Welchen Herausforderungen Flüchtlinge im Kreis Rottweil begegnen, das erfuhr SPD-Landtagskandidat Ali Zarabi bei seinem Besuch im VHS-Integrationskurs in Sulz.
Migration und Integration gehören wohl zu den drängendsten gesellschaftlichen Herausforderungen dieser Zeit. Wie groß der Handlungsbedarf ist, zeigte ein Besuch des SPD-Landtagskandidaten Ali Zarabi in einem Integrationskurs der Volkshochschule Sulz. Begleitet wurde er von Klaus Schätzle.
Zarabi, selbst ehemaliger Flüchtling, nutzte den Termin, um sich ein Bild von den Bedingungen im Kurs zu machen und direkt mit den Teilnehmern ins Gespräch zu kommen.
Engagement in Vereinen als Schlüssel für Integration
Menschen aus Rumänien, Polen, der Ukraine, Kenia und Syrien berichteten offen über ihre Erfahrungen, Sorgen und Erwartungen an Politik und Verwaltung.
Im Mittelpunkt stand dabei auch Zarabis eigener Lebensweg. Auf die Frage, wie ein gebürtiger Afghane zum Landtagskandidaten im Kreis Rottweil werde, antwortete der 23-Jährige: „Schon 2014, mit 14 Jahren, habe ich beschlossen, aktiv zu werden und etwas von der Unterstützung zurückzugeben, die ich selbst erfahren habe.“ Seine ersten Schritte in der deutschen Gesellschaft habe er im Ringerverein AB Aichhalden gemacht – zunächst als Sportler, heute als ehrenamtlicher Kampfrichter. Engagement in Vereinen sei für ihn bis heute ein zentraler Schlüssel gelungener Integration.
Sprachliche und bürokratische Hürden
Gleichzeitig hörte Zarabi zu. Auf seine Frage „Was raubt euch den Schlaf?“ schilderte eine alleinerziehende Mutter ihre existenzielle Not nach einem Umzug nach Sulz. Schwierigkeiten mit dem Jobcenter, Sprachbarrieren und fehlende Unterstützung hätten dazu geführt, dass sie aktuell nicht wisse, wie sie den Monat finanziell überstehen solle. „Leider versteht das Jobcenter meine Lage nicht – und ich verstehe seine Probleme auch nicht“, sagte die sichtlich bewegte Frau.
Zarabi zeigte sich betroffen: „Es darf nicht sein, dass Menschen in unserem Sozialstaat von Hunger bedroht sind, weil sie die Sprache der Behörden nicht verstehen – und umgekehrt.“ Er lud die Verantwortlichen zu einem offenen Austausch ein, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln. „Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, dass niemand durch sprachliche oder bürokratische Hürden durchs Raster fällt.“
Schnelle Zugänge in Beschäftigung nötig
Auch die Situation auf dem Arbeitsmarkt wurde thematisiert. Ein junger Mann aus Afrika berichtete, dass er trotz großer Motivation nicht arbeiten dürfe und auf Bewerbungen keinerlei Rückmeldungen erhalte. Zarabi kritisierte dies: „Es ist der völlig falsche Weg, Menschen, die arbeiten wollen, daran zu hindern. Wir brauchen ein einheitlich reformiertes Arbeitsrecht für Geflüchtete, das schnelle Zugänge in Beschäftigung ermöglicht.“
Zum Abschluss fragte eine Mutter aus Rumänien, welchen Rat Zarabi ihrem 13-jährigen Sohn mit auf den Weg geben würde. Seine Antwort fiel klar aus: „Er sollte unbedingt Mitglied in einem Verein werden. Integration gelingt dort am besten. Vereine schaffen Gemeinschaft, Verantwortung und Zugehörigkeit – bei mir im Ringerverein und im SPD-Ortsverein Schramberg hat genau das funktioniert.“
Der SPD-Kreisvorsitzende Mirko Witkowski unterstreicht die Bedeutung solcher Begegnungen: „Integration entscheidet sich nicht in abstrakten Debatten, sondern im direkten Kontakt mit den Menschen. Wer zuhört, erkennt schnell, wo Strukturen versagen. Der Besuch in Sulz zeigt, wie dringend wir Integration pragmatisch, sozial und fair weiterentwickeln müssen – im Interesse der Betroffenen und unserer gesamten Gesellschaft.“