Ein Teil der Neumitglieder bei der Übergabe der Parteibücher, flankiert von prominenten Gratulanten aus Bund, Land, Kreis und Stadt Freudenstadt. Foto: Kuhnert

SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert und SPD-Bundesvorsitzende Saskia Esken waren nach Freudenstadt gereist, um die neuen Parteimitglieder zu begrüßen. Die Jüngste unter ihnen ist 20, die Älteste 75 Jahre alt.

Die von SPD-Generalsekretär Kevin Kühnert vor zwei Jahren angezettelte bundesweite „Mission 30 000“ zum Gewinnen neuer Mitglieder, war für den SPD-Kreisverband mit dem Ortsverein Freudenstadt/Oberes Wolftal ein voller Erfolg. Mit mehr als 50 neuen Mitgliedern, davon fast die Hälfte aus Freudenstadt, belegte der Kreisverband bundesweit den ersten Platz.

 

Jetzt überreichte Kühnert gemeinsam mit der SPD-Bundesvorsitzenden Saskia Esken in einer Feierstunde den neuen Mitgliedern die Parteibücher. 150 Sitzplätze im Schweizer-Saal des Freudenstädter Stadthauses reichten gerade aus, um allen Genossen und vielen Gästen Platz zu bieten.

Protest im ländlichen Raum

Esken und Kühnert hatten tags zuvor in Berlin und Stuttgart an Demonstrationen gegen die AfD teilgenommen. Sie freuten sich über Protestaktionen auch im ländlichen Raum wie in Dornstetten, Nagold, Calw oder Herrenberg.

Die Glückwünsche beider Redner galten der erfolgreichen Mitgliederwerbung. Esken dankte ihren „großartigsten Mitgliedern im schönsten Wahlkreis“ mit den Worten: „Ich bin stolz auf euch.“

Parteibücher erhielten Neumitglieder aller Altersgruppen, von der 20-jährigen Ceren Jildan bis zur 75-jährigen Freudenstädter Gemeinderätin Anita Zirz. Generalsekretär Kevin Kühnert erzählte: „Mein Großvater ist nach mir in die SPD eingetreten. Damals war er 75 Jahre alt. Heute steckt er mit seinen 88 Jahren meine Wahlflyer in Berliner Briefkästen.“

Sorge um die Demokratie

Mit dem Freudenstädter Ergebnis zeigten sich alle Beteiligten höchst zufrieden. Nur nicht SPD-Ortsvorsitzender Sadik Varol, der wie Gerhard Gaiser vom Kreisverband mit Abstand die meisten Neumitglieder gewonnen hatte. Varol: „Mein Ziel waren 100.“

Moderiert von der Stellvertretenden Kreisvorsitzenden Melanie Nagel führten Varol, Kreisvorsitzender Marius Thoy, Kreistags-Fraktionsvorsitzender Gerhard Gaiser und Jonas Weber aus Rastatt, SPD-Betreuungsabgeordneter im Landtag, ins politische Allerlei im Südwesten ein.

Dann wurde es hochpolitisch: Saskia Esken und Kevin Kühnert richteten in ihren bundespolitischen Diskursen in Sorge um die Demokratie scharfe Attacken gegen Rechtsextremisten und die AfD. Esken: „Die AfD verbreitet ungeheuerliche Lügen. Sie ist nicht die Partei der kleinen Leute, sie ist eine radikale Partei der reichen Eliten.“

Erinnerung fürs Familienalbum. Gerhard Gaiser (rechts) knipst ein Foto vom SPD-Kreisvorsitzenden Marius Thoy mit den SPD-Bundesspitzen Saskia Esken und Kevin Kühnert (von links). Foto: Kuhnert

An vielen Beispielen machte sie deutlich, dass sich die Bilanz der Ampel und gerade der SPD durchaus sehen lassen könne: „Wir werden mit unserer Politik dafür sorgen, dass die Stimmung im Land wieder besser wird.“

Drohende Politikverdrossenheit und die Art, wie die Gesellschaft derzeit Meinungsverschiedenheiten austrägt, waren auch die Themen von Generalsekretär Kühnert, der mahnte, den Kompromiss in der Politik hoch zu halten. Völlig entspannt, nachdenklich und unterlegt mit praktischen Beispielen appellierte er – auch im Blick auf die neuen SPD-Mitglieder – an die Verantwortung jedes Einzelnen für die Demokratie: „Das Fundament unseres Zusammenlebens muss das Grundgesetz sein.“ Die von der AfD an den Tag gelegten Ungleichwertigkeiten von Menschen seien „Warnzeichen für einen Weg, der ins Unheil führt“.

Fünf neue Mitglieder

Die Reden beider Bundespolitiker wurden immer wieder von starkem Applaus unterbrochen. Bundes- und Landtagsabgeordnete stellten sich vor, während und nach einem kleinen Imbiss den Fragen aus dem Publikum. Beeindruckt von der Veranstaltung traten noch am gleichen Tag fünf neue Mitglieder in die SPD ein.