Fatima Sankr, Nuri, Anne Tulke und Elisa Alber am Spendentag für Erdbebenopfer in Syrien und der Türkei. Foto: Susanne Conzelmann/Conzelmann

Ein Format mit Zukunft, wie Pfarrer Markus Gneiting sagt, haben der Arbeitskreis Asyl, die Caritas und der Verein „Wir im Ländle“ in den Dienst der Erdbebenopfer in Syrien und der Türkei gestellt: Essen in Gemeinschaft und Begegnung erleben am Spendentag.

 
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„Wir alle können Helden sein“ – der Schriftzug nach David Bowies Song „Heroes“ hat die Besucher am Spendentag im Marienheim begrüßt. Es ist das Motto des Balinger Vereins „Wir im Ländle“, der mit anderen die Welt zum besseren Ort machen will.

Gemeinsam mit ihm und der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau hat der Arbeitskreis Asyl den Spendentag zugunsten der Erdbebenopfer in Syrien und der Türkei organisiert. Den Anstoß dazu gaben Menschen, die aus diesen Ländern nach Deutschland gekommen sind. Jeder der Helfer am Spendentag, überwiegend Geflüchtete, kann von Verwandten und Freunden berichten, die unter dem Erdbeben leiden.

In Zelten leben – weil immer wieder Nachbeben drohen

Der 16 Jahre alte Nuri berichtet von Onkel und Tante in Jinteres. Seine Angehörigen leben derzeit wie so viele im Erdbebengebiet in Zelten – zu groß ist die Angst, was Nachbeben mit den eh schon wackligen Häusern anstellen könnten.

„Das wichtigste ist Sicherheit“, sagt der Jugendliche, der vor sieben Jahren nach Deutschland kam, bald seinen Schulabschluss macht und nach dem Abitur Medizin studieren will. Auch die Sorge um Krankheitsausbrüche sei sehr groß, betont er. Dennoch wollten die Menschen dort alles daransetzen, ihr Leben wieder aufzubauen. Von der Hilfe aber komme bisher im Grenzgebiet nur wenig an.

Fatima Sankr rennt offene Türen ein bei Caritas und Arbeitskreis Asyl

Das bedrückt auch Fatima Sankr. Die junge Frau rannte bei Anne Tulke und Elisa Alber von der Caritas und Nathalie Hahn vom AK Asyl offene Türen ein mit ihrer Idee, zu kochen und so Spenden für die Menschen in Syrien und der Türkei zu generieren. Wichtig ist ihr, dass das Geld direkt ankommt, denn die Menschen liegen ihr am Herzen.

Auch sie ist seit sieben Jahren in Deutschland, hatte in Syrien englische Literatur studiert und wäre gerne für eine Hilfsorganisation wie die Vereinten Nationen tätig, um noch mehr Menschen zu einem würdigen Leben zu verhelfen.

Zubaida Taataa war die Chefin in der Küche und zauberte köstliche Spezialitäten.

Die Küche war, neben weiteren Helfern, fest in der Hand von Fatima Sankrs Familie: Zwei Brüder halfen mit, und den Löwenanteil an syrischen Spezialitäten steuerte ihre Mutter bei. Zubaida Taataa hatte schon am Vortag viel vorbereitet und vorgekocht, was Anne Tulke große Bewunderung abnötigte. Die Syrerin arbeitet im eigenen Restaurant und hat daher viel Erfahrung darin, „Yalanci“, syrische Kibbeh und Brot mit Paprika zuzubereiten. Ein Gedicht ist ihr selbstgemachter Käse, und auch das „Esh al Blbl“ – das „Nachtigallennest“ – fand großen Absatz.

Die Nachspeisen sind der Höhepunkt

So groß war die Auswahl – da konnten sich manche gar nicht entscheiden.

International war das Nachspeisenbuffet mit türkischem „Baklava“, italienischem Tiramisu und deutschem Schokokuchen, und vielfältig die Desserts, die Menschen verschiedener Nationen beigesteuert hatten. Dankbar für die Begeisterung und Unterstützung, welche die Aktion im Vorfeld hatte, war Pfarrer Markus Gneiting vom AK Asyl. Begeistert registrierte er die „bunt gemischte Gästeschar“ – allein zum Mittagessen waren an die 100 Menschen gekommen – und betonte: „Beim Essen in Gemeinschaft Begegnung erleben – dieses Format hat Zukunft.“ Wenn auch der Spendenanlass nicht immer ein solch tragischer sein sollte.

Das Nachtischbuffet war international.

Der Spendeneingang jedenfalls hat alle Erwartungen übertroffen, das Geld geht direkt an „Wir im Ländle“, der sich seit 2020 im syrisch-türkischen Grenzgebiet engagiert. In Kooperation mit dem Zollernalbkreis – Landrat Günther-Martin Pauli ist Schirmherr – leistet der Verein nun vor Ort humanitäre Hilfe, das Geld kommt direkt bei Betroffenen an.