Schauspielerinnen und Schauspieler, Musikerinnen, Musiker, Tänzerinnen und Tänzer boten das bunte Programm der Eröffnungs-Revue. Foto: SAF/Björn Klein

Das Festival Spoken Arts startet im Stuttgarter Theaterhaus mit einer Revue der 20er Jahre. Doch ganz so, wie es geplant war, wurde es nicht.

Die 1920er Jahre haben Konjunktur. „Babylon Berlin“ zählt zu den erfolgreichsten Fernsehserien, und viele in unserer bürokratisierten und digitalisierten Welt scheinen zunehmend fasziniert von dieser wilden Zeit des Aufbruchs, in der plötzlich alles möglich schien.

 

Ob die 20er Jahre, wie häufig tituliert, „golden“ waren, ist die Frage – dass die Künste Konjunktur hatten, ist gleichwohl unbestritten: Neben Jazz und Chanson machten Komponisten wie Hanns Eisler und Kurt Weill auch klassische Musik einem breiteren Publikum zugänglich. Freilich trägt die mediale Aufbereitung auch dazu bei, dass die 20er Jahre heute zu Klischees geronnen sind: Neben „Ein kleiner grüner Kaktus“, einigen Songs aus der „Dreigroschenoper“ und Fotos der rauchenden Marlene Dietrich bleibt dem durchschnittlich Kulturinteressierten wenig Platz zur Differenzierung.

Die Sängerin Malonda Foto: SAF

Eine gute Gelegenheit also für eine Veranstaltungsreihe wie dem bis zum 31. Oktober angesetzten Festival Spoken Arts, die 20er Jahre in ihren vielfältigen Aspekten künstlerisch zu beleuchten.

Pannen und kein erkennbarer dramaturgischer Faden

Im Zentrum steht dabei – der Titel weist darauf hin – die Sprechkunst. Diese besitzt in Stuttgart schon lange in Form der Akademie für gesprochenes Wort einen festen Platz und zählt auch zu den Förderern des von Joachim A. Lang künstlerisch verantworteten Festivals. Lang, als Regisseur des Films „Mackie Messer“ mit dem Thema vertraut, hatte nun für die Eröffnungsveranstaltung im Theaterhaus eine „Zwanziger Jahre Revue“ mit dem Brecht-Zitat „So, wie es ist, bleibt es nicht“ als Titel geplant und dazu eine illustre Schar an Künstlern einschließlich des Moderators Max Moor eingeladen. Dass der bis 22.30 Uhr angesetzte und erst gegen 23.45 Uhr endende Abend dann weitgehend aus dem Ruder lief – „so, wie es geplant war, wurde es nicht“, ließe sich das Motto paraphrasieren – ist allerdings nur zum Teil dem Veranstalter anzulasten. Denn schon bei der Eröffnungsrede von Stuttgarts OB Nopper fiel immer wieder das Mikrofon aus, und auch im weiteren Verlauf des Abends folgte eine technische Panne der nächsten, was Max Moor zunächst noch eloquent moderierend abfangen konnte. Gesprochen wurde dabei viel, bestand doch der erste, bis knapp 22 Uhr dauernde Programmteil zum größten Teil aus Reden und Ansprachen von Förderern und Veranstaltern.

Die künstlerischen Beiträge lassen sich kompakt zusammenfassen. Immer abwechselnd, durch keinen erkennbaren dramaturgischen Faden zusammengehalten, traten mit Songs und Texten von Tucholsky, Weill & Co. auf: eine zweiköpfige Rumpftruppe der Stuttgarts Comedian Harmonists („die anderen drei konnten nicht . . .“), der Schauspieler Robert Stadlober, zwei Tänzer von Gauthier Dance, die Sängerin Malonda, Cynthia Micas vom Berliner Ensemble, die Bolschewistische Kurkapelle Schwarz Rot, der Pianist Geoffrey Abbott und: die großartige Meret Becker.

Meret Becker. Foto: SAF

Was Wortkunst vermag, sofern sie mit Können und künstlerischer Authentizität gepaart ist, zeigte die Berliner Schauspielerin, die mit ihren Auftritten diesen ansonsten konfusen Abend rettete. Und Max Moor? Der hatte sich, vermutlich aus Zeitgründen, nach der Pause schon mal zurückgezogen.

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