Die international agierende Firma Janoschka hat ihren Hauptsitz in Kippenheim. Foto: Decoux

Eine Münchner Beteiligungsgesellschaft will 100 Prozent der Anteile an dem Druckformspezialisten erwerben. Die Auswirkungen vor Ort sind unklar.

Die Blue Cap AG hat einen Kaufvertrag zum Erwerb von 100 Prozent der Aktien an der Janoschka AG geschlossen, ist in dieser Woche bekannt geworden. Verkäufer sind demnach Mitglieder der Gründerfamilie Janoschka und die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft Süd Beteiligungen (Süd BG). Der Verkauf ist noch nicht vollzogen, da er unter anderem an die Erteilung bestimmter Zustimmungen geknüpft ist. Nach dem Vollzug würde Janoschka vollkonsolidiert, wie es in der Fachsprache heißt, also ein integraler Teil des Mutterunternehmens.

 

„Janoschka passt mit ihrem Geschäftsmodell und ihrer Größe perfekt in unser Akquisitionsprofil“, wird Henning von Kottwitz, Chef der Blue Cap, zitiert. Zum Kaufpreis machten die Münchener keine Angaben.

Die Blue Cap AG ist eine 2006 gegründete, börsennotierte Beteiligungsgesellschaft mit Sitz in München. Sie investiert in mittelständische Nischenunternehmen mit Sitz in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, die sich oft in Umbruchsituationen befinden oder Nachfolgelösungen suchen. Das Ziel ist die langfristige Wertsteigerung und Weiterentwicklung der Portfoliogesellschaften.

Nach dem Kauf ging der Aktienkurs nach oben

Als Folge des Kaufs hat Blue Cap seine Konzernprognose für 2026 angepasst: Der erwartete Umsatz steigt demnach auf 170 bis 190 Millionen Euro, nach zuvor 120 bis 140 Millionen Euro. Die Blue Cap-Aktie notiert daraufhin bei 19,45 Euro, ein Plus von 3,46 Prozent.

Janoschka mit Hauptsitz in Kippenheim ist im Verpackungsdruck tätig. Das Unternehmen beschäftigt weltweit rund 1500 Menschen, davon gut 300 in Deutschland, betreibt Produktionsstätten in zwölf Ländern und erzielte 2025 einen Umsatz von rund 90 Millionen Euro.

1976 von Manfred Janoschka gegründet, gilt das Unternehmen heute als Marktführer der internationalen Prepress-Branche, die im Deutschen meist als Druckvorstufe bezeichnet wird. Sie umfasst alle Prozesse und Dienstleistungen, die zwischen dem Entwurf eines Layouts und dem eigentlichen Druckvorgang angesiedelt sind. Ihr Ziel ist es, gelieferte Daten so aufzubereiten, dass ein fehlerfreies und qualitativ hochwertiges Druckergebnis erzielt wird. Mit Druckwalzen von der Firma Janoschka werden vor allem Lebensmittelverpackungen bedruckt, vom Schokoladenpapier bis zur Chipstüte.

Die Süd BG, eine Tochterfirma der Landesbank Baden-Württemberg, war 2017 im Zuge einer Kapitalerhöhung mit 20 Millionen Euro bei Janoschka eingestiegen. Das Kippenheimer Unternehmen wollte damit seine Internationalisierung vorantreiben. Das ist auch gelungen, ist einer gemeinsamen Mitteilung mit der Süd BG zu entnehmen. Demnach habe man die Produktionsstandorte im asiatischen Raum – insbesondere in Malaysia, Vietnam und den Philippinen – sowie in der Türkei, in Polen und in Mexiko, ausbauen können. Während der Partnerschaft mit der Süd BG habe Janoschka expandiert und das Leistungsportfolio erweitert, wird betont.

Die Süd BG ist eine 100-prozentige Tochter der Landesbank Baden-Württemberg und unterstützt mittelständische Unternehmen mit Eigenkapital- und eigenkapitalnahen Lösungen im Rahmen von Nachfolgeregelungen, Wachstumsfinanzierungen und Gesellschafterwechseln, ist der Mitteilung zu entnehmen. Laut den Angaben auf ihrer Webseite strebt die Süd BG in der Regel eine Veräußerung der jeweiligen Firmenanteile nach fünf bis sieben Jahren an. Bei Janoschka waren es nun mehr als acht Jahre.

Janoschka hatte erst 2025 am Standort Kippenheim in Digitalisierung und Automatisierung investiert. Zu den möglichen Auswirkungen des Verkaufs an die Blue Cap AG für die Beschäftigten machten die Beteiligten keine Angaben. „Zu den Details haben die Partner Stillschweigen vereinbart“, heißt es in der Mitteilung.