Michael Theurer plaudert gleich mit seinem Tischnachbarn in der Vesperkirche in Horb: „Weißt Du noch, wie ich Dir den Scheck zum Jubiläum übergeben habe?“ Foto: Juergen Lueck

Horbs Kult-OB erholt sich sichtlich im Steinhaus Horb vom Stress der Bundespolitik. Der Bundesbeauftragte für den Schienenverkehr verspricht: „Das Fasnetsjubiläum werde ich mir per Livestream auf dem Parteitag anschauen.“

Die Vesperkirche am Dienstag ist schon vor dem Impuls im Steinhaus knallvoll. Pastoralreferentin Susanne Tepel spricht in ihrem Impuls von einem Bus, in dem alle fröhlich sind. Weil der Fahrer alle anlächelt. Und genau diese Stimmung genießt auch Michael Theurer (FDP).

 

Schlange stehen wie alle Theurer. Horbs Kult-OB. Zwischen 1994 bis 2009 war er der jüngste Oberbürgermeister des Landes in Horb. Jetzt steht er als Landeschef der FDP, parlamentarischer Staatssekretär und Bundesschienenbeauftragter in der Schlange vor der Essensausgabe im Steinhaus. Die schwarze Tasche in der Hand. Theurer: „Sonst vergesse ich die.“

Treffen mit Weggefährten Schon vor der Essenstafel wird er von Dieter Rominger-Seyrich (SPD-Gemeinderat) begrüßt. Beide kämpften damals für die Hochbrücke in Horb. Heute sind beide über die Bahn verbunden – Rominger-Seyrich als Kämpfer für freie Fahrt bis Hauptbahnhof trotz drohender Gäubahn-Kappung durch Stuttgart 21. Theurer als der, der von Bundesseite aus versucht, das Chaos und den Murks rund um die dauernd veränderten Planungen mit de ihm zur Verfügung stehenden Mitteln und seinem begrenzten Einfluss (Bauherr sind Bahn und Projektpartner, nicht der Bund) noch zu richten.

Michael Theurer in der Warteschlange bei der Essensausgabe. Die schwarze Tasche hat er in der Hand – damit er sie nicht vergisst. Foto: Jürgen Lück

Fröhlich lästern und scherzen beide über die Lage.

Erinnerung ans Steinhaus Bundesschienenbeauftragter Theurer sagt: „Hier im Steinhaus fing eigentlich alles an. Mit den ersten Schienentagen. Damals präsentierte Gerhard Heimerl seinen ersten Entwurf von Stuttgart 21. Als eine Querverbindung für die Fernverkehr. Der Rest sollte bleiben. Schon damals wurden die Pläne hier heftig kritisiert.“

Dieter Rominger-Seyrich (SPD) und Michael Theurer (FDP): Beide kämpften in Theurers OB-Zeit für die Hochbrücke. Foto: Jürgen Lück

Günther am Kaffeestand hat Theurer auch gleich gegrüßt, und als sich Theurer mit Margarethe Rebholz (FD/FW-Fraktionschefin Gemeinderat und Kreistagsabgeordnete) setzt, kommt Elisabeth Steimle ums Eck. Die Organistin hatte die Vesperkirche jahrelang mit ihrem Klavierspiel untermalt. Lässt gleich den Rollator stehen und geht auf Theurer zu: „Das ist jetzt mein Überraschungsbesuch.“ Theurer steht auf, begrüßt sie und plaudert herzlich mit ihr.

Wiedersehen mit Freunden Er fühlt sich sichtbar wohl. Spricht gleich seinem Tischnachbarn an: „Weißt Du noch, wie ich Dir den Scheck fürs Jubiläum übergeben habe?“

Ursula Nagel vom Vesperkirchen-Team und Michael Theurer kennen und vertrauen sich gut. Foto: Jürgen Lück

Der Spitzenpolitiker ist wieder daheim. Fast so wie damals, als er noch Oberbürgermeister von Horb war. Einfach mal zu plaudern. Angelächelt zu werden und zurückzulächeln. Ohne Politkampf.

Theurer: „Schon als OB war ich bei der Vesperkirche mit dabei. Ein ganz tolles Projekt. Glauben Sie mir: Gerade jetzt in den stressigen Zeiten der Regierungsverantwortung genieße ich die menschlichen Momente. Nicht nur in meiner Familie. Ich hatte das auch beim Staatsakt für Thomas Schäuble erlebt. Emmanuel Macron wendete nach der Rede um, suchte den Blickkontakt zu Angela Merkel auf der Ehrentribüne. Beide lächelten sich kurz an. Das ist eine menschliche Ebene, die genieße ich.“

Menschliche Momente Und davon gibt es an Tag sechs der Vesperkirche jede Menge für Theurer. Egal, ob im Gespräch mit Ursula Nagel, am Tisch oder im Stehen. Theurer: „Wir müssen nicht nur aufpassen in unserer Gesellschaft, dass wir in Zeiten der Inflation alle teilhaben lassen können so wie hier in der Vesperkirche. Sondern auch darauf, dass wir diese menschlichen Momente nicht verlieren.“

Überall, wo Michael Theurer auftaucht im Steinhaus, wird bei der Vesperkirche gelacht. Foto: Jürgen Lück

Nach über eine Stunde und jeder Menge Kontakte, Plaudereien und Scherzen verlässt Theurer die Vesperkirche. Diese ganz normalen Momente in Horb hat er sichtlich genossen. Zum Abschied sagt er: „Leider bin ich beim 1 00. Jubiläum der Narrenzunft Horb nicht dabei. Es ist Parteitag zur Europawahl. Aber wenn man mich auf dem Podium sieht und ich schaue auf mein Smartphone, dann gucke ich die Live-Stream im SWR.“

Blick auf die Vesperkirche Inflation. Teure Lebensmittel, teures Essen. Merkt das die 16. Vesperkirche im Horber Steinhaus?

Damit die Bedürftigen weiter umsonst das reden, essen und die Gemeinschaft bei der Vesperkirche in Horb genießen können, spendet Michael Theurer als Solidaritätsesser. Foto: Jürgen Lück

Ursula Nagel: „Definitiv. Bei der Zahl der ausgegebenen Essen sind wir ungefähr bei der Anzahl der Vorjahre. Aber: Der Anteil der Bedürftigen unter den Gästen ist größer geworden. Der liegt inzwischen bei einem Drittel bis zu fünfzig Prozent. Und genau deshalb machen wir die Vesperkirche ja.“