Seine Schwestern und Schwager haben für den 18-jährigen Agostino Servidio aus Trossingen-Schura (hier mit seiner Schwester Giovanna Steuer) einen Spendenaufruf auf der Plattform „gofundme“ gestartet, um ihm ein selbstbestimmtes Leben in rollstuhlgerechter Umgebung zu ermöglichen. Foto: Ingrid Kohler

Der 18-jährige Agostino Servidio leidet an einer unheilbaren Muskelkrankheit. Jetzt gibt es eine Spendenaktion für den barrierefreien Umbau des Hauses.

Agostino Servidio ist ein junger Mann, der im September 2025 seinen 18. Geburtstag feierte und dem eigentlich als junger Erwachsener alle Türen für eine erfolgreiche Zukunft offenstehen würden. Wäre da nicht seine voranschreitende und aktuell unheilbare Krankheit, eine Muskeldystrophie vom Typ Becker, die ihn mittlerweile in den Rollstuhl zwingt.

 

Die Eltern von Agostino, Massimo Servidio und Daniela Marasco haben im Jahr 1998 ihr Haus in Schura gebaut. Nach drei Mädchen, wurde 2007 Agostino geboren. Das Familienglück schien perfekt.

Doch Agostinos Mutter erinnert sich daran, dass er schon in der Kindergartenzeit Schwierigkeiten mit dem Gleichgewicht hatte, mit etwa neun Jahren habe er einen schlenkernden Gang gehabt „die Kraft im Becken fehlte zum richtigen Gehen“. Deshalb ist er auch immer wieder gestürzt. Dabei kam es zu einem Oberschenkelbruch, den er sich im Pausenhof zugezogen hatte. Nach erfolgreicher Operation konnte er wieder gehen, doch „ein Jahr später ist bei einem erneuten Sturz die gleiche Stelle wieder gebrochen“, blickt der heute 18-Jährige zurück.

Gegen Rollstuhl gewehrt

Zuvor habe er lange Zeit keinen Rollstuhl gewollt, weiß auch seine Schwester Giovanna Steuer, doch mit zunehmender Muskeldystrophie, die sich jetzt auch in den Armen bemerkbar macht, blieb dies die einzige Option. „Mein Bruder kann nicht selbständig gehen, ist also ständig auf die Hilfe anderer angewiesen.“

Dabei hat er ein großes Glück, denn die ganze Familie Servidio hält fest zusammen und unterstützt, wo es nur irgendwie geht. Leider ist aber Haus in Schura, in dem Familie Servidio lebt, nicht rollstuhlgerecht. So machen Treppen, enge Türen und fehlende barrierefreie Sanitäranlagen das Leben für Agostino zu einer täglichen Herausforderung.

Umfangreicher Umbau nötig

Damit er sich selbstständig und sicher bewegen könnte, sind umfangreiche Umbauten notwendig. Es gibt zwar einen Außentreppenlift zur Haustüre, die von den Eltern neu behindertengerecht eingebaut wurde, „doch dieser Lift funktioniert mit dem Elektrorollstuhl nicht, so dass mein Bruder das Haus nur verlassen kann, wenn jemand von uns da ist und ihm hilft“, erklärt Giovanna Steuer.

Agostino Servido wird jeden Tag von einem Taxi abgeholt, das ihn zur Erwin-Teufel-Schule nach Spaichingen bringt, wo er in zwei Jahren seinen Realschulabschluss absolvieren möchte, nachdem er im Juli 2025 sehr erfolgreich den Hauptschulabschluss in der Gemeinschaftsschule Aldingen absolviert hat.

Schulbegleiter täglich dabei

Für den Schulbesuch hat er einen Schulbegleiter, der ihn unterstützt, sei es mit dem Tragen der Schultasche oder dem Gang zur Toilette. Agostino ist sehr ehrgeizig „ich möchte nach dem Realschulabschluss eine Ausbildung machen im Büromanagement“ und „auch den Führerschein möchte ich erwerben“, betont er zielstrebig. Dies alles erfordert für die Zukunft ein großes Stück Selbstständigkeit. Es gibt zwar Hilfsmittel, die von der Krankenkasse bezahlt werden, aber bei weitem nicht alles.

Deshalb hatten sich seine Schwestern und Schwager schon im Jahr 2023 an eine Radiostation gewandt. „Über die Aktion Drachenkinder konnten wir einen Innentreppenlift, der 15 000 Euro gekostet hat, einbauen lassen“, sagt Giovanna Steuer. 4000 Euro davon übernahm die Krankenkasse. Deshalb gibt es für die neue Außenrampe, die mit rund 15000 Euro für den Elektrorollstuhl gebaut werden muss, seitens der Krankenkasse keine weiteren Zuschüsse.

Teil der Kosten übernimmt Krankenkasse

Generell würden einige Hilfsmittel von der Krankenkasse übernommen, vieles aber nicht. Insgesamt sei bei allem die Bürokratie immens. Große Hilfe hat Familie Servido dabei über die Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung (EUTB) in Tuttlingen. „Wir Geschwister und unsere Partner haben uns Gedanken gemacht, wie wir unseren Eltern vor allem den finanziellen Druck etwas rausnehmen können“, erzählt Giovanna Steuer und „in Absprache mit Agostino haben wir auf der Plattform ‚gofundme‘ einen Spendenaufruf gestartet“, denn „wir möchten neben der Außenrampe auch in der bestehenden Einliegerwohnung im Erdgeschoss für unseren Bruder ein behindertengerechtes Bad einrichten, breitere Türen einbauen und entsprechende rollstuhlgerechte Anpassungen im Wohnbereich vornehmen“.

Zuschüsse beantragt

Zuschüsse vom Land für die nötigen Umbauten wurden bereits beantragt und bewilligt, reichen aber bei Weitem nicht aus zur Finanzierung. Die Eltern seien mit dem Spendenaufruf, der am 21. Dezember gestartet wurde, überrascht worden.

Das Spendenziel ist auf 60 000 Euro angesetzt. „Es ging alles richtig schnell“, freut sich Agostino, „innerhalb von zwei Tagen waren es schon 5000 Euro“. Aktuell liegt die Spendensumme bei mehr als 7000 Euro. „Wir freuen uns, dass der Aufruf die Runde macht“ ergänzt seine Schwester, „auch wenn das Spendenziel nicht erreicht wird; uns ist es auch wichtig, dass Außenstehende erfahren, wie geht es jemandem, wie meinem Bruder, wirklich“.

Keine Therapie für die Krankheit

In seinem Zimmer im Obergeschoss des Hauses bewegt sich Agostino derzeit mit seinem Bürostuhl „zum Glück kann ich mich dort so bewegen“, sagt er „aber aus dem Bett komme ich alleine nicht, da benötige ich Hilfe“.

Medikamente für seine Krankheit gibt es zumindest derzeit noch nicht, er bekommt aber Physiotherapie. „Es soll aber in Amerika schon eine Therapie geben“, weiß seine Schwester und spielt mit dem Gedanken, mit dem Bruder nach Amerika zu gehen.

Die Spendenaktion

Kontakt
Wer für Agostino Servidio spenden möchten, kann dies tun unter https://gofund.me/aebfbffd2