Mountainbiken liegt im Trend. Wandern auch. Kommen sich die beiden Parteien nun öfter in die Quere oder herrscht auf Wanderwegen ein gedeihliches Miteinander? Wir haben nachgefragt.
Calw - Alle wollen sie Sport treiben, sich in der Natur aufhalten und Spaß haben – sowohl Wanderer, als auch Mountainbiker. Dieselben Interessen haben sie also schonmal. Doch reicht das, um sich auf Dauer nicht in die Quere zu kommen? Insbesondere in einer Zeit, in der beide Hobbys extrem angesagt sind?
Tatsächlich habe die Zahl der Begegnungen mit Mountainbikern auf Wanderwegen seit Beginn der Pandemie zugenommen, bestätigt Jürgen Rust, Vorsitzender des Schwarzwaldvereins Calw (SWV) im Gespräch mit unserer Zeitung. Entsprechend viel werde inzwischen auch darüber diskutiert – im negativen wie im positiven Sinne.
Oftmals verliefen diese Begegnungen reibungslos, beschreibt er. Nur hin und wieder komme es zu Konflikten – beispielsweise wenn Mountainbiker zügig auf eine Wandergruppe zufahren und sich kaum bemerkbar machen. Im besten Falle fährt diesen dann nur der Schreck in die Glieder und nicht der Radler selbst. Auf der anderen Seite, so Rust, würden die Wanderer manchmal nur ungern aus dem Weg gehen. Es sind ja "ihre" Wanderwege, oder? Zumindest trifft das dann zu, wenn die Wege schmaler als zwei Meter sind. Auf diesen dürfen Mountainbiker grundsätzlich nicht fahren. Man spricht hier von der Zwei-Meter-Regel. Nicht alle Radler aber hielten sich daran, so Rust.
Initiative für gutes Miteinander ins Leben gerufen
Darüber sind sich auch Alexander Heselschwerdt und Heiko Rittmann bewusst, die den Adventure Bikepark in Bad Wildbad betreiben. Das bringe großes Konfliktpotenzial mit sich, sagen sie. Im Gegenzug haben die beiden leidenschaftlichen Biker aber häufig das Problem, dass Wanderer unerlaubt die Strecken im Bikepark nutzen. Was "sehr gefährlich" ist, wie die beiden betonen. Oftmals herrsche bei den Wanderern Unverständnis darüber, dass sie nicht auf den Wegen laufen dürfen. Und andersherum bei den Bikern, die nicht alle Wanderwege befahren dürfen.
Auf den Strecken, die beide Parteien nutzen dürfen, klappe das Miteinander sehr gut, loben Heselschwerdt und Rittmann. "Toleranz und Rücksichtnahme gehören beispielsweise zu den auffälligen beobachteten Situationen. Ob es um Wegbeschreibungen oder Hilfestellungen geht – man könnte es als gedeihliches Miteinander bezeichnen."
Damit das so bleibt – und es im besten Fall irgendwann gar nicht mehr zu Konflikten kommt – hat der Schwarzwaldverein gemeinsam mit unter anderem dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub und der Schwarzwald Tourismus GmbH eine Initiative ins Leben gerufen. Unter dem Titel "Gemeinsam Natur erleben" wird für ein positives Miteinander geworben.
"Wenn man miteinander redet, kann man auch besser miteinander umgehen"
Dafür werden gerade an "Knotenpunkten" Hinweisschilder mit eben diesem Slogan aufgehängt, auf denen die Umrisse eines Radfahrers und eines Wanderers zu erkennen sind.
"Verständnis füreinander", das betont Rust im Gespräch mit unserer Zeitung mehrmals, sei nämlich das Allerwichtigste. Wenn man miteinander redet, könne man auch besser miteinander umgehen. Schließlich haben Mountainbiker und Wanderer eine Menge Gemeinsamkeiten, wie oben beschrieben. Viele Wanderer fahren auch gerne Rad, viele Radfahrer wandern gerne, fügt er an.
Der Schwarzwaldverein Calw wirbt auf eigens entworfenen Postkarten aktiv für einen netten Umgang miteinander. Darauf sind Wanderer zu sehen, die fröhlich mit einem Radfahrer abklatschen. Der Dach-Schwarzwaldverein setzt ebenfalls zunehmend auf diese Fusion. "Die Premiumwanderwege sollten für Radfahrer ebenso tabu sein, wie spezielle Mountainbike-Trails für Wanderer", schreibt Ewald Elsäßer in einer Ausgabe des Schwarzwaldvereins-Hefts vom vergangenen Jahr. Er plädiert dafür, an einem Strang zu ziehen. Mehr noch: Die Ortsvereine sollten seiner Ansicht nach Mountainbike-Gruppen gründen. Damit der Schwarzwaldverein ein Verein für beide Parteien ist.
Rust schließt sich der Ansicht eines weiteren Autors in dem Heft an, dass es einen Fachbereich Rad innerhalb des SWVs geben sollte. Davon könnten beide Seiten profitieren. Und dann vielleicht auch mal gemeinsam auf Tour gehen.