Ebubekir Dibrani, in Lahr geboren, wurde nach Serbien abgeschoben. Foto: privat

Ebubekir Dibrani wurde vor zwei Monaten aus Lahr nach Serbien abgeschoben. Doch er hat keinen Pass, spricht die Sprache nicht und erleidet Rassismus. Bekannte sammeln Spenden.

„Ich fühle mich wie im falschen Film“, sagt Ebubekir Dibrani. Der 28-jährige gebürtige Lahrer muss sich seit zwei Monaten in einem fremden Land durchschlagen. „Die Sprache ist anders, die Schrift, die Währung. Alles ist gerade Neuland“, sagt er. Denn der Roma fühlt sich als Ortenauer, wurde hier geboren und hat die Bundesrepublik nie verlassen – bis zuletzt. Nach Jahren auf der Flucht wurde er von den Behörden gefasst und nach Serbien abgeschoben.

 

Die Aussagen Dibranis stammen aus einem Gespräch mit der Recherchegruppe „Dokuplus“, eine Organisation, die abgeschobene Roma in Serbien unterstützt. Dibrani sitzt im Video in einem Café, spricht mit gedrückter, bedächtiger Stimme über sein Schicksal. „Das Schlimmste ist, dass man von der Familie entfernt wurde“, sagt er. In Deutschland habe er jeden Tag mit seiner Familie – seiner Schwester sowie seinen Neffen und Nichten – verbracht. „Von heute auf morgen ist das einfach weg.“ Während des gesamten, achtminütigen Videos kommt ihm nicht ein Lächeln über die Lippen – erst recht nicht, als er und das Film-Team mitten im Video aus dem Café geworfen werden, nur weil Dibrani Roma ist.

Über die Geschichte des 28-Jährigen hat unsere Redaktion bereits im August 2025 berichtet. Damals noch anonymisiert, erzählte der gebürtige Lahrer von seinem Leben auf der Flucht und der großen Angst, nach Serbien abgeschoben zu werden. Dibrani leidet unter Epilepsie, ist auf Medikamente angewiesen und trägt ein Glasauge, das regelmäßig getauscht werden muss. Die Furcht vor Diskriminierung und die Sorge, ohne Pass, ohne Arbeit, ohne Sprachkenntnisse nicht die nötige medizinische Behandlung zu erhalten, machten die Entscheidung, unterzutauchen, aus seiner Sicht alternativlos. „Ich weiß nicht, ob ich das überleben würde“, hatte er im August über eine Abschiebung gesagt. Jetzt ist sein schlimmster Alptraum wahr geworden.

Unsere Redaktion hat Dibrani Anfang der Woche in Serbien kontaktiert. „Mir geht’s okay. Es könnte schlechter gehen“, berichtet er. Dass er dies von sich behaupten kann, hat er vor allem seinem Bruder, Bajro Dibrani, zu verdanken. Der sei bereits vor zehn Jahren aus Deutschland nach Serbien abgeschoben worden, habe sich seitdem etwas aufgebaut. „Er hatte eigene Pläne für die Zukunft, wollte zurück nach Deutschland. Jetzt kümmert er sich um mich“, berichtet Dibrani voller Dankbarkeit.

Bruder berichtet von ausbleibender Behandlung bei einem Anfall

Wie dramatisch die Situation ist, macht Bajro Dibrani selbst deutlich. Ohne Pass habe sein Bruder in Serbien „kein Recht auf Menschlichkeit“. Zweimal habe er einen epileptischen Anfall erlitten – behandeln wollte ihn zunächst jedoch keiner. „Die Krankheit macht mir große Sorgen. Ich kann meinen Bruder kaum aus den Augen lassen. Die Medikamente müssen wir über zehn Ecken besorgen“, berichtet Bajro Dibrani.

Sein Bruder werde in Serbien nicht akzeptiert – entsprechend wütend ist er über das Verhalten der deutschen Behörden. Man habe einen Menschen abgeschoben mit einer Bindung zur Heimatregion. Die Familie ist in Seelbach bekannt, Bajro Dibrani war Fußballtrainer in Dinglingen.

Doch wie geht es für Ebubekir Dibrani jetzt weiter? „Ich will auf jeden Fall zurück. Ich habe nichts anderes im Kopf als Deutschland“, sagt er entschlossen. Dafür braucht er im ersten Schritt jedoch einen serbischen Pass, wofür er bereits vor Ort die Hilfe der Caritas in Anspruch genommen hat. Doch der Prozess, berichtet sein Bruder, ist in Serbien deutlich komplizierter als etwa in Deutschland, zunächst brauche es ein Asylverfahren.

Bis dahin versucht Ebubekir, sich in Serbien so gut es geht und mit der Hilfe seines Bruders, der regelmäßig für ihn bürgt, ein Leben aufzubauen. Dibrani geht trotz der Sorge vor Diskriminierung viel nach draußen, trifft sich mit Freunden seines Bruders, „die zum Glück etwas Deutsch können“, und lässt sich von ihnen die Sprache und die Kultur des Landes beibringen – auch um sich von seiner Lage abzulenken. Bis er zurück in seine Heimat kann, wird es jedoch mindestens drei Jahre dauern. So lange gilt seine Einreisesperre.

4500 Euro kostet der Tausch des Glasauges

Damit Dibrani den Tausch seines Glasauges in einer Privatklinik finanzieren kann, haben Bekannte aus der Heimat eine Spendenaktion ins Leben gerufen. 4500 Euro muss der 28-Jährige demnach aufbringen; zahlreiche Menschen haben bereits gespendet. „Ich war sprachlos, als ich davon gehört habe“, sagt der Betroffene selbst. „Ich bin total glücklich, dass es noch Menschen gibt, die ein Herz haben. Ich wünsche den Spendern viel Glück und dass sie ihre Ziele erreichen“, bedankt sich Dibrani für die Unterstützung.

Die Spendenaktion

Wer Ebubekir Dibrani finanziell unterstützen will, kann dies auf der Spendenplattform „Go fund me“ tun. Der Titel der Aktion lautet „In Deutschland Geborener wird unrechtmässig abgeschoben“. Initiator ist Tony Selke aus Seelbach.