Auch ein Misserfolg kann ein Erfolg sein: Die Feuerwehr Meßstetten und ihr Gesamtkommandant Ralf Smolle wissen nach einer aufwendigen Übung am Hang in Tieringen nun besser, was sie in Sachen „Wasserversorgung über lange Wegstrecken“ noch verbessern müssen – und wollen das schnell in Angriff nehmen.
Löschen müssen hätte die Gesamtfeuerwehr Meßstetten am Samstag nicht – das hat Petrus übernommen und am Himmel über Tieringen sämtliche Schleusen geöffnet.
Die 56 Feuerwehrleute um den Gesamtkommandanten Ralf Smolle kratzt das überhaupt nicht. Sie sind gut verpackt, von Helmen beschirmt, in warme Schutzkleidung gewandet, und kommen daher gelegentlich sogar ins Schwitzen. Denn es geht steil bergauf zum Pferdehof Silbernagl. Ein Teil der Einsatzkräfte darf in einem der elf Fahrzeuge fahren, die bei der Übung zum Einsatz kommen, doch auch das ist kein Vergnügen. Die Straße, die auch Richtung Feriendorf führt, ist nicht gerade die breiteste in der 11 000-Einwohner-Stadt, mäandert in Serpentinen bergan, und Verkehr herrscht überdies. Im Feriendorf sind Urlauber, im benachbarten Gasthaus Gäste, und das absolute Halteverbot, das die Stadt bis hinauf zum Tennisheim für die Dauer der Übung verhängt hat, hat sich auch nicht überall herumgesprochen.
Zuweilen passt keine Zeitung mehr dazwischen
So passt zuweilen keine Zeitung mehr zwischen die Feuerwehrfahrzeuge und die Personenwagen am Wegesrand. Aber hinauf müssen sie, denn sie ziehen den Schlauch.
Nicht weniger als 1,4 Kilometer weit reicht der dicke Feuerwehrschlauch, der vom Ort – Tieringen liegt 140 Höhenmeter tiefer – hinauf zum Pferdehof verlegt werden muss, um dort löschen zu können. Auch wenn’s nur eine Übung ist.
Die einen fahren, die anderen rollen den Schlauch am Fahrzeugende ab, wieder andere stecken die Schlauch-Abschnitte zusammen, und um die Pumpen kümmern sich ebenfalls Feuerwehrleute.
Die sind richtig wichtig, denn der Wasserdruck lässt naturgemäß zu wünschen übrig, wenn so viel kühles Nass vom Hydranten im Ort so weit nach oben gepumpt werden muss. Nicht, dass es oben keine Hydranten gäbe: Beim Tennisheim steht einer, der im Idealfall 1600 Liter pro Minute liefern sollte. Tut er aber nicht – das müssen die Feuerwehrleute enttäuscht feststellen, wie Kommandant Ralf Smolle ernüchtert berichtet. Der Satz „Mensch, wir müssen mehr Druck machen!“ fällt zwischendurch irgendwo. Und steht symptomatisch für das ganze Prozedere.
Zum dritten Mal binnen weniger Jahre üben alle Abteilungen die Wasserversorgung über lange Strecken. Vor vier Jahren am Weiler Geyerbad oberhalb von Oberdigisheim und bei der zweiten Übung in Heinstetten habe alles prima geklappt, berichtet Smolle. „Diesmal haben wir Defizite festgestellt.“ Weder der Hydrant im Ort noch der am Tennisheim liefere genug, „und deshalb müssen wir nun überlegen, das Hallenbad“ – es gehört zu den Attraktionen im Feriendorf Tieringen – „als Puffer zu verwenden.“
Außerdem wollen Smolle und sein Team die ganze Übung im Detail aufarbeiten und ausklamüsern, welche auswärtigen Kräfte im Ernstfall hinzugezogen werden müssen, um im Brandfall die heimischen zu unterstützen. Nusplingen etwa, sagt Smolle. Und Balingen. Alle nicht weit weg.
Solche Risikogebiete gibt es mehrere in Meßstetten
Risikogebiete wie den Pferdehof auf dem Berg gebe es in Meßstetten genug, sagt Smolle, der als erste Sofortmaßnahme nun fest installierte Hinweisschilder aufstellen lassen will. Sie sollen jene Stellen markieren, an denen die Pumpen stehen müssen, um möglichst effektiv arbeiten zu können – wo diese Standorte sind, wissen die Meßstetter Feuerwehrleute spätestens seit der Großübung ganz genau, hatten es aber auch vorher schon berechnet.
Dass die Schläuche sich beim Entrollen ordentlich verdrillen, sei kein Problem, betont der Kommandant. Sobald das Wasser sie füllt und sich wie eine Schlange den Berg hinauf arbeitet, funktioniere das völlig reibungslos.
Wirklich gelöscht wurde am Samstag im Pferdehof allerdings nur der Durst: Die Betreiber hatten Getränke bereitgestellt für alle Beteiligten – und Liegestühle für die Nachbesprechung, wie auf dem Sonnendeck eines Kreuzfahrtschiffes. Nur die dazugehörige Sonne hat sich am Samstag keine Sekunde lang blicken lassen. Dafür hat Petrus bewiesen, dass auch er ein ganz ordentlicher Löschmeister ist.