Der Sportplatz in der Nähe des Spielfeldes an der Schwarzwaldstraße in Schömberg ist heruntergekommen. Entsteht dort mit Förderung des Bundes ein Kunstrasenplatz? Foto: Wolfgang Krokauer

Aus der Sporthalle wird es in Schömberg wohl nichts. Stattdessen soll ein Kunstrasenplatz her. Kann das Projekt trotz leerer Kassen Wirklichkeit werden?

Das Interesse der Bevölkerung an der Gemeinderatssitzung von Schömberg im Sitzungssaal des Rathauses ist am Dienstagabend groß gewesen.

 

Befürworter Vor allem Vertreter des TSV Schömberg mitsamt einigen Kindern kamen zur Sitzung. Das hatte einen bestimmten Grund. Es ging um den Bau eines Kunstrasenplatzes. Das Thema kam zwar erst unter dem Tagesordnungspunkt fünf, doch gleich unter dem ersten Punkt „Einwohner fragen“ meldete sich Nikola Corak zu Wort. Der Vorsitzende des TSV Schömberg hatte zwar keine Frage, gab aber ein flammendes Plädoyer für den Bau eines Kunstrasenplatzes ab.

Ziemlich heruntergekommen

Zunächst kam Corak auf das „Stückchen Rote Erde“ der Gemeinde Schömberg in unmittelbarer Nähe zum Sportplatz an der Schwarzwaldstraße zu sprechen. Dieser Sportplatz ist ziemlich heruntergekommen.

Corak klagte darüber, dass der Platz das Gesamtbild in diesem Bereich beeinträchtigt. An den mehr als 30 Heimspieltagen im Jahr bewirte er beim TSV Schömberg. Dabei komme er mit etlichen Gästen ins Gespräch. Wegen des Zustandes des Platzes bekomme er von Gästen entsprechende Kommentare zu hören, etwa „Wie kann das sein“ oder „Warum tut hier keiner was, damit das Bild stimmig ist“.

Er spreche nicht nur als Vereinsvorstand, sondern als Bürger der Gemeinde, der bereits sein ganzes Leben hier verbracht habe. Lange vor der Eröffnung der Flyline sei es darum gegangen, diese Fläche auf Vordermann zu bringen, so Corak. Der Standort liege zentral, argumentierte er.

Der Bau des Feldes solle ein Ort für jedermann sein, also nicht für den TSV Schömberg, so Corak. Er nannte Beispiele im Umfeld von Schömberg , wo dies bereits funktioniere.

Ärger über „Schandfleck“

Pathetisch wurde Gemeinderat Tino Bayer (MUZ), als das Thema auf der Tagesordnung stand. Er erhob sich von seinem Platz, um eine ausführliche Erklärung abzugeben. „Seit ich in Schömberg bin, habe ich mich über diesen Schandfleck da oben geärgert“, sagte er.

Der Platz liege auf dem Weg zum Turm, wo viele Menschen vorbeigingen. „Hier geht es auch um das Image und Erscheinungsbild von Schömberg, wie wir uns präsentieren“, mahnte er: „Mir als Gemeinderat ist es ein Herzensanliegen, mich für das Gemeinwesen hier in Schömberg einzusetzen. Besonders Kinder und Jugendliche sollen hier einen Ort der Begegnung finden.“ Ein Kunstrasenplatz biete viele Vorteile, ganz besonders die fast durchgängige Bespielbarkeit, meinte Bayer. Die Bundesregierung investiere das viele Geld in die Jugend, so Bayer weiter. „Denn was wir heute in die Zukunft unserer Kinder und Jugendlichen investieren, das kommt tausendfach zurück„, fügte er hinzu.

„Wir müssen aktiv gestalten und nicht nur Pflichtaufgaben bewältigen“, sagte Bayer im Hinblick auf die angespannte Finanzl age. Sport- und Freizeitangebote seien für die Entscheidung junger Familien für einen Wohnort von entscheidender Bedeutung. Mit zusätzlichen Einwohnern trage sich das Projekt finanziell von selbst. Derzeit fehlten in der Gemeinde mit 8000 Einwohnern jedoch eine Sporthalle, ein Hallenbad und ein Sportzentrum. Der Applaus der vielen Zuhörer vom TSV Schömberg war ihm nach dieser Rede sicher.

Kosten und Finanzierung Als haushaltsschwache Kommune könne Schömberg durch ein Förderprogramm des Bundes bis zu 75 Prozent der Kosten gefördert bekommen, meinte Corak in der Bürgerfragestunde. Auch der TSV Schömberg sei bereit, sich zu beteiligen.

