich ist der 26-Jährige bei einem Unternehmen für Medizintechnik beschäftigt und dort im Bereich Marketing bundesweit unterwegs. Er beschreibt seine derzeitige Gemütslage so, "dass das Coronavirus uns alle fest in der Hand hat. Daher tragen wir auch alle eine Mitverantwortung, sich in unserem derzeitigen Leben auf das Notwendigste zu reduzieren und zu verzichten. Keine Partys, keine Treffen."

Herr Wehrle, der Ball bleibt derzeit in der Ecke, wie sehr schmerzt dies?

"Der Spielbetrieb ist ja vorerst bis zum 20. April eingestellt. Ich persönlich bin verletzt. Ich habe mir im Training einen Riss am Syndesmoseband und vorderen Sprunggelenk zugezogen, gehe jetzt an Krücken und habe einen Spezialschuh. Daher wäre ich vier bis sechs Wochen außer Gefecht gewesen. Ich habe erst einmal Sport- und Bewegungsverbot für 14 Tage, danach werde ich mich langsam wieder fit machen."

Was glauben Sie, wie geht es mit der Fußballsaison weiter?

"Ich hoffe natürlich, dass wir noch irgendwann weiterspielen können. Doch aufgrund der Corona-Dynamik ist die Fußball-Lage – ehrlich gesagt – schwierig einzuschätzen, weil ich glaube, dass die Spitze des Eisbergs noch lang nicht erreicht ist. Ich bekomme es ja von beruflicher Seite mit."

Wie sieht der berufliche Alltag denn aus?

"Ich arbeite in der Medizintechnik im Marketing und bin in ganz Deutschland unterwegs. Wir wurden mit dem Thema somit schon vor längerer Zeit sensibilisiert. Viele Kundenbesuche, Dienstreisen, Messen und Kongresse wurden abgesagt. Ich mache jetzt Home-Office. Definitiv hat sich das berufliche Leben verändert. Viele Dinge, wie weite Reisen, kann man aber auch problemlos mit einer Skype-Konferenz erledigen. Es funktioniert und spart viel Zeit. Dies lässt mich tatsächlich vieles überdenken, was wir zukünftig der Umwelt zuliebe anders machen können. Daher nehme ich positiv mit, dass wir alle dafür ein Bewusstsein schaffen und vieles kritisch hinterfragen."

Welches Szenario sehen Sie, sollte die Saison sogar abgebrochen werden?

"Das ist ein enorm schwieriges Thema. Ich kann mir generell vorstellen, dass einheitlich in Deutschland vom DFB entschieden wird, der Tabellenerste jeder Liga aufsteigt, es keine Absteiger gibt. In der Oberliga ist es vorne sehr eng, auch wenn Favorit VfB Stuttgart II Tabellenführer ist. Härtefälle wird es dann immer geben – von der Oberliga bis ganz unten bei den Herren und Frauen. Bei mir standen ja noch Vertragsgespräche mit dem FC 08 Villingen an. Mein Vertrag läuft im Sommer aus. Wir stehen aber diesbezüglich im Kontakt. Ich denke, dass wir im April konkret weiterverhandeln. Ich bin gespannt, wie die Fußballvereine, auch der FC 08 Villingen, diese Krise letztlich meistern."

Valeria Chiarelli führt ein Leben rund um den Sport. Die 29-Jährige ist Spielführerin des Landesliga-Tabellenführers FV Marbach. Zudem ist sie nebenberuflich Fitnesstrainerin sowie leidenschaftlicher Basketballfan der wiha Panthers Schwenningen (ProA).

Mit dem FV Marbach hatte sie am 7. März noch ein Spiel in Grüningen zu bestreiten. "Als die Eishockey-Saison allerdings abgebrochen wurde, war mir klar, dass dies es war. Als die ProA am 16. März endete, ging meine Hoffnung dahin, dass wir diese Saison noch einmal Fußballspielen werden."

Wie gehen Sie mit dieser schweren Situation um

"Auf den ersten Blick war mir langweilig. Ich musste mir Alternativen suchen. Kein Training, keine Spiele – dabei haben wir die Meisterschaft und den Aufstieg vor Augen. Zudem ging ich noch dreimal pro Woche ins Fitnessstudio."

Welche Alternativen haben Sie gefunden?

"Joggen, Spazierengehen, Home-Workout mit Fitnessübungen."

Beruflich arbeitet Valeria Chiarelli in einer Königsfelder Arztpraxis als MFA (Medizinische Fachangestellte). Sie war auch mit ihrem Chef in der Corona-Ambulanz tätig.

"Wir wurden gefragt, wer da freiwillig mitmachen möchte. Ich habe mich gleich gemeldet", musste die Marbacherin nicht lange überlegen. "Wir hatten die komplette Schutzkleidung. Es war zwar anstrengend, hat aber auch Spaß gemacht. Es ging viel um Beratung, weil die Menschen Fragen hatten. Insgesamt war es eine gute Sache."

Das deutsche Gesundheitssystem empfindet sie als "sehr gut, weil gut reagiert wurde und wir gut ausgerüstet sind". Vor allem jedoch beim Blick in ihr Heimatland – Italien – bekommt sie Sorgenfalten. "Mein Vater hat daheim italienisches Fernsehen. Es ist beängstigend zu sehen, wie sie es nicht in den Griff bekommen und so viele Menschen in so kurzer Zeit sterben."

