Der SV Linx (in Rot, hier gegen den SC Lahr) hatte gegen Singen einen Kurzeinsatz. Foto: Horst Künstle

Linx kickte am Samstag nicht einmal eine Halbzeit lang gegen Südstern Singen. Nach mehreren Roten Karten für die Gäste, nahm Trainer Arslan das Team vom Feld.

Auf dem Sportplatz des SV Linx kam es am Wochenende zum Spielabbruch. Beim Stand von 3:0 für den SV Linx – drei Tore fielen binnen vier Minuten – sowie Platzverweisen für den Gegner ESV Südstern Singen wollte Gäste-Trainer Yusuf Arslan mit seinem Team in der 43. Minute nicht mehr weiterspielen und nahm seine Mannschaft vom Feld. Die Gäste fühlten sich vom Schiedsrichter benachteiligt, duschten, stiegen ins Auto und fuhren frühzeitig zurück an den Hohentwiel.

 

Das Chaos beim Verbandsligisten in der Nähe des Bodensees geht damit weiter. Nur wenige Stunden nach dem Spielabbruch im Verbandsliga-Duell gab es den nächsten Knall am Hohentwiel. Trainer Arslan wurde entlassen. Nach sieben sieglosen Partien der Singener und 21 Gegentoren dürften jetzt auch diese drei Punkte am Grünen Tisch an den SV Linx gehen.

In der Tabelle stehen die Singener auf dem zwölften Rang – gleichauf mit dem ersten Abstiegsplatz, den der SV Kuppenheim einnimmt. Der ESV Südstern Singen hat mit dem Aus von Arslan in dieser Verbandsligasaison bereits den sechsten Trainer verschlissen. In den vergangenen drei Jahren wurden rund 60 Abgänge und Neuzugänge registriert.

Der SV Linx schreibt derweil zu den Vorkommnissen am Samstagnachmittag auf seiner Instagram-Seite von „irritierenden Szenen im Hans-Weber-Stadion“. Erst sei die Partie nach Diskussionen von den Singenern unterbrochen und dann kurz vor dem Pausenpfiff ganz beendet worden.

Sven Bilz, Vorstandssprecher des SV Linx, hat solche Szenen noch nicht erlebt, wie er im Gespräch mit unserer Redaktion berichtet. „Unser Präsident Hans Weber ist sogar schon jahrzehntelang dabei und hat auch seinen Augen nicht getraut“, so Bilz weiter zu den Vorkommnissen.

Stellungnahme beim Verband abgegeben

„Der Torwart von Singen wollte nach seiner Roten Karte wieder zurück auf den Platz stürmen und musste auf der Bank zurückgehalten werden. Anschließend war auch zu spüren, dass Singen den Abbruch gerne annimmt. Dann verlieren sie 0:3 statt vielleicht 0:12 – und die Tordifferenz ist für sie im Abstiegskampf noch sehr wichtig. Sie waren zu der Zeit schon 0:3 im Rückstand und nur noch neun Mann. Das wäre wohl hoch ausgegangen“, betont Bilz, der verteidigend anführt, dass es nicht zu Handgreiflichkeiten kam. „Nach dem Abbruch war Ruhe und der ESV ist einfach abgereist.“ Der SV Linx habe eine Stellungnahme beim Verband abgegeben, wo nun das Sportgericht entscheiden muss, wie die Partie gewertet wird.

Labinot Nikqi, Präsident des ESV Südstern Singen, bedauert im Gespräch am Dienstag den Abbruch. „Unsere Spieler wollten weitermachen und es war alleine die Entscheidung unseres Ex-Trainers, den Abbruch zu erwirken“, so Nikqi. Die Sportliche Leitung des ESV habe Arslan am Abend auch zur Rede gestellt, sei mit dem Coach aneinandergeraten – und habe den Trainer rausgeschmissen. „Einen Spielabbruch sollte es im Fußball nicht geben und es war auch sehr schade für die Zuschauer, die ja auch Eintritt bezahlt haben“, so der Präsident weiter.

Ob der Torwart des ESV wieder auf den Platz gestürmt sei, kann Nikqi nicht bestätigen oder dementieren, da er nicht selbst vor Ort war. Den Vorwurf, den Abbruch aufgrund der Tordifferenz provoziert zu haben, weißt er jedoch strikt von sich. „Wir brechen kein Spiel aufgrund der Tordifferenz ab. Wir hätten auch eine hohe Niederlage in Kauf genommen.“ Auch wenn der frühzeitige Abpfiff bedauert wird, habe auch der Schiedsrichter seinen Teil dazu beigetragen, dass die Situation entgleist sei. „Er hatte die Partie nicht mehr unter Kontrolle. Ich habe auch mit dem Obmann darüber gesprochen. Wir haben die vergangenen Wochen schon viele negative Erfahrungen mit den Unparteiischen gemacht“, so Nikqi.

Das Traineramt beim ESV übernimmt nun bis zum Saisonende Kapitän Nedzad Plavci. „Ob wir nun absteigen oder nicht, spielt keine große Rolle mehr. Unsere Jungs sollen lediglich Spaß haben“, gibt der ESV-Präsident als Devise vor.