Büchsen, Flinten, Revolver und Karabiner aus aller Welt: Seit 2013 betreibt Stefan Zeiselmeier in Rangendingen sein Sport- und Jagdwaffengeschäft. Doch der stark gestiegene Verwaltungsaufwand und Gesetzesverschärfungen machen ihm zu schaffen.
Mauser, Walther, eine aus Western bekannte Winchester und sogar ein Mosin Nagant-Gewehr, wie es bereits im russischen Zarenreich verwendet wurde: Wenn Stefan Zeiselmeier die Stahltresore hinter seinem Tresen öffnet und einige der Besonderheiten in seinem Inventar präsentiert, dürfte so manchem Sammler das Herz aufgehen. Der Verkaufsraum ist dabei nicht nur mit Schießeisen vom Luftgewehr bis hin zum Magnum-Revolver bestückt, sondern es gibt auch allerlei Utensilien wie Jagdkleidung, Gehörschutz-Kopfhörer oder Schießscheiben zu finden.
Wer kauft die Waffen?
Laut dem Inhaber gehören viele Sportschützen aus dem Kreis zu seinem Kundenstamm – fast jeder Ort in der Region habe schließlich seinen eigenen Schützenverein. Doch generell liege der Schwerpunkt seines Warenangebots auf der Jagd: So kaufe etwa die Forsthochschule Rottenburg bei ihm Übungswaffen, zumal viele Jagdschulen für ihre Ausbildung den Schießstand in Hechingen-Stein verwenden würden. Außerdem seien viele Jäger bei ihm Kunden. Insgesamt sei sein Kundenstamm eher überregional: Deswegen sei er 2013 auch mit seinem Geschäft von der Balinger Innenstadt zum neuen Standort Im Hitzenried in Rangendingen umgezogen – das mache gerade für Schützenvereine das Abholen größerer Lieferungen einfacher. Martin Boss, der Vorstand des Schützenvereins Hirrlingen, der gerade im Geschäft ist, kann das bestätigen. Er erklärt lachend, dass, wenn man bei Zeiselmeier eine Sammelbestellung für Munition mache, man schließlich einen höheren Massenrabatt heraushandeln könne, wenn man 2000 Patronen statt nur 100 bestelle.
So alt sind die Sammlerstücke
Ein weiterer wichtiger Kundenstamm sind Sammler: Laut dem Inhaber besteht etwa 40 Prozent seines Geschäfts aus Sammler- und Ordonnanzwaffen – wie etwa die im 19. Jahrhundert gefertigten Winchester. Aber auch Weltkriegswaffen wie das Mosin Nagant oder eine filigran gefertigte österreichische Bockbüchsflinte aus den 1960er-Jahren stehen in den Waffenschränken des Ladens. Der Kundenstamm sei hier besonders international: Die Sammler würden etwa aus Ländern wie Ungarn oder sogar Australien anreisen, um sich bestimmte Stücke im Geschäft anzuschauen.
Wie leicht kommt man an die Schusswaffen?
Als Laie einfach in den Laden marschieren und sich eine Schusswaffe und Munition zu kaufen, geht nicht: Wie der Inhaber erklärt, brauche man dafür erst einmal ein nachzuweisendes Erwerbsrecht. Nötig seien dafür etwa eine polizeiliche Überprüfung, Waffensachkunde-Lehrgänge und Schießnachweise: Das Prozedere auf dem Weg zur Waffenbesitzkarte betrage durchaus ein- bis anderthalb Jahre. Boss fügt hinzu, dass man als Sportschütze vor der Erlaubnis zum Waffenkauf zudem erst einmal ein Jahr aktives Mitglied in einem Schützenverein sein müsse und eine unterschriebene Bestätigung brauche: „Die Auflagen sind relativ hoch“. Laut Zeiselmeier wird bei Jägern stattdessen ein ordentlicher Kurs und eine Jägerprüfung fällig, auch das dauere circa ein Jahr.
So komplex ist inzwischen der Waffenkauf
Hat man erst einmal die notwendige Berechtigung für den Waffenkauf, folgt ein aufwendiges Dokumentationsverfahren: So müssen die Kunden laut Zeiselmeier inzwischen etwa ihre Identifikationsnummer für das Nationale Waffenregister (NWR) angeben. Diese wird vom Händler dann mit vielen weiteren ID-Nummern – bei einer Pistole etwa jeweils eine für Griff, Lauf, Gehäuse und die Gesamtwaffe – in das digitale NWR-Register eintragen.
So groß ist der Unmut über den Verwaltungsaufwand
Zeiselmeier beklagt, dass er beim Register nur Daten abschicken könne, aber keinen Zugriff auf die Datenbank selbst habe. Gebe es bei einer der zwanzigstelligen ID-Nummern der Kunden etwa einen Zahlendreher, müsse er aufwendig bei der zuständigen Behörde Anrufen und Nachfragen. Außerdem könne er selbst die Daten, die er an das Waffenregister schicke, nur drei Monate lang abrufen, bevor sie weg seien. Insgesamt beschäftige er sich inzwischen an drei Tagen pro Woche nur mit Verwaltung, so Zeiselmeier: Vor zehn Jahren, als man nur das Waffenbuch gebraucht und etwa bei einem Zahlendreher den Fehler ausbessern und gegenzeichnen konnte, sei es nur ein Tag die Woche gewesen. Er moniert, dass man sogar Reparaturen – oder etwa das Montieren eines Zielfernrohres – komplett dokumentieren müsse: „Der Verwaltungsaufwand geht fast ins Uferlose“. Den Nutzen dieser Verschärfungen des Waffenrechts sieht Zeiselmeier kritisch: „Die Verschärfung trifft die gesetzestreuen Bürger, aber nicht die, die sich sowieso nicht an die Gesetze halten.“ Zumal die Nachfrage an Schusswaffen bei ihm bei inländischen Kunden derzeit eher rückläufig sei, da Berechtigungen für den Waffenkauf – etwa wegen notwendiger Schießnachweise – inzwischen oft schwer zu erhalten seien.