Trainer Marcel Schuon erwartete gegen den SC Tuttlingen eine Reaktion. Die gibt der VfL Nagold – auch wenn es zunächst ganz anders aussieht.
VfL Nagold – SC Tuttlingen 5:2 (2:2). „Keine 60 Sekunden später erhöht der SC Tuttlingen auf 2:0“, sagte Stadionsprecher Dominik Veitinger in der 7. Minute etwas ungläubig in sein Mikrophon. Die Gäste waren in der Landesliga-Partie gegen den VfL Nagold nach den Toren von Nico Wienke (6.) und Aaron Barquero Schwarz (7.) überraschend in Führung gegangen und hatten sogar noch eine dritte dicke Chance auf dem Fuß. Die Tuttlinger Bank jubelte überschwänglich, während sich manch ein Nagolder böse an die 3:4-Niederlage in der Vorwoche beim damaligen Schlusslicht Spvgg Freudenstadt erinnerte. „Ich dachte, wir bekommen jetzt wieder auf die Fresse“, beschrieb auch VfL-Trainer Marcel Schuon nach dem 0:2-Rückstand gegen den SC Tuttlingen seine Gefühle.
Bei Freistößen gefährlich
Schuon hatte vor dem Spiel auf dem Kunstrasen des Reinhold-Fleckenstein-Stadions eine Reaktion von allen Spielern gefordert. Die kam – und sie ließ nicht lange auf sich warten. Schon in der 8. Minute gelang Ruben Cinar der Ausgleich. Der VfL drückte weiter – unter anderem mit Cinar (13.), der einen Freistoß an den Pfosten setzte, und Nico Gaiser (15.), der den Ball schon über den Tuttlinger Schlussmann Niklas Gassner gelupft hatte, doch ein Abwehrspieler konnte noch kurz vor der Linie klären. In der 18. Minute legte sich Cinar aus ähnlicher Freistoß-Position den Ball wieder zurecht – und diesmal traf er zum 2:2.
Am Ende der ersten Halbzeit fing der SC Tuttlingen vor rund 200 Zuschauern bereits an, auf Zeit zu spielen. „Kein Tor mehr vor der Pause“, rief Torwart Gassner, der die Acht-Sekunden-Regel mehrfach bis zum Ende ausreizte. In genau solch einer Situation fing der VfL Nagold den Ball in der 43. Minute früh ab, Nico Gaiser traf sogar ins Tor, doch Schiedsrichter John Köber erkannte den Treffer wegen Abseits ab. „Da hätten wir uns mit dem 3:2 belohnen müssen“, sagte Schuon nach dem Spiel.
Immer wieder über Gaiser
Doch in der zweiten Halbzeit macht der VfL Nagold dafür alles klar. Hinten hielt Laurent Bajraktari den Kasten sauber. „Ein tolles Spiel von ihm. Genau so kennen wir ihn“, lobte Schuon den Nagolder Schlussmann. Und vorne wurden die Hausherren immer überlegender, insbesondere über Nico Gaiser. Er war es auch, der sich in der 52. Minute hervorragend über die linke Seite durchgearbeitet hatte und den Ball zum 3:2 ins lange Eck schob. Sechs Minuten später brach Gaiser erneut links durch, passte diesmal aber zu Panagiotis Karypidis, der zum 4:2 vollende – die Vorentscheidung.
In der letzten halbe Stunde plätscherte das Spiel vor sich hin. Man merkte, dass der SC Tuttlingen nicht mehr an einen Punkt glaubt, und auch der VfL Nagold schaltete einen Gang zurück. Das 5:2 (88.) durch den eingewechselten Niklas Watzl nach einem Traumpass des ebenfalls eingewechselten Tom Gutekunst war dennoch hochverdient.
Top-Spiel von Beginn an
VfL-Trainer Marcel Schuon fasste zusammen: „Es musste nach der Niederlage gegen Freudenstadt eine Antwort kommen und die kam über 90 Minuten hinweg. Die Tore waren überragend herausgespielt. Es war ein Top-Spiel von uns von der ersten Minute an, auch wenn wir erst hinten lagen.“ VfL Nagold: Laurent Bajraktari, Marc Rück, Frederic Fleischle (72. Marius Hogg), Nico Gaiser, Ruben Cinar (72. Jonny Rothfuß), Elias Bürkle, Panagiotis Karypidis, Perparim Halimi, Chris Wolfer (58. Niklas Watzl), Burak Tastan, Johannes Fleischle (72. Tom Gutekunst).
SC Tuttlingen: Niklas Gassner, Aaron Barquero Schwarz, Marcel Misic (81. Felix Grimm), Lenny Geiger, Robin Petrowski, Buba Camara, Nico Romano, Emir Cesmeciler (79. Aleksandar Ivanovic), Emirhan Karakaya (67. Carlos Hehl), David Sommer (55. Modou Lamin Badjie), Nico Wieneke (70. Stefan Oprea).
Tore: 0:1 Nico Wieneke (6.), 0:2 Aaron Barquero Schwarz (7.), 1:2 Ruben Cinar (8.), 2:2 Ruben Cinar (18.), 3:2 Nico Gaiser (52.), 4:2 Panagiotis Karypidis (58.), 5:2 Niklas Watzl (88.).
Schiedsrichter: John Köber (Stuttgart).
Zuschauer: 200.