Das Theater Freiburg will mit der neuen Spielzeit an den Erfolg der aktuellen anknüpfen. Der Weg mit neuen Formaten und dem aufbrechen von Barrieren soll weiter gehen.
„Viele der Vorstellungen sind ausverkauft“, blickt der Intendant des Freiburger Theaters Felix Rothenhäusler auf die aktuelle Spielzeit. Sie ist gleichzeitig auch die erste unter der Verantwortung von Rothenhäusler in Freiburg. Der große Zuspruch sei eine Bestätigung des eingeschrittenen Weges. Unter dem Motto „My house is your house and your house is my house“ haben die Verantwortlichen des Theaters das Freiburger Publikum eingeladen ins Theater zu kommen und sich wie zu Hause zu fühlen.
In der zweiten Spielzeit soll dieser Weg nun konsequent fortgeschritten werden. „Willst du mit mir gehen“ ist die Frage, die über dem Programm, das ab Herbst startet, steht. Das Theater will damit das Profil schärfen und die Besucher dazu einladen „Freunde mit uns zu werden“. Passend dazu haben im neuen Programmheft die Ensemblemitglieder handschriftlich Fragebögen in Stile eines Freundschaftbuches eingetragen. So erfährt man beispielsweise über Bariton Timothy Connor, dass ihm das Essen nicht scharf genug sein kann oder dass der größte Wunsch vom Sopranistin Lila Chrisp eine „direkte und günstige Zugverbindung zwischen London und Freiburg“ wäre.
Freiburger Theater will sich nicht einengen lassen
„Wir müssen uns fragen, was wollen wir sein“, fragt Rothenhäusler bei der Programmvorstellung mit leicht ironischem Unterton. „Was sind wir denn nun? Stadttheater oder Weltbühne? Anbiedernd oder arrogant? Naiv oder intellektuell? Quietschpink oder seriös? Banal oder relevant?“ Genau in diesem Raum wolle sich das Theater bewegen und sich nicht in eine Schublade packen lassen. „Die Kunst darf sich nicht einengen lassen“, erklärt Rothenhäusler.
Im neuen Programm finden sich Repertoire-Klassiker, große Oper, neue Stücke, partizipative Projekte, Musicals, spartenübergreifende Kreationen und Crossover-Konzerte. Insgesamt 22 Premieren (darunter 14 Uraufführungen), sieben Tanzgastspiele, acht Sinfoniekonzerte, Sonder- und Familienkonzerte, zahlreiche Mitmach-Angebote sowie Formate des offenen Austauschs stehen auf dem Spielplan. Diese Vielfalt spiegele sich auch im aktuellen Ensemble wider. „International, mehrsprachig und geprägt von unterschiedlichsten künstlerischen Handschriften“, erklärt Rothenhäusler.
Zu den neuen Formaten gehört auch das Format „Was hörst du so?“. Darin fragt Chefdramaturg Franz-Erdmann Meyer-Herder „Freiburger Köpfe“, welche Lieder sie in ihrer persönlichen Playlist haben. Bei „Drinks und Drama“ oder „Open Monday“ können die Besucher mit Ensemblemitgliedern in Kontakt treten. So sollen Barrieren zwischen Publikum und Ensemble verschwinden. Solche Formate seien nur dank des „diversen, ganz tolles generalistisches Ensemble“ möglich, so der Intendant.
Mit verschiedenen Angeboten will das Theater gezielt aus den eigenen Räumen ausbrechen und zu den Menschen gehen: Das Stück „Orlando“ nach Virginia Woolfs Romanklassiker kommt in die Wohnzimmer der Stadt. Freiburger können sich dafür bewerben. Sie benötigen lediglich Platz für mindestens acht Personen.
Eva Löbau, die vielen als Schwarzwald-Tatortkommissarin bekannt ist, inszeniert das Projekt „Prom Night“ in Festsälen und Schulaulen in und um Freiburg, und das Philharmonisches Orchester geht mit „Phil.On.Tour“ hinaus in die Stadtteile. „Ich hoffe, Sie kommen alle ins Theater – sonst kommen wir zu Ihnen nach Hause“, sagt Rothenhäusler mit einem Lächeln, wohlwissend, dass das Theater diese Drohung in der kommenden Spielzeit auch wahr machen wird.