Im Sozialen Zentrum Spittelmühle in Rottweil sind die Handwerksangebote in der Schreinerei und der Weberei bei Klienten wie Kunden gleichermaßen beliebt. Sogar ein wichtiges Rottweiler Fasnets-Utensil wird hier produziert. Wir blicken hinter die Kulissen.
Die Rottweiler Spittelmühle im Neckartal hat eine lange Geschichte. Heute ist hier das Soziale Zentrum der Arbeiterwohlfahrt (AWO), mit Wohnheim, Schreinerei und Weberei untergebracht. Doch wer arbeitet hier? Was wird hier produziert, und für wen?, mag sich mancher fragen.
Alles nach Wunsch
Andere wiederum stellen sich diese Frage nicht, denn die Waren der Werkstätten sind beliebt. »Wir haben viele Stammkunden«, berichtet Schreinermeister Ewald Merkle, der die Schreinerei leitet. Vom Spielzeug bis zum Wohnzimmerschrank wird hier alles nach Wunsch gefertigt. Maschinell ist der kleine Betrieb gut ausgestattet. Unterstützt wird Merkle von zwei festangestellten Gesellen und den Bewohnern der Spittelmühle, aber auch Klienten aus den Wohngruppen.
Arbeit gibt dem Tag der Wohnungslosen Struktur
»Wir haben sogar einen Bewohner, der eine Ausbildung zum Holzfachwerker absolviert hat«, berichtet Merkle. Doch das sei eher selten. Die Werkstätten sind als »tagesstrukturierende Maßnahmen«, so der Fachbegriff, für die Klienten gedacht, die häufig keine Chance haben, im ersten Arbeitsmarkt wieder Fuß zu fassen. »Wir haben zwischen zwei und sieben Bewohnern, die wir hier beschäftigen. Manche kommen schon seit mehreren Jahren«, sagt Merkle. Doch nicht immer seien alle da. »Das ist meist tagesformabhängig. Es gibt keine Verpflichtung hier zu sein«, erklärt der Schreinermeister.
Die Klienten haben in der Schreinerei die Möglichkeit, ohne Druck Aufgaben zu übernehmen. Und davon gibt es reichlich. Gerade sind mehrere große Aufträge abzuarbeiten. Im Hof warten Fensterläden darauf, abgeschliffen und neu gestrichen zu werden, zudem gilt es noch einige Möbel, einen Badezimmerschrank und einen Schrank für ein Jugendzimmer fertigzustellen und auch ein Auftrag über Tischwebrahmen ist in Arbeit.
Stecken für die Federahannes werden produziert
Zudem ist die Schreinerei auch ein wichtiger Part des Fasnetshandwerks. Denn hier im Neckartal werden beispielsweise die Stecken für die Federahannes‘ produziert – aus Eschenholz. »Das Eschenholz ist hart, hat aber dennoch die richtige Elastizität, die so ein Stecken eben braucht«, erklärt der Fachmann.
In der Werkstatt wird eifrig gearbeitet. Die Klienten sind ganz in ihre Arbeit vertieft, die ihnen sichtlich Spaß macht. Das freut auch Ewald Merkle. »Das Gebrauchtwerden ist hier das Zauberwort«, weiß er. Den Menschen eine Aufgabe zu geben, die sie erfüllt, die sie beschäftigt, das sei wichtig. Und so gibt es mittwochs auch immer ein gemeinsames Brezelfrühstück und hin und wieder einen Ausflug. »Das verbindet«, so Merkle.
Weben ist fast schon meditativ
Mucksmäuschenstill ist es nebenan in der Weberei, die Handwebmeisterin Susanne Jakob leitet. Die Klienten sitzen an den Webstühlen und sind völlig in ihre Arbeit vertieft. Fast schon meditativ wirkt diese Tätigkeit. In den Regalen in der Werkstatt türmen sich Teppiche aller Größen, Materialien und Farben, Geschirrhandtücher, Topflappen, Taschen und mehr.
Teppiche sind sehr gefragt
»Vor allem unsere Teppiche aus Naturmaterialien, die wir nach Kundenwünschen ganz individuell fertigen, sind sehr gefragt«, freut sich Jakob. Webrahmen in ganz unterschiedlichen Größen stehen zu Verfügung, Teppiche bis zu einer Breite von knapp drei Metern können in der Weberei angefertigt werden.
Einige der »Mitarbeiter« sind lange mit dabei – teils seit gut zehn Jahren. Es gibt Arbeitsplätze für fünf Personen, und die sind meist auch belegt. »Die Leute haben hier die Möglichkeit selbstständig zu arbeiten und das tun sie sehr gerne. Und wir sind hier eine sehr nette Gemeinschaft«, sagt Susanne Jakob. Kunden, die auf der Suche nach Teppichen, Schals, Handytaschen, Topflappen und mehr suchen, können in der Weberei einfach vorbeikommen und im breiten Angebot stöbern.
Die Werkstätten
Schreinerei & Weberei
Neckartal 4, Rottweil. Ansprechpartner: Ewald Merkle, Telefon 0741/94 22 612; Susanne Jakob, Telefon 0741/94 24 87 54