Seit 30 Jahren rollt die Tour Ginkgo durchs Land. Rund 100 Radfahrer in knallgelben Trikots treten auf und 270 Kilometern Strecke an. Ihr Ziel: Spenden einsammeln für schwerkranke Kinder. Die Katharinenhöhe liegt den Verantwortlichen dabei nicht fern.
„Wenn man unterwegs ist und dann diese gelbe Lawine auf sich zukommen sieht, das ist schon gewaltig“ – die Freude auf diese gelbe Lawine steht dem Geschäftsführer der Rehaklinik für krebs- und herzkranke Kinder an diesem Freitagabend förmlich ins Gesicht geschrieben.
Obgleich die Radfahrer erst vom 4. bis 6. Juli so richtig in die Pedale treten werden bei der Tour Ginkgo – schon jetzt war der Kick-Off für die außergewöhnliche Aktion in der Katharinenhöhe. Kein Wunder: So viel Engagement, verteilt auf den ganzen Landkreis, bedarf schließlich noch einiger Vorbereitung. Denn das ist das Herz hinter den strampelnden Radfahrerbeinen bei der Tour Ginkgo: Ganz viele Vereine, Schulen, Organisationen, die bis dahin Spendenaktionen auf die Beine stellen, und gemeinsam Großes bewirken.
Zum ersten Mal nur hier
Schon zweimal machte die Tour Ginkgo Station im Schwarzwald-Baar-Kreis für die Katharinenhöhe. Für die Einrichtung und ihre zahlreichen kleinen und größeren Patienten sowie deren Familien ein ungeheurer Geldsegen: Projekte, für die sonst das Geld fehlt, können so gemeistert werden. 2024 rollt die Tour Ginkgo zwar zum dritten Mal für die Katharinenhöhe, zum allerersten Mal aber führt die Route dieses Mal ausschließlich durch den Schwarzwald-Baar-Kreis. Bis zu 100 Starter werden in ihren signalgelben Trikos erwartet – was sie antreibt, ist ganz unterschiedlich und reicht von der Dankbarkeit für die eigene Gesundheit und den Willen, anderen helfen zu wollen, wie bei der Ausnahme-Biathletin Simone Hauswald, bis hin zum persönlichen Erleben einer Leukämie-Erkrankung, wie der ehemalige deutsche Handball-Nationalspieler und Olympiasieger Arnulf Meffle im Interview an diesem Abend schildert.
Dafür soll gespendet werden
So oder so: Wie notwendig ihre Hilfe gerade jetzt ist, davon konnten sich die Gäste der Kick-Off-Veranstaltung - Bürgermeister und Sponsoren sowie Vertreter von Organisationen aus dem Schwarzwald-Baar-Kreis, aber auch Prominente wie Simone Hauswald und Arnulf Meffle – beim Rundgang zuvor selbst ein Bild machen.
Die Tour durch die Klinik, in der jährlich über 1700 Kinder und Jugendliche in der familienorientierten Rehabilitation behandelt werden, führte unter anderem zur Physiotherapie-Abteilung. Deren Neubau ist noch Zukunftsmusik, nimmt jedoch Spende für Spende Gestalt an.
Therapie auf dem Flur – wegen Platzmangels
Ilona Kollum führt die Besucher im Altbestand durch drei, oder eher zweieinhalb kleine Räume mit viel Herz, aber wenig Platz. Vor der Sprossenwand liegen rote und blaue Matten, nebenan mündet eine konstruierte Rutsche in ein kleines Bällebad. „Den Kindern geht es ums Runterrutschen, uns ums Hochklettern“, wird Stephan Maier später erläutern. Für den Moment jedoch ist klar: „Zweieinhalb Räume, das ist zu wenig.“ Es fehlt an Räumen, auch an Einzeltherapieräumen und zeitgemäßen Geräten. Der Klinikgeschäftsführer schildert das eindrücklich: „Wir müssen immer wieder Therapien auf dem Gang machen, weil die Räume belegt sind, und weichen im Sommer auch oft nach draußen aus.“ Kinder lernen hier nach Hirntumoren wieder zu laufen oder Jugendliche werden nach Knochentumoren und teilweise komplizierten Operationen und Teilamputationen mobilisiert.
Die Klinik, betont Landrat Sven Hinterseh in seinem Grußwort, das von Klaus-Dieter Mayer vorgelesen wird, sei ein echter Gewinn für den Landkreis „und weit darüber hinaus“, Familien aus dem gesamten süddeutschen Raum vertrauten auf sie. Und er, so Hinterseh, vertraue nun darauf, dass auch bei der diesjährigen Tour Ginkgo „eine ordentliche Summe“ für die „Katha“, wie die Katharinenhöhe oft liebevoll genannt wird, zusammenkomme. „Ich bin stolz darauf, Schirmherr seiner solchen Leuchtturmveranstaltung zu sein.“
Aktionen in der ganzen Region
2023 kamen 200 000 Euro zusammen, „wir haben natürlich die Hoffnung, dass der Schwarzwald-Baar-Kreis die Stuttgarter noch toppt, das wäre natürlich Wahnsinn“, scherzte Stephan Maier bei der Kick-Off-Veranstaltung. Doch ein Funken echte Hoffnung wird mitgeschwungen haben, denn schon jetzt wurde deutlich: Ganz viele Vereine, Organisationen und Schulen im Landkreis machen rund um die Tour Ginkgo mobil. Schulklassen werden Spendenläufe veranstalten, Gastro-Betriebe und Kulturbühnen zu Events einladen und den Erlös für die Aktion spenden. Alleine in Furtwangen steigt schon einiges, wie Bürgermeister Josef Herdner erläuterte: Beim Naturparkmarkt sollen Ginkgo-Bäume die Besitzer wechseln und im Gegenzug die Spendensumme anwachsen lassen, bei der Kulturwoche der Hochschule widme man die Abendveranstaltungen auf dem Marktplatz nicht nur aller Welt, sondern auch der Katharinenhöhe. Eine ganze Reihe an Veranstaltungen haben Fritz und Elke Beck von der Waldau-Schänke in Buchenberg für die Tour Ginkgo geplant. Und auch die Radfahrer um viele prominente Mitradler wie Simone Hauswald oder Arnulf Meffle stehen schon in den Startlöchern.
Jeder kann mithelfen
Zum Kick-Off war die Stiftungsgründerin Christiane Eichenhofer eigens nach Schönwald gekommen. Mehr als vier Millionen Euro haben „ihre“ radfahrenden Teilnehmer schon erstrampelt – und Schluss ist offenbar noch lange nicht. Mit Inbrunst bietet sie allen, die mithelfen und vielleicht selbst eine Aktion im Rahmen der Tour Ginkgo starten möchten, die Unterstützung an: „Jeder Cent zählt“, sagt sie. „Wir unterstützen gerne“, sagt auch Stephan Maier und hofft auf eine große Dynamik im ganzen Landkreis: „Einfach tätig werden, was tun, helfen – dann kommt was Großes dabei raus. Eine klare Botschaft, die an diesem ersten Abend der Tour Ginkgo 2024 nur durch sie noch eindrücklicher untermauert werden kann: Patientenfamilien, die an diesem Abend ihre Geschichte erzählen und aufzeigen: Die „Katha“ war auf ihrem Weg zur Genesung ein Meilenstein.
Wer mithelfen will und selbst Aktionen plant, kann sich an die Katharinenhöhe oder das Tour Ginkgo Organisationsbüro wenden unter Telefon 07172/8653 oder per Mail an info@touginkgo.de