Rainer Gihr (hinten, von rechts) und Gottfried Gestrich-Gärtner haben reichlich Kundschaft am Seecontainer. Foto: Günther

Der Rottweiler Gottfried Gestrich-Gärtner sammelt und repariert seit Jahren Fahrräder für Geflüchtete. Ein Beitrag unserer Redaktion löste eine große Spendenwelle aus. Jetzt hat Gestrich-Gärtner ein neues Problem.

Aus Oberndorf ist Ingrid Alber gekommen, und sie hat im Kofferraum zwei gut erhaltene Fahrräder liegen. „Die wollte ich eigentlich irgendwann auf den Sperrmüll stellen“, sagt sie. „Die sehen zwar noch gut aus, aber ich habe einfach keine Verwendung mehr dafür.“

Dann las Ingrid Alber einen Beitrag unserer Redaktion in der vergangenen Woche. Er handelte von Fahrrädern für Flüchtlinge aus dem Seecontainer vor dem Übergangswohnheim in Rottweil. Ingrid Alber fasste einen Entschluss. „Schöne Sache, die Fahrräder für einen guten Zweck zu spenden, statt sie einfach wegzuwerfen“, resümiert sie.

Deutsch und Technik lernen

Gottfried Gestrich-Gärtner, ehemaliger Technik-Lehrer, sammelt seit Jahren gebrauchte Fahrräder ein und richtet sie für Geflüchtete im einstigen Seecontainer wieder her. Er und sein Helfer Rainer Gihr sind zudem zweimal wöchentlich für zwei Stunden da, falls eines der ausgegebenen Räder einmal instandgesetzt werden muss. Dabei lernen insbesondere junge Geflüchtete nicht nur etwas über Fahrradreparatur, sondern schnappen gleichzeitig deutsche Begriffe aus der Welt der Technik auf.

In dem Beitrag unserer Redaktion war unter anderem erwähnt worden, dass die Zahl der Räder im Seecontainer zurzeit knapp ist. Das löste eine überwältigende Hilfswelle aus: Mehrere Dutzend Fahrräder wurden Gottfried Gestrich-Gärtner und Rainer Gihr binnen kürzester Frist übergeben. „Sogar aus Sulz und Vöhringen kamen noch Spenden“, berichten die Fahrrad-Bastler beeindruckt.

Den beiden wächst die Arbeit jetzt fast über den Kopf. Die Zahl der Interessenten an einem Fahrrad steigt mit den Temperaturen, gleichzeitig muss in jedes ausgegebene Rad aber noch reichlich Arbeit gesteckt werden – entweder, um es nach jahrelangem Schattendasein im Keller wieder verkehrstüchtig zu machen. Oder aber, wie bei einem Teil der Spenden, um es komplett auszuschlachten, weil eine Reparatur sich einfach nicht mehr lohnt.

Unterstützung gefragt

Von weiteren Fahrradspenden bittet Gottfried Gestrich-Gärtner daher vorläufig abzusehen: „Wir schaffen es aktuell gar nicht mehr, alle Räder aufzubereiten“, sagt er. Schon eher könnten die beiden ehrenamtlichen Schrauber noch Unterstützer gebrauchen, die beim Reparieren und Herrichten der Räder helfen.

Die Kundschaft im Übergangswohnheim jedenfalls ist sehr zufrieden. Der 27-jährige Omar Alzynat aus Syrien nickt begeistert, als man ihn fragt, ob er sich denn über sein Rad freue. Seinen Dank spricht der 20-jährige Ali Raza Soltani aus Afghanistan aus: „Der Gottfried ist ein guter Typ“, sagt er, „und es ist toll, dass so viele Menschen Fahrräder spenden.“