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Sport "Geht ums nackte Überleben"

Von
WLSB-Präsident Andreas Felchle wagt einen Ausblick. (Archivbild) Foto: Breisinger

In Württemberg gibt es 5700 Vereine mit über zwei Millionen Mitgliedern in Not: WLSB-Präsident Andreas Felchle, der Präsident des Württembergischen Landessportbundes (WLSB), fürchtet um die bewährten Strukturen der Sportkultur – das Land soll helfen.

Herr Felchle, vermutlich ist es ein Glück, Sie überhaupt ans Telefon zu bekommen.

Ich will mal so sagen: Es gibt ja in diesen Tagen auch reichlich Gesprächsbedarf. Nicht nur im Sport, auch hier in Maulbronn.

Ist die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele der richtige Schritt?

Absolut. Die gesundheitlichen Risiken für alle Beteiligten wären zu groß gewesen. Auch die Chancengleichheit unter den Sportlern war nicht mehr gewährleistet.

Hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) zu lange gezögert?

Ich habe schon ein gewisses Verständnis dafür. Immerhin hat das für das Gastgeberland Japan enorme wirtschaftliche Konsequenzen. Und dann gibt es ja auch noch das Prinzip der olympischen Idee, dass die Spiele eben alle vier Jahre stattfinden sollen.

Die 5700 Sportvereine mit 2,1 Millionen Mitgliedern in Württemberg sorgen sich um ihre Zukunft.

Das ist noch gelinde ausgedrückt. Für viele Vereine geht es ums nackte Überleben.

Die Fixkosten bleiben, die Einnahmen brechen weg.

So kann man die Krise zusammenfassen. Es ist eben so, dass unsere größeren Vereine, darunter viele Turn- und Sportvereine mit einem breit gefächerten Angebot, in Teilen hauptamtlich strukturiert sind. Anders geht das in diesen Größenordnungen ja gar nicht mehr. Aber wie soll man Gehälter zahlen, wenn die Kundschaft wegbricht?

Das klingt nach einer Massenflucht der Mitglieder.

Um Himmels Willen, so ist es gottlob nicht. Aber die Vereine spüren schon, dass eine gewisse Zahl an Mitgliedern, die für eine Dienstleistung zahlen, die sie derzeit nicht bekommen, mit der Kündigung der Mitgliedschaft reagieren.

Der Sport versteht sich doch selbst als große Solidargemeinschaft.

Richtig ist, wir sind einer der großen gesellschaftspolitischen Player. Denken Sie nur an Themen wie Integration, Inklusion, Seniorenarbeit oder die motorische Grundausbildung unserer Kinder. Aber wer Angst hat, dass er seinen Job verliert, womöglich monatelang mit dem Kurzarbeitergeld auskommen muss, der achtet mehr denn je auf seine Ausgaben.

Der Sport braucht Hilfe. Woher kann sie kommen?

Wir müssen darauf achten, dass wir nach der Corona-Krise nicht vor einer Sportlandschaft stehen, in der ehrenamtliche Helfer, Übungsleiter, Minijobber oder andere geringfügig Beschäftigte im Sport den Bettel im Frust reihenweise hingeworfen haben. Wir dürfen die Stützen unserer Vereine nicht im Stich lassen. Es gibt Vereine, die für Sportveranstaltungen in Vorleistungen gegangen sind, die jetzt nicht stattfinden könne. Die wissen jetzt nicht, wie sie das Defizit ausgleichen sollen. Wir haben ja bereits einen staatlichen Hilfsfond angeregt. Und wir appellieren an die Solidarität der Vereinsmitglieder.

Wie könnte sich der Sport denn am besten selber helfen?

In vielen kleineren Vereinen wird von den ehrenamtlichen Mitarbeitern bereits kräftig umorganisiert, um die Lasten zu schultern. Es gibt die Bitte an den Württembergischen Landessportbund (WLSB), die zweite Jahresrate der Mitgliedsbeiträge, die im Mai fällig werden, zu erlassen.

Und, ist dieser Wunsch realistisch?

Das würde ein Loch von sechs Millionen Euro in die Kasse reißen. Wir müssen ja auch die Gehälter unserer Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle zahlen. Grundsätzlich ist das nur möglich, wenn uns das Land finanzielle Hilfen zusagt über die jährlichen Mittel des Solidarpakts III hinaus.

An welche Summe denken Sie konkret?

Das ist jetzt mitten in der Krise noch nicht abschätzbar. Aber ohne eine mindestens zweistellige Millionensumme im mittleren Bereich wird es wohl kaum gehen.

Müssen Sie fürchten, dass dem Profisport vorrangig geholfen wird, weil dort wirtschaftlich noch mehr auf dem Spiel steht als im Breitensport?

Wenn die in vielen Reden unserer Politik geäußerte Wertschätzung nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, dann weiß man um die Bedeutung breitensportlicher Vereinsarbeit. Ich bin da sehr zuversichtlich.

Gibt es schon Reaktionen aus der Politik auf die Bitten des Vereinssports?

Bis jetzt noch nicht. Mein Brief an Sportministerin Susanne Eisenmann ist inzwischen unterwegs. Aber da bin ich ganz ehrlich. Es gibt jetzt viele gesellschaftliche Bereiche, die dringend Hilfe brauchen. Wir Sportler beanspruchen in dieser Krise keine bevorzugte Behandlung. Wir müssen ja auch die Gehälter unserer Mitarbeiter auf der Geschäftsstelle des WLSB bezahlen.  

Die Fragen stellte Gunter Barner.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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