Einsatz in luftiger Höhe: Die Freileitung wurde Stück für Stück zurückgebaut. Foto: Netze BW

Nach über 50 Jahren hat Netze BW die 800 Meter lange Freileitung an der Nagoldtalsperre in Seewald in einem außergewöhnlichen Einsatz zurückgebaut.

Über Jahrzehnte hinweg war sie ein markantes Wahrzeichen und prägte das Landschaftsbild an der Nagoldtalsperre: Die imposante, 800 Meter lange Freileitung zwischen der Erzgrube und der Schernbacher Sägmühle, errichtet im Jahr 1965. Jetzt wurde dieses Stück Geschichte in einem außergewöhnlichen und sorgfältig geplanten Einsatz innerhalb eines Tages abschnittsweise zurückgebaut, wie das Unternehmen Netze BW mitteilt.

 

Die Freileitung werde nicht mehr benötigt, da sie in den vergangenen Jahren schrittweise durch moderne, leistungsfähige Erdkabel ersetzt worden sei, heißt es weiter. Grundlage dafür waren laut dem Unternehmen umfangreiche Investitionen von Netze BW in und um Seewald: In den vergangenen fünf Jahren flossen rund fünf Millionen Euro in die gezielte Modernisierung der Netzinfrastruktur.

Dabei wurden zahlreiche Mittelspannungserdkabel im Zuge des Breitbandausbaus verlegt, wodurch wertvolle Synergien genutzt worden seien, sowie neue Umspannstationen gebaut. Mit diesen Maßnahmen reagiert der Netzbetreiber gezielt auf den gestiegenen Leistungsbedarf, der sich unter anderem durch Ladestationen für E-Autos und Wärmepumpen ergibt.

Freileitung kontrolliert in den Stausee gelassen

„Der Rückbau von Freileitungen ist in der Tat keine alltägliche Routineaufgabe, sondern ein komplexes technisches Unterfangen, das weit über den bloßen Abriss hinausgeht“, erklärt Andreas Mutschler, Projektierer Infrastruktur Netzregion Nordschwarzwald-Gäu von Netze BW, die Herausforderung. „Da Freileitungen für die Energieübertragung in luftiger Höhe genutzt werden und aus massiven Stahlgittermasten, robusten Isolatoren und tonnenschweren Leiterseilen bestehen, ist für ihre Demontage ein hohes Maß an fachlicher Planung und präziser Ausführung nötig.“

Die Freileitung hat mehr als 50 Jahre das Landschaftsbild an der Nagoldtalsperre mitgeprägt. Foto: Netze BW

Eine weitere Besonderheit: Die Freileitung wurde nach Abstimmung mit dem Landratsamt Freudenstadt kontrolliert in den See gelassen und über eine sogenannte Winde aus dem Wasser gezogen. Dabei handelt es sich um eine mechanische Vorrichtung wie eine Trommel, auf der ein Seil aufgewickelt wird.

Im weiteren Rückbau-Verlauf werden sämtliche Leiterseile entlang der gesamten Trasse zwischen den jeweiligen Masten sorgfältig entfernt – die Länge beträgt insgesamt 2650 Meter.

Demontage der Masten im Sommer und Herbst

Die Demontage der imposanten Masten ist für die Sommer- und Herbstmonate dieses Jahres vorgesehen. Dabei stehe der Schutz von Natur und Umwelt, insbesondere die Rücksichtnahme auf die Lebensphasen von Tieren und Pflanzen, stets im Vordergrund, betont das Unternehmen.

Insgesamt sind vom Rückbau 19 Masten betroffen, davon zehn robuste Betonmasten und neun markante Gittermasten – einige davon ragen stolze 50 Meter in die Höhe.