Inzwischen direkt an der B 32 gelegen: Wie groß das alte Römerkastell war, dass ein wichtiges Gebäude im Zentrum stand und wo die Eingänge waren, verraten die Drohnenaufnahmen sehr deutlich. Foto: Holger Genkinger

Wie groß das Römerkastell von Burladingen einst war, verraten jetzt spektakuläre Drohenaufnahmen des Gauselfingers Holger Genkinger. Willy Gastel ist begeistert.

Die Felder direkt neben der B 32 im Gewann Schlichte, das zu Burladingen-Hausen gehört, sind noch grün oder schon abgeerntet und bräunlich. Aber aus vielen Metern Höhe lässt sich deutlich sehen, dass darunter wahre historische Schätze von überregionaler Bedeutung ruhen.

 

Zwischen der Bundesstraße und dem Wasserreservoir sind die Umrisse und Eingänge, aber auch einige Bauten des rund 2000 Jahre alten Burladinger Römerkastells deutlich zu erkennen.

Willy Gastel beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit dem Kastell

Die spektakulären Luftaufnahmen hat vor kurzem der Gauselfinger Geschäftsmann Holger Genkinger auf Wunsch seines Freundes Willy Gastel gemacht und das ganze Gelände auf der Schlichte mal ins Visier der Drohnenkamera genommen. Und wer die Bilder, die dabei entstanden sind sieht, kann seine Begeisterung kaum zurückhalten.

Fast so deutlich wie die Nazca-Linien in der Wüste von Peru und kaum weniger spektakulär: Das römische Kastell im Burladinger Boden. Foto: Holger Genkinger

Vor allem nicht der Burladinger Hobby-Historiker Willy Gastel, der sich seit Jahren intensiv mit dem Kastell beschäftigt und erst im Juni wieder eine Führung zu dem Thema gemacht hat. Die war gut besucht. Denn viele Burladinger hat interessiert, was da an Bodenschätzen in rund eineinhalb bis zwei Metern Tiefe ruht.

Im Hausener Heimatmuseum, das unter anderem von dem Burladinger Krippenbauer Albert Mauz betreut wird, sind einige der Gegenstände die damals bei Grabungen am und rund ums Römerkastell gefunden wurden, zu sehen.

Nach und nach wird immer mehr aus der Zeit der Römer gefunden

Eine der wichtigsten Straßen des einst so gewaltigen römischen Weltreiches führte in der Blütezeit der römischen Herrschaft geradewegs durch Burladingen. In der Umgebung der Fehlastadt wurden bei mehreren Grabungen, mit Hilfe von Luftaufnahmen und Messungen mehrere Lager, ein Marschlager, ein Kastell, ein Dorf und andere Besiedlungsreste entdeckt. Die ersten römischen Siedlungsreste fand 1893 der Sigmaringer Archivdirektor Karl Theodor Ziegler und entwickelte seine Theorie.

So oder so ähnlich wird es wohl ausgesehen haben, das Römerkastell auf der Schlichte in Burladingen-Hausen. Foto: Willy Gastel

In den Jahren 1912 und 1914 wurde weiter gegraben und danach stand fest: Theodor Ziegler hatte Recht. Der jüngste Fund stammt aus dem Jahr 2006. Da entdeckte das Landesdenkmalamt ein bis dahin völlig unbekanntes Marschlager, weil ein Bauer auf der Schlichte beim Pflügen an einem Stein hängen geblieben war und mal tiefer bohrte.

Interessiert an den Burladinger Römerschätzen ist auch der Verein „Römerstraße Neckar-Alb-Aare“. Diesen Verein gibt es seit einem Vierteljahrhundert.

Große, wetterfeste Hinweistafeln sind bereits in der Mache

Sein erklärtes Ziel: Römische Siedlungsreste und Hinweise auf die Kultur und Lebensweise dieser Hochkultur für heutige Reisende und Touristen in Baden-Württemberg und der Schweiz wieder sichtbarer zu machen.

Damit steht der Verein nicht alleine da. Auch beim Landesdenkmalamt und der Stadt Burladingen weiß man, dass mit diesen Funden im Bereich Tourismus durchaus gewuchert werden könnte. Deshalb sollen jetzt bald große, wetterbeständige Hinweistafeln, von einem Grafiker gestaltet, mit Nummern und Texten versehen, an gut sichtbarer Stelle neben der B 32 aufgestellt werden. Sie sollen die Geschichte des Kastells erzählen, was dort wo stand, welche Gebäude dazu gehörten, wann was gefunden wurde und welche Rückschlüsse diese Funde zulassen.

Das Landesdenkmalamt hat die Federführung beim Entwurf der neuen großen Tafeln der Stadt Burladingen überlassen. Wann die Hinweistafeln aufgestellt werden, dazu konnte man im Rathaus allerdings noch nichts sagen.