Die Trinkwasser-Proben aus Spielberg werden von einem externen Labor untersucht. Das dauert drei Tage. Foto: Michal Jarmoluk – Pixabay

Die Spielberger werden ihr Trinkwasser noch bis mindestens Mitte kommender Woche abkochen müssen, nachdem darin Enterokokken nachgewiesen worden sind.

Altensteig-Spielberg - "Man muss das ernst nehmen, sollte es aber nicht dramatisieren", lautet die Einschätzung von Spielbergs Ortsvorsteher Werner Koch, nachdem das Landratsamt Calw am Donnerstag für den Altensteiger Stadtteil ein Abkoch-Gebot für Trinkwasser erlassen hat. Er habe bereits mit einer ganzen Reihe seiner Mitbürger gesprochen, und die könnten "sehr gut mit der Situation umgehen". Die Reaktionen seien samt und sonders "sehr besonnen." Koch lobte auch die Altensteiger Stadtwerke, die sämtliche Spielberger Haushalte mit Informationsblättern versorgt hätten. "Das ist richtig professionell abgelaufen", unterstreicht der Ortsvorsteher. Jetzt müsse man sich eben mit den Gegebenheiten arrangieren.

Auch Altensteigs Bürgermeister Gerhard Feeß möchte das Thema nicht zu hoch gehängt sehen. Erst seit einer Änderung der Trinkwasser-Verordnung vor einigen Jahren werde auch das Enterokokken-Vorkommen überprüft – "vorher hat das niemanden interessiert". Und dass die Messmethoden in den Laboren immer feiner werden, würde zwangsläufig häufiger zu Befunden führen. "Wenn in einem Hochbehälter ein einziges Insekt wie eine Assel oder eine Fliege ins Wasser fällt, reicht das schon aus, um an einer Entnahmestelle Enterokokken nachweisen zu können", beschreibt Feeß mögliche Ursachen.

"Rückverkeimung" mögliche Ursache

Viel wahrscheinlicher, so der Schultes, sei aber eine so genannte "Rückverkeimung". Während auf städtischer Seite die Infrastruktur der Trinkwasserversorgung auf Herz und Nieren geprüft werde, gelte dies auf der Abnehmerseite – sprich: in den Rohrleitungen privater Gebäude – nicht. "Und die Bakterien können sich gegen den Wasserdruck ausbreiten", ergänzt er. Tatsächlich lasse sich die Herkunft der Bakterien aber nur sehr selten feststellen.

Chlorung weit vom Grenzwert entfernt

Die Stadtwerke reagieren auf den Enterokokken-Nachweis mit Rohrspülungen und erhöhter Chlorung. Wegen letzterem brauche man sich keine Sorgen zu machen, beschwichtigt Feeß vorsorglich: "Auch dafür gibt es einen Grenzwert, und von dem sind wir noch weit entfernt." Außerdem entnehme man täglich Proben, die dann von einem externen Labor analysiert würden.

Analyseprozess dauert drei Tage

Dennoch werden die rund 1100 Spielberger ihr Trinkwasser – es handelt sich dabei um Altensteiger Eigenwasser – weiterhin abkochen müssen, um auf der sicheren Seite zu sein. Die Enterokokken stellen zwar selbst keine Gefahr dar, können aber ein Indikator für schädliche Keime sein. Vor Mitte der kommenden Woche sei auch im günstigsten Fall nicht mit einer Entwarnung zu rechnen. Das Landratsamt könne das Abkoch-Gebot erst aufheben, wenn drei Proben in Folge negativ getestet worden sind. Der Analyseprozess nehme aber drei Tage in Anspruch und könne auch nicht beschleunigt werden.

Wasser sprudelnd aufkochen

"Es ist jetzt so, und wir müssen uns danach richten", lautet Feeß’ Fazit. Abzukochen ist laut Landratsamt Wasser zum Trinken, zur Zubereitung von Nahrung und Getränken, zum Abwaschen von Obst und Gemüse, zum Zähneputzen sowie zu medizinischen Zwecken wie zur Wundreinigung oder zum Nasenspülen. Es wird empfohlen, das Wasser sprudelnd aufzukochen und dann über mindestens zehn Minuten langsam abkühlen zu lassen. Die Verwendung eines Wasserkochers sei zu empfehlen. Das Abkoch-Gebot endet erst mit einem ausdrücklichen Widerruf des Landratsamts.