Mit dem Kind geht es zum Sport. Foto: dpa

Ein besonderes Angebot für junge Mütter soll die Mamas wieder fit und den Kindern Spaß machen.

Stuttgart - Wie bekomme ich einen ­Krippenplatz, was sind gute Stillzeiten, und wie oft wird das andere Baby in der Nacht wach: Zwölf Frauen warten am Parkplatz der Stuttgarter Bärenseen und unterhalten sich über das, was junge Mütter eben so beschäftigt. Plötzlich ist die Unterhaltung beendet. Sabine Kiefer ist da. Das Training beginnt – mit Kind und Kinderwagen. Das ­Fitness-Angebot „Laufmamalauf“, das unter freiem Himmel stattfindet, ist kein als Sport getarnter Plausch. Das etwas andere Work-out verfolgt ein Ziel: Die Mamas wollen wieder fit werden, und deshalb redet keine mehr, als Sabine Kiefer die erste Station eröffnet.

Mit Gummibändern werden die Beinmuskeln und der Po trainiert. In den folgenden 60 Minuten folgen drei weitere Stationen. Die Gruppe trainiert mit Schwingstäben, auf Matten, die Frauen machen Liegestützen an einer kleinen Mauer, kurze Sprints auf der Stelle und dazwischen wird gewalkt. Manchmal bringt Sabine Kiefer auch Bälle mit. „Ich versuche das Training zu variieren und bei schlechtem Wetter anzupassen“, sagt Sabine Kiefer. Das bleibt nicht unbeobachtet. Spaziergänger am Bärensee gucken immer wieder neugierig herüber und beobachten neugierig diese besondere synchrone Gruppenperformance.

Wenn die Kinder im Wagen unruhig ­werden, nehmen sie die Mütter heraus und sie werden statt dem Sportgerät einfach in die Übung integriert. Oft genügt es schon, sie auf die Matte zu legen wie Elena und Tim, die sich gerade miteinander beschäftigen und probieren, die Übungen nachzumachen. Andere Kinder beobachten die Blätter in den Bäumen. Stimmt der Nachwuchs dann doch in ein unzufriedenes, kollektives Geschrei ein, geht es einfach eine Station ­weiter. Das Fahren beruhigt die Kinder.

„Ich wollte ein Training im Freien und nicht langfristig an ein Fitness-Studio gebunden sein“

Heute haben alle einen guten Tag. Manche schlafen oder beobachten interessiert ihre schwitzenden Mütter. Andrea Numens und Angela Neiss sind seit mehr als einem Jahr dabei. Sie haben dank „Laufmamalauf“ den Kampf gegen den Bauch und den Babyspeck gewonnen. Auch bei anderen Müttern sind die Kilos gepurzelt oder sie sind Rückenschmerzen oder Verspannungen vom meist einseitigen Tragen des Kindes losgeworden. „Ich wollte ein Training im Freien und nicht langfristig an ein Fitness-Studio gebunden sein“, sagt Andrea Numens. Angela Neiss ist froh, dass sie wieder in ihre Lieblingsjeans passt und ihr Kind nicht in fremde Hände geben muss. Ähnlich sind auch die Motive von Isa Dollkopf, die mit Tochter Pia seit acht Monaten dabei ist und nun eine weitere Zehnerkarte lösen will. „Mein Kind ist an der Luft und ich bringe meinen Körper in Form. Eine ideale Kombination“, sagt sie.

Immer mehr Frauen mit Baby entscheiden sich für dieses Fitnessangebot und gegen den Besuch eines Studios, obwohl dort auch Kinderbetreuung angeboten wird. In elf deutschen Städten wird dieses spezielle Programm mittlerweile angeboten. Den ersten Kurs startete Mitgründerin Illdiko Gössl im Sommer 2012 in Berlin. Danach breitete sich das Angebot in ganz Deutschland aus.

Der Kurseinstieg ist ab sechs Wochen nach der Entbindung möglich. Positiv: Die Mütter sind nicht wie im Fitness-Studio ein Jahr lang gebunden, sie können jederzeit wieder aussteigen. Die meisten bleiben aber langfristig dabei. In Stuttgart können sie mehrmals die Woche trainieren, auch an vier weiteren Standorten unter anderem im Schlosspark und am Kräherwald.

Ein Lauftraining für Neun- bis Zwölfjährige sollte nicht mehr als vier bis fünf Kilometer zweimal die Woche betragen

Ein Sechs-Wochen-Programm mit zwei Einheiten die Woche kostet 88 Euro, wer nur einmal trainieren will, kann dies zehn Wochen lang für denselben Preis tun. Die Mischung aus Ausdauer, Kraft- und Beweglichkeitstraining richtet sich an alle Frauen. „Es ist kein Problem, ob man vor der Schwangerschaft schon einmal Sport betrieben hat. Jeder wird seinen Vorkenntnissen entsprechend gefordert“, sagt Sabine Kiefer. Und während sich die zertifizierte Trainerin auf die nächste Gruppe vorbereitet, tauschen die Frauen noch Tipps übers Stillen und die besten Babysitter aus.

Wenn der Nachwuchs im Kindergarten ist, kann die Mutter wieder unabhängig Sport betreiben. Spätestens aber wenn die Kinder sicher Fahrrad fahren können, ist ein gemeinsames bewegtes Leben wieder möglich. Mutter und Vater joggen, das Kind kann mit dem Rad nebenher fahren. Vielleicht entwickelt der Junge oder das Mädchen selbst eine Leidenschaft fürs Laufen. Ein Lauftraining für Neun- bis Zwölfjährige sollte aber nicht mehr als vier bis fünf Kilometer zweimal die Woche betragen, weil die langen Knochen an den Beinen noch wachsen und anfällig für Beschwerden sind. Gleichmäßiges Dauerlauftempo ist auch nicht so einfach zu lernen, weil bei Kindern das Motto gilt: schnell oder gar nicht. Wenn der Nachwuchs aber am Ball bleibt und deutlich schneller wird, heißt es schon bald: Lauf, Mama, lauf.

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