Rettungen von Großtieren sind für Feuerwehren selten. Doch wenn diese in Not geraten, wird es anspruchsvoll. Ein Gutacher Fall zeigt, wie wichtig ruhiges Vorgehen ist.
Wie bekommt man ein mehrere hundert Kilogramm schweres Pferd aus einem schmalen Erdloch? Mit dieser Frage mussten sich vor ein paar Tagen Feuerwehrleute in Aachen beschäftigen. Unter der Stute hatte bei einem Ausritt der Boden nachgegeben und sie war in einem so tiefen Hohlraum gerutscht, dass nur noch ihr Kopf zu sehen war.
Und nun standen die Feuerwehrleute vor dem Problem, ein 400 Kilogramm schweres, schreckhaftes Fluchttier aus einer misslichen Lage zu bergen – eine Herausforderung, die nur speziell ausgebildete Experten bewältigen können.
Solche gibt es bei den Feuerwehren im Kinzigtal noch nicht. Nichtsdestotrotz standen die Gutacher Kameraden vor ein paar Monaten vor einer ähnlichen Dilemma wie ihre Kollegen in Aachen. Allerdings war es kein Pferd, das sie retten mussten, sondern eine Kuh, wie Kommandant Johannes Wälde unserer Redaktion berichtet. „Bei einem Landwirt ist ein Jungrind aus seinem Stall ausgebüxt, ein bisschen auf dem Hofgelände herumgelaufen und hat schließlich die Heubühne gefunden“, gibt er die Geschehnisse wieder. Wälde erklärt im Detail wie diese aufgebaut war, denn die Konstruktion führte schlussendlich zu dem Malheur.
Das Jungtier will die Treppe nicht nutzen
Demnach gibt es eine Einfahrt für landwirtschaftliche Maschinen; rechts und links auf der Seite davon jeweils ein Loch, in das das Heu geworfen wird. Diese Löcher waren an dem Tag glücklicherweise gut gefüllt, denn das junge Rind fiel bei seinem Spaziergang zwei, drei Meter tief durch eines der Löcher.
Da der Untergrund weich war, verletzte es sich bei dem Sturz nicht, doch als sein Besitzer es schließlich fand, war guter Rat teuer. Wie sollte es nur wieder nach oben gelangen? Allein eine Treppe führte aus dem Loch, aber die Kuh zeigte schnell, dass diese ihr nicht geheuer war, schließlich müssen Rinder selten eine solche nutzen. Abgesehen davon war die Motivation des Rinds angesichts des reichlich vorhandenen Futters auch nicht sonderlich stark ausgeprägt. Also rief der Landwirt die Feuerwehr an.
„Als wir auf die Bühne kamen und ins Loch schauten, sahen wir ein entspanntes, ruhiges Tier, das sich die Mägen vollschlug“, gibt Wälde seine Beobachtungen wieder.
Er und seine Kameraden hätten sich dann kurz beraten, wie vorzugehen sei und dann entschieden, die Kollegen aus Elzach hinzuziehen. Diese haben nämlich auf Großtierrettung ausgelegte Spezialausrüstung, sprich entsprechende Schlingen und bei der Elzacher Wehr sind mehrere Einsatzkräfte in der Rettung von Großtieren geschult.
Die Spezialisten beschlossen, das Rind mit Hilfe der genannten Schlingen sowie dem vor Ort vorhandenen Heukran aus dem Loch zu heben. Ein hinzugerufener Tierarzt sedierte die Kuh leicht, so dass es während seines „Flugs“ nicht anfing zu zappeln, wobei es sich und die Retter verletzen könnte. „Das Wohl des Tieres hatte absolute Priorität“, betont Wälde. Die Rettung glückte. Etwas benommen, aber wohl behalten stand es bald auf dem Mittelgang der Heubühne, sein Besitzer führte es zurück in den Stall.
