Etwa 150 Zuhörer waren gekommen, um den SPD-Spitzenkandidaten Andreas Stoch im Franziskanercafé live zu erleben. Foto: Marc Eich

Andreas Stoch benennt in Villingen-Schwenningen Probleme, spart aber die Finanzierung aus: Ein Wahlkampf, der auf Gefühle und Vertrauen setzt – nicht auf Rechenmodelle.

Obgleich man „in diesen Zeiten“ gut etwas Spaß und Ablenkung gebrauchen könne, wie der SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch fand – an diesem Montagabend im Franziskaner-Café in Villingen konzentrierte sich die SPD vor allem auf Eines: die Ängste und Sorgen der Menschen im Land. Denn wenn man etwa um den eigenen Arbeitsplatz oder die ärztliche Versorgung bangen müsse, „das macht was mit einem“, meinte Stoch bei seinem Boxenstopp im Schwarzwald-Baar-Kreis.

 

Für ihn steht deshalb fest: „Politik muss die Probleme der Menschen in den Mittelpunkt stellen.“

Und das tat er an diesem Abend, mit dem er nicht nur dem Lokalmatador und Gastgeber Nicola Schurr den Rücken stärkte, sondern auch dessen benachbarten Landtagskandidaten Ali Zarabi (Rottweil) und Christine Treublut (Tuttlingen-Donaueschingen), die beide mit von der Partie waren.

Kaum eine elementare Sorge der Wähler, die Stoch in seiner Wahlkampfrede nicht ansprach – während er Finanzierungsmöglichkeiten im selben Atemzug jeweils schuldig blieb.

Von Wohlstand bis Wirtschaft

Da waren zum Beispiel hohe Kita-Gebühren, die sich für manche Familie anfühlten „wie eine Sondersteuer für Eltern“ – dabei sollte frühkindliche Bildung doch am besten kostenlos und vor allem für alle zugänglich sein, so der vierfache Familienvater. Schließlich sei sie „ein ganz entscheidender Faktor für den Wohlstand unseres Landes“. Auch, wer wie die CDU eine Debatte um Lifestyle-Teilzeit anstoße, habe die Wirklichkeit in diesem Land nicht verstanden.

Unangenehme, weil bisweilen unpopuläre Ansagen zur Finanzierung von Wünschen und Zuschüssen sparte der Sozialdemokrat an der Landesspitze aber an Stellen wie diesen aus. Stattdessen kam er von den Nöten der Bürger direkt zu deren Wunschliste: Energiepreise müssten bezahlbar und Wohnraum dringend mehr gefördert sein – forderte er beispielsweise. Und er versprach im Falle einer künftig von der SPD geführten Landesregierung auch das Ende der Studiengebühren und berufliche und akademische Bildung einander gleichzusetzen.

Einer ist hier die gelebte Praxis

Ein Paradebeispiel dafür, wie wichtig lebenslanges Lernen ist und wohin es führen kann, war mittendrin bei der Wahlkampfveranstaltung im Franziskaner: Nicola Schurr. Ausbildungen zum Konditor und zum Einzelhandelskaufmann, danach beruflich im internationalen Speditions- und Logistikgewerbe tätig und schließlich dank praxisintegrierter Ausbildung den Sprung zur Verwirklichung eines Lebenstraums geschafft und fortan als Erzieher tätig. Der hiesige Landtagskandidat der Sozialdemokraten lebt vieles von dem, wofür die SPD steht. Vielleicht ist er auch deshalb umso mehr davon überzeugt, dass die Möglichkeit des Quereinstiegs oder der Fort- und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter gerade für die hiesige Zuliefererindustrie bedeutender sein werde denn je: Von neuen Kenntnissen der Mitarbeiter profitiere am Ende auch das Unternehmen im Falle einer Neuausrichtung.

Ein Grund mehr für den Rechtsanwalt Andreas Stoch, das auch politisch wertzuschätzen, denn der Erfolg eines Unternehmens bemesse sich nicht rein an seiner Rendite, sondern auch daran, wie mit den Mitarbeitern umgegangen werde und ob beispielsweise in die Belegschaft investiert werde.

Was und wofür die Wähler jetzt investieren sollten, das stand für Andreas Stoch, Nicola Schurr und Co. außer Frage: „Beide Stimmen für die SPD“, forderte Nicola Schurr beispielsweise. Für die SPD, weil sie Wirtschaft und Menschen verbinde, und für ihn als Direktkandidaten, „weil ich nicht nur schwätze, sondern mache“. Und auch der Spitzenkandidat war freilich mit Argumenten für ein Kreuz hinter seinem Namen gerüstet, so stichelte Stoch gegen Konkurrenz: Wer Özdemir wähle, „wacht alleine mit der CDU auf“ und „wer den Hagel haben will, dem kann ich eh nicht helfen“.