Der Leim – hier als weiße Knubbel zu sehen – ist noch nicht ganz trocken, die Baukunst aber ganz offensichtlich. So sieht das Hornissennest zu Villingen aus. Foto: Ralf Claaßen

Monatelang blieb es verborgen, dann kam die Entdeckung: In 16 Metern Höhe fand Ralf Claaßen das kunstvolle Nest der Asiatischen Hornisse – jetzt kann es jeder bestaunen.

Kaum ein Insekt hat zuletzt für so viel Aufsehen gesorgt wie diese schwarz-gelbe Art: die Asiatische Hornisse.

 

Monatelang fahndete man nach der ersten Sichtung in Villingen-Schwenningen nach dem Hornissennest. Dumm gelaufen aus Wespensicht: Ausgerechnet dem Wespen- und Hornissenfachmann Ralf Claaßen war im Villinger Steppach zuvor ein lebendiges Exemplar vor die Nase geflattert. Damit hatte sich das Tier genau den Richtigen ausgesucht. Akribisch, beharrlich und mit der notwendigen Fachkenntnis ausgestattet, machte sich Claaßen auf die Suche.

„Das Nest wird in hohen Bäumen im wahrscheinlich oberen Drittel sein. Durch die Farbe schwer zu entdecken“, war für ihn schnell klar, als er die Doppelstädter bat, die Augen aufzuhalten und verdächtige Wahrnehmungen zu melden. Und tatsächlich, da war es: In 16 Metern, als das Laub gefallen war, war das Hornissennest im Oktober Höhe bei der Steppachschule plötzlich sichtbar geworden. Es wurde fachmännisch entfernt – und jetzt ist Villingen um ein noch recht seltenes Ansichtsexemplar reicher, das bald auch öffentlich begutachtet werden kann: das präparierte und geöffnete Nest der Asiatischen Hornisse aus Villingen.

Ein Meisterwerk

Da waren ganz offensichtlich geflügelte Meisterarchitekten am Werk: Das Hornissennest ist faszinierend in seiner Struktur. Mehrere Wabenetagen ranken sich in dem schützenden „Papiermantel“ nach oben, den die Tiere üblicherweise aus zerkauten Holzfasern bauen. Jede Wabe besteht aus vielen sechseckigen Brutzellen, ähnlich wie man das von Bienen kennt. Darin hängen normalerweise die Larven.

„Ein normales Wespennest hat fast keine Larven mehr drin“, erklärt der Villinger Wespenfachmann Ralf Claaßen im Gespräch mit unserer Redaktion.

Ein stolzes Exemplar. Foto: Ralf Claaßen

Dieses Hornissennest aber war anders: „Darin waren jede Menge Larven“, schildert Claaßen und erklärt gleichsam, warum das Nest also erst einmal in die Tiefkühltruhe wandern musste und auch, warum es danach gegenteiligen Bedingungen ausgesetzt worden ist: Drei Tage lang wurde das Hornissennest von Claaßen nun im Ofen getrocknet – „sonst würde das eklig werden“.

Hautnah zu erleben

Jetzt aber ist das gar nicht eklig, im Gegenteil: Das seltene Exponat eines Nestes der Asiatischen Hornisse fasziniert mit seiner Baukunst ebenso wie mit dem freigelegten Blick in sein Inneres. Das in Kombination mit wertvollen Informationen eines Wespen- und Hornissenfachmanns aus erster Hand, von Ralf Claaßen, gibt es übrigens am Samstag, 22. November, im Klosterhof zwischen Villingen und Schwenningen zu erleben.

Ganz viele Waben sind zu sehen. Foto: Ralf Claaßen

Dann nämlich finden „Tierische Weihnachten – das Tierschutz-Event“ von 10 bis 16 Uhr im Klosterhof statt mit einer Vielzahl von Verkaufs- und Infoständen sowie aktuellen Themen der Tierwelt. Auch Ralf Claaßen wird mit von der Partie sein am Stand der Wespenfachberatung, direkt neben der Vogelstation.

Schulungsobjekt der neuen Art

Und nicht nur das Villinger Hornissennest bringt Claaßen mit: Mittlerweile hat er jede Menge Einzel-Exponate von Asiatischen Hornissen, in Epoxidharz ausgegossen und so rundherum problemlos zu begutachten.

In Epoxidharz gegossen lassen sich die Tiere genau anschauen. Foto: Ralf Claaßen

„Wenn ich da an meine eigene Schulungszeit vor neun Jahren denke...“, schwelgt Ralf Claaßen in Erinnerungen. Damals wurden die getrockneten Tiere ohne Epoxidharz-Mantel herumgereicht, mit Samthandschuhen angefasst und musste jeder Schulungsteilnehmer froh sein, wenn er dem Exemplar kein Bein oder keinen Flügel abbrach. Jetzt also kann man der Asiatischen Hornisse mal richtig ordentlich auf den Grund gehen.