Der „Spiegel“ hat den Wahlkreis Rottweil/Tuttlingen angesichts des AfD-Erfolgs bei der Bundestagswahl näher beleuchtet. Wir fragen die Bundestagsabgeordnete Maria-Lena Weiss dazu.
Ein Artikel des Nachrichtenmagazins „Spiegel“ lenkt aktuell den Blick auf den Wahlkreis Rottweil/Tuttlingen. Hier, in einem Wahlkreis mithohem Wohlstand, holte die AfD im Westen Deutschlands bei der Bundestagswahl 2025 das für ihre Partei beste Ergebnis. Wahlsieger war die CDU, Maria-Lena Weiss verteidigte ihr Mandat.
Wir befragen sie zur aktuellen Berichterstattung.
Frau Weiss, mit welchem Gefühl haben Sie als Bundestagsabgeordnete dieses Wahlkreises den Artikel gelesen und wie bewerten sie ihn?
Mich hat geärgert, dass unsere Region in einem sehr zugespitzten Licht dargestellt wurde. Rottweil und Tuttlingen sind wirtschaftlich stark, innovativ und über Jahrzehnte erfolgreich gewachsen. Dieser Erfolg beruht maßgeblich auf einer exportorientierten Industrie – und genau deshalb reagieren wir sensibler auf internationale Unsicherheiten als andere Regionen. Wenn Absatzmärkte unter Druck geraten oder geopolitische Spannungen zunehmen, betrifft das Unternehmen und Beschäftigte hier unmittelbar.
Wo wirtschaftliche Stabilität als Grundlage des eigenen Lebensmodells empfunden wird, können solche Entwicklungen zu Verunsicherung führen. Diese Verunsicherung spiegelt sich dann auch politisch wider.
Großer Teil setzt auf politische Mitte
Gleichzeitig darf man das Gesamtbild nicht verzerren. Bei der vergangenen Bundestagswahl hat die CDU im Wahlkreis 38,9 Prozent der Erststimmen und 34,4 Prozent der Zweitstimmen erreicht – eines der stärksten Ergebnisse in Baden-Württemberg. Das zeigt: Ein großer Teil der Wählerinnen und Wähler setzt weiterhin auf die politische Mitte und auf verantwortungsvolle Gestaltung.
Wie zuversichtlich sind Sie, was diesbezüglich nun das Wahlergebnis der Landtagswahl am 8. März aus dem Kreis Rottweil erbringen wird – mit anderem Wahlkreiszuschnitt freilich.
Ich bin zuversichtlich, weil wir im Kreis Rottweil mit Stefan Teufel und im Kreis Tuttlingen mit Guido Wolf zwei erfahrene, etablierte und in der Region fest verankerte Kandidaten haben. Beide genießen großen Rückhalt in der Wählerschaft und stehen für Verlässlichkeit, Erfahrung und politische Substanz.
Mit unserem Spitzenkandidaten Manuel Hagel tritt die CDU zudem mit einem Vertreter eines modernen Konservatismus an, der die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen klar benennt und Lösungswege aufzeigt. Er spricht die Themen an, die die Menschen bewegen, und verbindet wirtschaftliche Vernunft mit einem klaren Wertefundament.
Die etablierten Parteien und auch die CDU hatten sich ja vor einem Jahr auf die Fahnen geschrieben, die Menschen mit ihren Sorgen und Nöten noch mehr abzuholen. Ist Ihnen dies im vergangenen Jahr gelungen?
In nur neun Monaten sind zentrale Weichen gestellt worden – gerade in Bereichen, die unsere Region unmittelbar betreffen. In der Wirtschaftspolitik wurden mit der Unternehmenssteuerreform und Turboabschreibungen gezielte Impulse gesetzt. Ab 2028 wird die Körperschaftsteuer schrittweise gesenkt und die Gesamtbelastung für Unternehmen reduziert. Gleichzeitig wurden Energiepreise spürbar gesenkt – etwa durch die Reduzierung der Netzentgelte, die Abschaffung der Gasspeicherumlage und die Einführung eines befristeten Industriestrompreises von fünf Cent.
Auch die Mehrwertsteuer in der Gastronomie wurde gesenkt, um Betriebe konkret zu entlasten. In der Migrationspolitik sind die Zugangszahlen im vergangenen Jahr um rund 50 Prozent zurückgegangen. Grenzkontrollen wurden ausgeweitet, Rückführungen erhöht und das Bürgergeld stärker an Mitwirkungspflichten geknüpft.
Mit dem neuen Wehrdienstgesetz wurde zudem ein wichtiger Schritt zur Stärkung unserer Verteidigungsfähigkeit unternommen. Es ist also viel passiert – gerade in kurzer Zeit.
Laute Auseinandersetzungen
Gleichzeitig gehört zur Ehrlichkeit auch: Die Auseinandersetzungen innerhalb der Koalition waren teilweise sehr laut. Inhaltlich ist es richtig, um tragfähige Lösungen zu ringen, aber die Art und Weise hat nicht immer dazu beigetragen, Vertrauen zu stärken. Vertrauen entsteht durch Klarheit und spürbare Verbesserungen im Alltag. Daran müssen wir uns messen lassen.