Hohe Förderung möglich

Die stellvertretende Hauptamtsleiterin der Gemeinde, Luisa Volle, ging auf die Fördermöglichkeiten ein. Aus dem Sondervermögen Infrastruktur und Klimaneutralität stellt der Bund Mittel für das Sanieren kommunaler Sportstätten zur Verfügung. Darunter fallen auch Kunstrasenplätze. Der Bund beteiligt sich mit bis zu 45 Prozent der zuwendungsfähigen Gesamtausgaben. Bei einer kommunalen Haushaltsnotlage können es bis zu den von Corak erwähnten 75 Prozent sein. Beim Einbeziehen unbeteiligter Dritter werde der kommunale Eigenanteil auf bis zu zehn Prozent verringert, so Volle weiter. Volle berichtete, dass die ersten Kostenschätzungen für das Großfeld bei knapp 783 000 Euro lägen. Bei einer anerkannten Haushaltsnotlage würden an Schömberg noch knapp 196 000 Euro hängen bleiben. Durch den Einbezug unbeteiligter Dritter wären es dann noch knapp 78 300 Euro. Eine Kleinfeldvariante läge wohl 30 bis 40 Prozent darunter.

Kritische Stimmen Gemeinderat Andreas Karcher (MUZ) zeigte sich überrascht von der Geschichte. Er sprach sich dafür aus, weitere Varianten ins Spiel zu bringen. Die Investitionen für ein Großfeld seien enorm.

Auch woanders Sanierungsstau

Katja Rathfelder (MUZ) fragte, ob nicht Schulsportanlagen den Vereinen zur Verfügung gestellt werden können. Auch hier gebe es einen Sanierungsstau.

Christoph Eck (CDU) fragte, wie es mit ehemaligen Quellen und sumpfigem Gelände an besagter Stelle aussehe. Würden dann die Kosten steigen? Außerdem führten die Waldfluganlagen darüber.

„Das ist Demokratie“

Jörg Krax (MUZ) sprach sich gegen das Projekt aus. Die Gemeinde Schömberg könne sich einen Kunstrasenplatz wegen der Haushaltslage nicht leisten. Wenn er dem Vorhaben jetzt grundsätzlich zustimme, habe er zwar keine rechtliche aber doch eine moralische Verpflichtung gegenüber den Jugendlichen auch später dazu zu stehen. Er habe aber in den vergangenen zwei Jahren die Erfahrung gemacht, dass aufgrund der Haushaltslage es nach Zusagen wieder eine Rolle rückwärts gegeben habe. Auch ein Tartanplatz müsse instand gesetzt werden, gab Krax zu bedenken: „Wir haben gerade kein Geld.“ Das sei traurig, aber deshalb müsse er dagegen stimmen: „Das ist Demokratie.“ Fraktionskollege Bayer wandte sich jedoch dagegen, das eine Projekt gegen das andere auszuspielen: „Man kann doch nicht gegen die Bevölkerung sein.“

Die stellvertretende Hauptamtsleiterin Volle meinte, dass in einem ersten Schritt bis zum 15. Januar nur eine Interessensbekundung der Gemeinde notwendig sei. Da spielten die erwähnten Punkte noch keine Rolle. „Es wird nur eine Projektskizze verlangt“, ergänzte Bürgermeister Matthias Leyn. Erst später werde ins Detail darüber gegangen, was die beste Lösung sei. Die Gemeinde muss die Projektskizze bis 15. Januar beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung einreichen, um am „Interessenbekundungsverfahren“ teilzunehmen.

Biotop oder nicht? Der Vorsitzende des TSV Schömberg, Nikola Corak, hatte in der Bürgerfragestunde gemeint, dass es in der betroffenen Fläche kein Biotop gebe. „Wir haben diese Frage bereits im Vorfeld prüfen lassen, sowohl über unser Bauamt als auch über den Online-Dienst der Landesanstalt für Umwelt von Baden-Württemberg“, so Corak.

Vonseiten der Schömberger Gemeindeverwaltung hieß es dazu am Mittwoch auf Nachfrage, dass es für das Bauamt schwierig sei, die Frage des Biotops zu beurteilen. Dafür sei die untere Naturschutzbehörde zuständig. Wenn es zu einem Bauantrag für einen Kunstrasenplatz kommen sollte, wird die untere Naturschutzbehörde das Gelände ohnehin genau unter die Lupe nehmen. Kritische Töne kamen dazu auch von Gemeinderat Jörg Krax (MUZ), der selbst Förster ist. Ein Biotop müsse nicht kartiert sein, gab er zu bedenken. Das gelte zum Beispiel für einen Tümpel.

Sprechen Umweltschutzgründe gegen einen Kunstrasenplatz? Foto: Wolfgang Krokauer

Abstimmung Letztlich sprach sich die Mehrheit des Gemeinderates dafür aus, bis spätestens 15. Januar eine Projektskizze zu einem Kunstrasenplatz beim Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung einzureichen. Dagegen stimmten Jörg Krax, Katja Rathfelder und Catherina Haessler von der MUZ. Andreas Karcher und Ulrike Wankmüller, beide ebenfalls von der MUZ, enthielten sich der Stimme genauso wie Rosario Moser und Christoph Eck, beide von der CDU.