Die Mitglieder des Gefahrgutzugs bei einer Übung. Foto: Uwe Priestersbach

Der in Nagold stationierte Gefahrgutzug ist eine taktische Spezialgruppe der Feuerwehr im Kreis Calw, die für Einsätze mit gefährlichen Stoffen zuständig ist.

Diese Einheiten sind mit speziellem Equipment ausgestattet und haben die Aufgabe, technische Hilfeleistung bei Gefahrgutunfällen zu leisten, die nicht mit den Standardmitteln der Feuerwehr bewältigt werden können – und stellen somit auch den Umweltschutz im Landkreis Calw sicher.

 

Gefahrgutzug ist für den Landkreis Calw zuständig

Der in Nagold stationierte Gefahrgutzug wird personell von den Abteilungen Nagold Stadt und Emmingen gestellt. Er ist für den Landkreis Calw zuständig und wird bei Einsätzen alarmiert, die Gefahrgut oder unbekannte Stoffe betreffen. Jeder Landkreis ist für die Bildung eines solches Zuges verpflichtet, doch manche übererfüllen diese Verpflichtung sogar. Der benachbarte Kreis Freudenstadt etwa hat zwei solcher Züge.

Die Mitglieder des Nagolder Gefahrgutzugs treffen sich monatlich zu speziellen Übungen, um sich auf mögliche Gefahrenlagen vorzubereiten und die Handhabung der speziellen Geräte zu trainieren. Nagolds Gesamtkommandant Jörg Burghard ist begeistert von der Einsatz- und Übungsbereitschaft in dieser Spezialeinheit: „Es bedarf schon sehr, sehr viel Übung für diese Aufgabe“, sagt Burghard über den Zug, der bereits seit den 1980er-Jahren existiert. Und gibt auch zu bedenken: „Da wird nicht nur viel Zeit, sondern auch viel Geld in diese Aufgabe investiert.“

Das Fahrzeug des Gefahrgutzugs. Foto: Uwe Priestersbach

Dank des in Nagold stationierten Sonderfahrzeugs „verbessert sich die Sicherheitsstruktur im südlichen Teil des Landkreises“, hatte Oberbürgermeister Jürgen Großmann bei der Fahrzeugübergabe für den Spezial-Zug betont. Mit dem Gerätewagen Gefahrgut erfülle die Nagolder Feuerwehr Aufgaben für den Landkreis im Bereich des Umweltschutzes. „Das ist eine wichtige Aufgabe, denn Nagold hat als Wirtschaftsstandort ein gewisses Gefahrenpotenzial“, betonte der OB.

Landrat spricht von „gut investiertem Geld“

Deshalb hatte das Landratsamt auch die Beschaffungskosten von 320 000 Euro übernommen. Landrat Helmut Riegger sprach in diesem Zusammenhang von „gut investiertem Geld“.

Wie Stadtbrandmeister Jörg Burghard deutlich macht, handelt es sich beim Gefahrgutzug um ein zusätzliches Engagement für die Mitglieder des Zuges – und „da nehmen wir Aufgaben für den Landkreis wahr und sind im gesamten Kreisgebiet unterwegs“.

Die Feuerwehrleute müssen im Einsatz bestens geschützt sein. Foto: Uwe Priestersbach

Zwar gebe es bisher glücklicherweise eine überschaubare Zahl an Einsätzen, aber auch der Gesamtwehrchef weiß: „Wir haben in Nagold schon auch spannende Betriebe, die mit Gefahrstoffen arbeiten.“

Mitarbeiter der Unternehmen sind bestens geschult

Ein bis zwei Einsätze im Schnitt gibt es für den Zug im Jahr – und das im gesamten Landkreis. Einer der jüngsten Einsätze war bei einem Unternehmen in Bad Wildbad-Calmbach, bei dem auch die Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens gut bei der Schadenseindämmung geholfen haben. „Die Mitarbeiter bei solchen Unternehmen sind in der Hinsicht meist bestens geschult“, lobt Burghard.

„Das ist eine sehr komplexe Angelegenheit“, umschreibt Zugführer Markus Kehle das Aufgabenfeld und die möglichen Herausforderungen für die Mitglieder des Gefahrgutzuges. Immerhin 42 Feuerwehr-Angehörige aus Nagold und Emmingen – darunter sind übrigens acht Frauen – haben sich bereit erklärt, diesen zusätzlichen Dienst zu absolvieren.

Fachberaterin in Sachen Gefahrgut

Eine Besonderheit in Nagold ist es, dass die Feuerwehr mit Yvonne Fritsch über eine Fachberaterin in Sachen Gefahrgut aus den eigenen Reihen verfügt. Sie hat ihre feuerwehrtechnische Ausbildung von der Pike auf absolviert. Durch ihren Beruf als Apothekerin ist Yvonne Fritsch im Landkreis Calw zudem als „Fachberaterin Chemie“ tätig. Das heißt, sie nimmt bei Gefahrguteinsätzen eine beratende Funktion ein und versorgt die Einsatzleiter mit Fachwissen – damit diese die richtigen Entscheidungen treffen können.

Typische Einsätze für die „Fachberaterin Chemie“ sind beispielsweise Alarmierungen in Frei- und anderen Bädern, die mit Chlorgas zu tun haben – oder wenn in Firmen Flüssigkeiten auslaufen.

Als größte Gefahr bezeichnet Yvonne Fritsch Verkehrsunfälle auf der Straße, wenn man nicht weiß, was alles geladen ist, und wie verschiedene Stoffe möglicherweise miteinander reagieren. Aber aufgrund der Tatsache, dass der Schwerlastverkehr angesichts fehlender Autobahnen im Kreis überschaubar ist, halten sich die Gefahren in diesem Sektor im Kreis Calw in Grenzen. Zumindest bis heute.

Die Serie

Die Serie „Feuer und Flamme für den Kreis“
 Wenn es darauf ankommt, riskieren sie ihr Leben, um andere zu retten: die Mitglieder der Feuerwehr. Um ihre Aufgaben in praktisch jeder Situation zu meistern, haben verschiedene Wehren im Kreis Calw sich verschiedene spezielle Fähigkeiten angeeignet. Und spezielles Gerät im Einsatz. Wir stellen einige dieser Besonderheiten vor.