Was für eine Leistung! Fast 13.000 Läuferinnen und Läufer legen 265.331 Kilometer zurück und machen so auf die Rechte von Kindern aufmerksam.
Im Endspurt ist nochmal ordentlich was dazu gekommen. „Heute morgen wurden uns noch 238 000 gelaufene Kilometer gemeldet und wir waren schon davon überwältigt“, ließ Marlies Marten von der Bürgerstiftung Stuttgart ahnen, wie gespannt das Endergebnis des 24-Tage-Laufs erwartet wurde.
Denn jeder Kilometer ist dank der Sponsoren bares Geld. Um 12 Uhr dieser Tage war der Lauf gestartet. Als Einladung an alle, die sich für Kinderrechte locker und sportlich auf die (Lauf-)Socken machen: Jung oder alt, allein oder in Gruppen, Schulklassen oder Firmen-Teams. Und Punkt 12 Uhr endete er nach 24 Tagen, am feiertäglichen Donnerstag. „Jetzt ist die Zahl der Kilometer auf 265 331 angewachsen“, verkündete Marlies Marten kurz vor der Siegerehrung das Rekordergebnis. 6,6 Mal um die Erde. Absolviert von annähernd 13 000 Läuferinnen und Läufern, darunter allein 10 000 Schülerinnen und Schüler. Bei Wind und Wetter, Regen und sogar noch Schneeflocken.
Spendenlauf ist Kantinengespräch
„Wie viel bist Du schon gelaufen?“: Diese Frage sei in ihrem Unternehmen das Kantinengespräch der letzten Wochen gewesen, erzählt Stefanie-Mair-Huydts, Verlegerin von Mair Dumont und Vorstand in der Kinderstiftung. Ihre 50 Mitarbeiter hätten 5000 Kilometer geschafft, die sie mit je 50 Cent sponsert. Sogar Meetings hätten im Laufen stattgefunden, sicher ein tolles Rezept gegen ausufernde Diskussionsbeiträge. Sie selbst sei nach 150 Kilometern leider wegen einer Zerrung aus dem Rennen geflogen.
Gefeiert und bejubelt werden auf dem neu ernannten Platz der Kinderrechte an der Ecke Kronprinz- und Büchsenstraße in Stuttgart-Mitte lauter Rekorde: Als Team namens „Becci and friends“ haben sich Lina, Robert und Jakob, neun und zehn Jahre alt, aus Vaihingen, für den Lauf angemeldet. Ein sportliches Trio, das es auf 618 Kilometer brachte.
Auf die Frage, wo sie gern laufen, zuckt Jakob nur mit den Schultern: Egal, Hauptsache bewegen. Aber Lina hat eine Lieblingsstrecke: „Zum Katzenbacher Hof.“ Das größte Team hat das Wirtschaftsprüfer-Unternehmen PwC mit 248 Läuferinnen und Läufern auf die Beine gestellt und strenge Regeln aufgestellt: „Wer zu wenig Kilometer hatte, musste stattdessen Kuchen backen“, verrät eine Kollegin. Das Team Laufperlen weist mit 267,4 Kilometern die größte Laufleistung im Durchschnitt vor, den Ultra-Preis hat sich Margaret Schumm vom Team Bürgerstiftung mit 500 Kilometern gesichert und damit eine Wette gegen zwei Kollegen gewonnen: „Die müssen mich jetzt zum Essen einladen.“ Der Preis für das kreativste Laufformat geht an „HoppeReiter“, einen Reiterhof in Lorch: Dafür stiegen die Reiterinnen und Reiter von ihren Pferden und liefen zusammen mit den Tieren, gewissermaßen sechsbeinig, in Lorch und Umgebung umher. Am rechten Fuß einen Reitstiefel, links einen Turnschuh.
Den Löwenanteil aber leisteten die 10 000 Schülerinnen und Schüler aus den 38 Stuttgarter Schulen, die sich von der Schul-Challenge herausgefordert fühlten. Wie die Rosenschule aus Zuffenhausen, die mit 3981 Kilometern den Sieg errungen hat. „Die ganze Schule ist gelaufen, 17 Klassen, 389 Personen, Schüler und Lehrer, mal ins Tapachtal, mal zum Max-Eyth-See“, erzählt Patricia Leicht, Klassenlehrerin der 4d. Noch getoppt wird das Ergebnis vom Elisabeth-Seibert-Gymnasium in Leinfelden-Echterdingen mit 6322 Kilometern.
Spitzenpolitikerin ist Schirmherrin des Spendenlaufs
„Wer hätte gedacht, dass sich diese Veranstaltung so lange hält und auch noch so gut weiterentwickelt“, freute sich Fred-Jürgen Stradinger, Präsident des Sportkreises, Veranstalter neben der Kinderstiftung. Denn als 24-Stunden-Lauf ist der sportliche Einsatz für Kinderrechte vor 20 Jahren erstmals gestartet, das neue dezentrale Format ist der Pandemie geschuldet und zu verdanken. „Eine sichtbare Heimat“ nannte Silke Schmidt-Dencker, Geschäftsführerin der Stuttgarter Kinderstiftung, den neuen Platz der Kinderrechte: „Schön, dass wir den Ort ganz im Zeichen der Kinderrechte nun auch beleben konnten.“
Als „kraftvolles und wichtiges Zeichen für die Rechte der Kinder“ rühmte Muhterem Aras, in der neuen Landesregierung Vizepräsidentin des Landtags und Schirmherrin des 24-Tage-Laufs, das Rekordergebnis. „Bewegt Euch auch für Kinder, die keine sichere Kindheit haben und weltweit täglich von Krieg und Gewalt bedroht sind“, appellierte sie. Und verhehlte nicht, dass sie darauf zähle, dass die erlaufene Spendensumme, im letzten Jahr um die 90 000 Euro, in diesem Jahr „die 100 000-Euro-Grenze knacken werde“. Damit von den 55 beantragten Projekten von und für Kinder möglichst viele verwirklicht werden können.