Drei Zugmaschinen, Polizei-Begleitung und 300 Tonnen Ladung: So verlief der spektakuläre Schwertransport von Nagold nach Jettingen in der Nacht auf Dienstag.
Grelle Scheinwerfer, blinkendes Blaulicht und eine Menge Schaulustige. Hinter Polizeiwagen und der vorderen Zugmaschine ragt der 300-Tonnen-Koloss auf seinem Fundament in die Höhe. Spannung liegt in der kalten Luft.
Was sich anhört wie ein neuer „Transformers“-Film, war am Nagolder Bahnhof tatsächlich Realität. Mit insgesamt drei Zugmaschinen sollte ein riesiger 380-/110-kV-Transformator bis ans Jettinger Umspannwerk transportiert werden.
Fünf Mann der Firma Kübler aus der Nähe von Schwäbisch Hall sollten das 70 Meter lange Transportgespann die rund acht Kilometer durch Tunnel und Kreisverkehre navigieren. Zur Hilfe wurden vorab alle Schilder im Kreisverkehr abgehängt.
Eine Pechsträhne gleich zu Beginn
Rund eine halbe Stunde später als geplant, rollte der Schwertransport mit zunächst zwei Zugmaschinen um 21.30 Uhr los. Die erste Herausforderung sollte nicht lange auf sich warten lassen. Bereits rund fünf Minuten nach dem Start musste der Transport zum ersten Mal halten.
Der Grund: Ein paar Zuschauer hatten ihr Fahrzeug auf die Parkplätze am Straßenrand gestellt. Dadurch konnte das Riesen-Gespann nicht um die Kurve fahren. Nach weiteren fünf Minuten Warten, entfernte der Fahrzeughalter dann aber unter Applaus der dabeistehenden Zuschauer das Hindernis.
Nun galt es, das Gespann über die Kreuzung in den Eisbergtunnel zu navigieren. Um den Tunnel herum hatten sich zahlreiche Schaulustige versammelt. Unten auf der Straße fühlte man sich, als würde man sich gerade in einem riesigen Amphitheater befinden.
Allerdings kam hier auch gleich das nächste Problem. Da der hintere Lkw in der Kurve stand, konnte dieser den Transport nicht von hinten schieben. Die vordere Zugmaschine kam nicht mehr voran. Der Motor heulte auf, man roch die Kupplung, doch es bewegte sich nichts.
300-Tonnen gegen ein Tunnelschild
Nach ein paar Nachjustierungen und dem Anhängen einer dritten Zugmaschine, schaffte es der Zug schlussendlich aber doch noch in den Tunnel. Hier hörte die Pechsträhne aber noch nicht auf. Es gab einen kleinen Unfall.
Kurz nach Einfahren des Tunnels verschätzten sich die Verantwortlichen um ein paar Millimeter. Der fünf Meter hohe Transport blieb an einem Schild an der Decke des Tunnels hängen.
Der 300-Tonnen-Wucht konnte dieses selbstverständlich nicht Stand halten und gab nach. Nachdem das Schild entfernt worden war, ging es mit etwas Verzögerung weiter zum ersten Kreisverkehr. Auch dort stand schon eine Masse an Interessierten bereit.
Diesen Kreisel meisterte das fünfköpfige Team um Leiter Michael Weber ohne große Probleme, so dass der Schwertransport problemlos die Reise ans Umspannwerk antreten konnte. Mit schätzungsweise 20 Stundenkilometern fuhr der Zug über die Herrenberger Straße hoch nach Jettingen.
Public Viewing mit Bewirtung
In Jettingen versammelten sich die Menschen bereits zum gemeinsamen Public Viewing. Für die Zuschauer stellten Mitglieder des VfL Oberjettingen Punsch, Glühwein und Bier bereit. Auch ein Wagen der Freiwilligen Feuerwehr stand bereit.
Man fühlte sich als würde man gerade ein Spiel der Fußball-Nationalmannschaft schauen, als die schwere Siemens-Anfertigung mit den zwei vorausfahrenden Polizeistreifen vorbeigerollt kam.
Die Erleichterung um Mitternacht
Nachdem der Schwertransport auch die restlichen Kreisverkehre auf der L 362 und der L 1362 relativ problemlos gemeistert hatte, traf das 70-Meter Gespann um 0.04 Uhr am Jettinger Umspannwerk an.
Nach rund zweieinhalb Stunden Höchstleistung und höchster Konzentration konnte sich das Kübler-Team und alle anderen Beteiligten nun gegenseitig auf die Schultern klopfen. Auch wenn es anfangs ein paar Startschwierigkeiten gab, wurde der spektakuläre Transport ohne größere Unfälle oder Schäden erfolgreich abgeladen.
Auch die Auftraggeber der Transnet BW waren zufrieden. Der 50 Jahre alte Transformator des Umspannwerks kann nun endlich durch den Neuen ausgetauscht werden. Dies sei ein wichtiger Teil für den geplanten Ausbau des Werks, sagte ein Verantwortlicher vor Ort.
Der Transformator solle planmäßig im dritten Quartal diesen Jahres in Betrieb genommen werden, erklärte er. Der nächste Trafo solle im Jahr 2028 geliefert werden. Auf ein weiteres Event wie dieses muss also noch etwas gewartet werden.