Peter Hesselbach aus Schwenningen ist Arzt. Der Allgemeinmediziner hat eine Praxis in Königsfeld und ist ein multi-sportiver Mensch. Er spielte bis vor einigen Jahren noch aktiv Fußball beim FC Königsfeld und beim FC Weilersbach. Zudem ist er im Vorstand des TC Schwenningen und liebt das Spiel mit dem Schläger und der Filzkugel. Weiter engagiert er sich in der Jugendarbeit des Golf-und Country-Clubs Königsfeld, bei dem seine drei Söhne aktiv Golfen.

"Es war schon bitter, die Tennishalle abschließen zu müssen – und natürlich bei diesem schönen Wetter nicht auf den Golfplatz zu können. Aber es war in dieser Situation die einzig richtige Entscheidung, um gegen das Virus anzukämpfen. Ich gehe davon aus, dass es längere Zeit keinen Amateurfußball mehr gibt – ebenso keine Tennis- und Golf-Wettbewerbe."

Als Mediziner ist er täglich an der Corona-Front gefordert, jedoch nicht nur. "Es gibt im Praxisalltag natürlich weiterhin die anderen Kranken." Der Sport rückt für ihn klar in den Hintergrund: "Ich bewege mich sehr gerne, jedoch mache ich mir gerade keinen Kopf, ob die Fußball-Bundesliga noch weitergehen soll oder nicht. Meiner Meinung nach hätte man deutlich früher Spiele in den vollen Stadion stoppen können."

Hesselbach war in den vergangenen Tagen mehrfach in der Corona-Ambulanz am Schwenninger Messegelände im Einsatz. "Wir sind in Deutschland mit unserem Gesundheitssystem – im Vergleich zu anderen Ländern – sehr gut aufgestellt. Einzig das Thema Schutzanzüge und Masken muss verbessert werden."

Und was macht die Situation jetzt mit den Menschen? "Kein Sport, kein Vereinsleben mit Training, Wettkampf oder Geselligkeit – da wird man schon nachdenklich. Die Krise ist eine große Chance: Weg vom Egoismus, zukünftig wieder die Gemeinschaft und Werte in Vereinen und im Ehrenamt stärken", so seine Hoffnung. Es gebe aber in dieser Zeit Alternativen: "Ich habe drei Jungs im Alter zwischen 13 und 16 Jahren. Wir machen viel Sport, haben im Garten Fußball gespielt oder Inline-Hockey betrieben. Ich selbst habe für mich Yoga entdeckt, was mich beweglicher macht. Zudem arbeite ich mit einer Fitness-App. Dies ist mein Tipp für alle, die derzeit nicht mehr ins Fitnessstudio dürfen. Langweilig wird es mir nicht."

Tobias Hummler aus Pfaffenweiler unterrichtet am Villinger Romäus-Gymnasium – auch Sport. Der ehemalige Fußballer aus dem Raum Reutlingen ist beim FC Pfaffenweiler Jugendtrainer. "Am 9. Februar haben wir noch mit den E-Junioren des FC Pfaffenweiler eine tolle Hallensaison mit dem Bezirksmeistertitel im Futsal abgeschlossen. Eigentlich sollte es am vergangenen Wochenende mit der Feldsaison weitergehen. Daraus wird leider nun nichts. Wir hatten uns auf die Mini-WM in Augsburg gefreut. Ich persönlich rechne damit, dass es in dieser Saison keine Spiele mehr geben wird, zumindest nicht bei der Jugend."

Was ernüchternd klingt, motiviert den Pädagogen alleine schon seiner zwei Kinder daheim und seiner Aufgabe in der Schule wegen. Da Tobias Hummler an der Schule auch die Ausbildung zum DFB-Juniorcoach und zum DFB-Vereinsmanager durchläuft und diese jetzt gerade ausgesetzt ist, wurde er schnell kreativ. "Ich habe ein Konzept entworfen, welches nun vom Süddeutschen Fußballverband und vom DFB geprüft wird, ob man es nicht als Online-Tool über das Internet durchführen kann."

Eine gute Idee, die an den Lehrstoff in den Schulfächern angeknüpft ist. "Derzeit habe ich wirklich viel zu tun. Meine Schüler bekommen Arbeitsaufträge, nach ein paar Tagen gibt es die Lösungen dazu. Wir kommunizieren miteinander – fragen nach, motivieren, tauschen uns aus."

Sein erster Tipp zur Selbstdisziplin: "Jeden Tag mindestens 30 Minuten an die frische Luft zum Joggen, damit man keinen Koller bekommt."

Dazu gebe es Im Internet Anleitungen für das Krafttraining daheim, "zudem wird per Skype dafür gesorgt, dass man auch mal wieder ein anderes Gesicht sieht. Es ist insgesamt ein anderes Arbeiten, intensiver und mit viel Mailverkehr".

Daheim sind zudem seine beiden Kinder, die den Fußball lieben. "Meine Tochter hat das Zepter in die Hand bekommen. Sie macht unseren Wochenplan mit zwei Trainingseinheiten pro Tag. An einem Tag gibt es Torwart-Training mit Übungen, die sie sich aussucht, dann Basketball oder eine Fahrradtour. Sie ist da total kreativ. Ich freue mich zudem, wie sich meine Schüler mit der Situation arrangieren. Wir müssen alle nach vorne schauen."

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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