Ein Heukran hob das Rind am Ende heraus
Auch wenn es für die Gutacher Feuerwehr ein ungewöhnlicher Einsatz war, sei es laut Wälde einer der entspannteren Sorte gewesen. „Das Tier war ruhig und wir mussten dementsprechend nicht so schnell handeln wie bei einem Brand oder Unfall“, sagt er. Er und seine Kameraden sind in der Rettung von Großtieren nicht geschult. hätten aber glücklicherweise mehrere Landwirte dabei, die sich mit Tieren gut auskennen. Nichtsdestotrotz gebe es Pläne, einige der Einsatzkräfte im kommenden Jahr zu einer entsprechenden Schulung zu schicken.
Im Gegensatz zu den Gutachern hatte die Wolfacher Wehr noch keinen Einsatz mit Großtieren. Aber wie Sprecher Simon Jan Springmann unserer Redaktion berichtet habe es bei ihnen vor zwei Jahren eine entsprechende Übung gegeben – mit einer Plastikkuh. „Sie hatte realistische Ausmaße und es ging bei der Probe darum, einfach mal abschätzen zu können, wie man mit einer solchen Situation umgeht“, so Springmann. Theoretisch und praktisch seien sie die Gefahren eines solchen Einsatzes durchgegangen, überlegt, welche Taktiken man anwenden könnte und an der Kuh ausprobiert, wo man zum Beispiel Gurte anbringen könnte. Momentan sei das Thema bei den Wolfachern aber nicht aktuell. „Brandeinsätze, Verkehrsunfälle gibt es deutlich häufiger und die Ausbildungseinheiten werden eher danach ausgewählt, wie wahrscheinlich die Inhalten gebraucht werden“, erklärt Springmann.
„Das steht nicht jedes Jahr bei uns auf dem Dienstplan, es ist ja nicht Alltägliches“, sagt auch Markus Knupfer von der Haslacher Feuerwehr. Vorrang hätten bei den Schulungen Einsätze, die standardmäßig ablaufen und häufig vorkommen. Käme es aber zu einer Großtierrettung, würden die Kameraden grundsätzlich immer vor Ort entscheiden, wie vorzugehen sei und wer hinzugezogen werden sollte.
Gänzlich unbedarft sind die Haslacher aber nicht. Vor ein paar Jahren hätten einige Haslacher Feuerwehrleute es bei Regina Mäder-Schmidt in derem Stall am Bächlewald eine grundlegende Einweisung im Umgang mit Pferden erhalten. Des Weiteren gebe es Pläne, dass einige Führungskräfte sich im kommenden Jahr in dem Thema Großtierrettung schulen würden. Der praktische Teil soll bei einem Landwirt aus Haslach stattfinden.
Denn auch wenn solche Einsätze selten sind: Dank ausgebildeter Spezialisten haben sie meistens ein gute Ende. Das Pferd in Aachen konnte, genau wie die Kuh in Gutach, dank deren besonnenen Einsatzes wohl behalten an den Besitzer übergeben werden.
Elzacher Spezialisten
Ansprechpartner für die Wehren im Kinzigtal ist die Elzacher Feuerwehr. „Wir haben 22 dafür geschulte Kräfte bei uns in der Wehr, die zwei Mal pro Jahr weitergebildet werden“, fasst Kommandant Thomas Dufner zusammen. Er weiß: Die entsprechenden Lehrgänge sind entsprechend teuer und nicht für jede Feuerwehr rentiere sich eine Teilnahme. Pro Jahr habe die Elzacher Feuerwehr etwa zwei Einsätze in der Großtierrettung, „Pferde kommen recht häufig vor“, so Dufner. Sie hätten spezielle Ausrüstung für solche Einsätze, zum Beispiel Gurte und Hebevorrichtungen. Auch wenn die Elzacher gut ausgebildet sind, gelte: „Jeder Einsatz ist anders.“ Unter anderem aus diesem Grund entwickelt die Wehr in Zusammenarbeit mit einem Tierarzt momentan ein Konzept für Großtierrettungen.