Speeddating für Gründer Wie eine Stuttgarterin den Investoren ihr Startup schmackhaft macht

Valentin Schwarz
Beim Speeddating für Startups geht es darum, sein Produkt für potenzielle Investoren in kurzer Zeit interessant zu machen. Foto: KI/Midjourney/Maria Pichlmaier

Ihr Produkt vorzustellen, fiel Startup-Gründerin Katrin Kreidel einst nicht leicht – gehört aber längst zu ihrem Job. Wie spricht sie bei einem Event in Stuttgart mit Investoren?

Der zylinderförmige Gegenstand mit der blauen Haube in Katrin Kreidels Händen erinnert an einen Buzzer aus einer Quiz-Show. Kreidel allerdings will ihn nicht auslösen, sondern beschreiben. „It’s a smoke detector for the water meter“, sagt die 31-Jährige auf Englisch, ein Rauchmelder für den Wasserzähler. „Hydropmeter“ nennt sich das Produkt, das sie bei einem Speeddating für Startups im Stuttgarter Impact Hub vorstellt.

 

Auch ohne Buzzer hat das Event etwas von einem Fernsehformat. Junge Unternehmensgründer bekommen fünf Minuten Zeit, potenzielle Investoren zu überzeugen. Gegenüber von Kreidel sitzt ein italienischer Unternehmensberater mit kurzen hellbraunen Locken, den Sweater elegant über das Poloshirt gelegt. „We’ve developed an AI to replace the human eye“, erklärt sie ihm geradezu rhythmisch – man habe eine KI entwickelt, die das menschliche Auge beim Wasserzählen ersetzt. Solche prägnanten Sätze sind es, mit denen sie einen Geldgeber an Land ziehen will.

Startup aus Stuttgart entwickelt Wasserzähler-Aufsatz

Kreidel spricht ruhig, in einem gleichmäßigen Tempo. Selbst wenn sie ins Englische wechselt, verheddert sie sich nicht, muss nur ganz vereinzelt nach Worten suchen. „Durch die Erfahrung fallen mir solche Termine inzwischen leichter“, sagt sie. Investoren zu adressieren, gehört längst zu ihrem Kerngeschäft.

Nach ihrem Studium der erneuerbaren Energien an der Uni Stuttgart schloss sich die gebürtige Wiesbadenerin einst mit dem Ingenieur Moritz Emberger und dem Wasserwissenschaftler Raimund Koop zusammen. Gemeinsam gründeten sie 2024 das Startup hydrop systems, das ein Jahr später das „Hydropmeter“ auf den Markt brachte – ein strombetriebener Aufsatz für den Wasserzähler.

„Rauchmelder für den Wasserzähler“: Katrin Kreidel mit dem „Hydropmeter“. Foto: Lichtgut//Julian Rettig

Sobald installiert, liest ein KI-Sensor den Zählerstand ab und überträgt die Daten kontinuierlich in die Hydrop-App. Dadurch könne man sich bewusster mit dem eigenen Wasserverbrauch beschäftigten, sagt Kreidel. Ihr zweites Verkaufsargument: „So ist meist schon weit im Voraus zu erkennen, wenn sich ein Wasserschaden anbahnt.“

Kreidel wirbt um Investoren für Startup

Kreidel kümmert sich bei hydrop systems um das Netzwerk, die Finanzierung und die Öffentlichkeitsarbeit. Rund 750 „Hydropmeter“ zum Stückpreis von 149 Euro hat das Unternehmen bislang verkauft. Jetzt wollen Kreidel & Co. die Produktion erhöhen. Dafür benötigen sie 600.000 Euro, die ein Crowdinvesting auf der Plattform Fundernation einbringen soll.

Parallel dazu wirbt Kreidel beim Startup-Speeddating, organisiert vom Verein Startups for Tomorrow. Veranstaltungsort ist der Impact Hub, eine ehemalige Werkstatt auf dem Wizemann-Areal. An den Backsteinwänden laufen dekorativ Kabel entlang, in der Ecke steht ein Vintage-Sofa mit Blumenmuster, an der Bar gibt es Gemüse-Wraps und Bio-Eistee. Gut 30 Menschen haben an den Holztischen in der Hallenmitte Platz genommen, die meisten augenscheinlich zwischen 25 und 45 Jahre alt. Manche tragen Sakko, andere T-Shirts mit Rücken-Print, der Großteil weiße Sneaker. Kreidel hat ihre dunkelbraunen Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und sich in ein Rollkragen-Oberteil geworfen, das so knallgrün ist wie ihr Notizheft.

Einst nervös, jetzt gelassen

Rund 15-mal nacheinander stellt sie hier das „Hydropmeter“ vor und tauscht Kontakte aus. „Am wichtigsten ist, dass das Gegenüber versteht, was man macht“, beschreibt Kreidel ihre Strategie. Also erklärt sie mit einstudierten Sätzen („Rauchmelder für den Wasserzähler“) die Funktionsweise ihres Produkts. Erzählt von eigenen Erfahrungen mit Wasserschäden („nicht schön“). Dann geht sie zur zweiten Phase über: Kreidel macht nun klar, wo sie mit ihrem Startup hin will und was sie dafür aktuell braucht. „Diesen Teil vergessen viele in der Aufregung“, sagt sie.

Fünf-Minuten-Pitch: Katrin Kreidel beim Startup-Speeddating im Impact Hub. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

In ihrer Stimme ist von Nervosität keine Spur. Das sei vor einigen Jahren noch ganz anders gewesen, sagt sie. Denn: „Von Natur aus bin ich echt kein extrovertierter Mensch.“ Ausgerechnet bei ihrem allerersten Pitch für das „Hydropmeter“ hätten dann auch noch die Präsentationsfolien nicht funktioniert. „Ich kann mich nicht dran erinnern, was ich damals gesagt habe, so nervös war ich.“ Doch im Nachgang hätten ihr gerade solche Momente geholfen, gelassener aufzutreten. „Wenn ich auf dem Weg auf eine Bühne stolpere, dann stehe ich halt wieder auf“, sagt sie heute.

Produkt hilft Stuttgarterin beim Pitch

Während des Speeddatings drückt Kreidel das „Hydropmeter“ immer wieder ihrem Gegenüber in die Hand. „Ein greifbares Produkt vor sich zu haben, macht den Pitch einfacher“, sagt sie. Mit Schlagworten wie „Impact“ oder „Green Tech“ geht sie dagegen sparsam um, auch wenn sie weiß: „Ein paar davon muss ich vor Investoren schon fallen lassen, sonst sind die nicht interessiert.“

Wobei die privaten Geldgeber – sogenannte Business Angels – im Impact Hub ohnehin rar gesät sind. Die meisten sind hier eher an Vernetzung interessiert. Immerhin: Bei dem italienischen Unternehmensberater stößt Kreidels Pitch auf Begeisterung. „Super cool“ sei das Gerät. „Schick mir den Link“, sagt er auf Englisch, „dann werde ich investieren“.