Manfred Stocker (SPD/GAL) ist in das Sulzer Gremium nachgerückt. Seine Themen sind Hochwasserschutz, die Gäubahn und ein gutes Radwegenetz. Dafür braucht er einen langen Atem. Den hat der begeisterte Sänger seit Jahrzehnten unter Beweis gestellt.
„Ich will die Zukunft von Sulz mitgestaltet“, erklärt Manfred Stocker. Er sitzt nach dem Ausscheiden von Traude Mangold für SPD/GAL im Gemeinderat und möchte das Leben für alle Sulzer besser machen.
Ein besonderes Anliegen ist ihm dabei die Gäubahn. „Die Pflöcke für den Verkehr werden jetzt eingeschlagen“, stellt er klar – auch wenn es wohl bis Ende der 2040er-Jahre dauert, bis der erste Zug durch den geplanten Sulzer Tunnel fahren wird.
Mit dem Rad unterwegs
Neben der Bahn hat er aber auch das Rad im Blick. „Wir brauchen einen Radweg von Sulz hoch auf die Mühlbach-Ebene“, sagt er. Die Bergfelder Klinge sei seiner Ansicht nach zu steil und habe auch einen starken Lkw-Verkehr.
Eine Alternative sei eine Strecke über Holzhausen, auch wenn es in Richtung Vöhringen einen gewissen Umweg darstelle, überlegt er.
Für das regionale Gewerbegebiet
Mit Blick auf den Hochwasserschutz möchte er sich für eine angepasste Uferpromenade in der Kernstadt sowie der naturnahen Umgestaltung der Gewässer einsetzen.
Dem Cybernetic-Ingenieur ist liegt der Industriestandort Sulz am Herzen. „Schade, dass die Windräder abgelehnt wurden und die Stimmung wohl gegen das regionale Gewerbegebiet ist“, sagt er. Den Vorschlag, statt des Gemeinderates ein Bürgerforum zu dem Thema abstimmen zu lassen, empfand er aus demokratiepolitischer Sicht als schwierig.
Projekte brauchen Zeit
Gleichzeitig hat er Sympathien für das Gewerbegebiet. „Ich wünsche mir da, viel mehr die Chancen als nur die Bedenken zu sehen“, appelliert der 63-Jährige.
Ob er eines der Projekte am Ende umgesetzt sehen wird? Da ist er realistisch. „Solche Sachen brauchen alle ihre Zeit und ich bin auch nicht mehr der Jüngste“, fasst er es zusammen. Doch hoffe er, das eine oder andere einleiten zu können.
Von Mühlheim nach Sachsen
Als gebürtiger Mühlheimer habe er das Abitur in Sulz gemacht und während seiner Schulzeit sogar als Redaktionsbote beim Schwarzwälder Boten gearbeitet, erzählt er.
Es folgte das Studium in Stuttgart, 1980 trat er in die SPD ein. Ein besonderer Lebensabschnitt sei die Zeit direkt nach der Wiedervereinigung im westsächsischen Crimmitschau gewesen. „Ich habe mich in einer Buntweberei fünf Jahre lang um ein System zur Auftragsbearbeitung gekümmert“, erklärt er.
Eine enge Freundschaft
So konnte in dem Betrieb am Ende die exakte Menge an Garn für ein Produkt erfasst, die benötigten Rohstoffe abgebucht und auch externe Dienstleistungen wie das Färben der Stoffe eingepflegt werden.
„Da sind viele Freundschaften entstanden“, erinnert er sich. 1992 sei er dann in den dortigen Bäcker-Gesangsverein eingetreten. „Es gab sechs Bäckermeister, zwei Müller und zwei Schneider“, beschreibt Stocker den Chor.
Singen mit den Kollegen
Vor allem die Gespräche, wie die Menschen die DDR wahrgenommen hätten, haben ihn fasziniert. Damals seien 2500 Leute in der Textilindustrie beschäftigt gewesen, mittlerweile hätten alle Betriebe bis auf „sein“ Unternehmen geschlossen.
„Ich habe erst kürzlich bei einem Besuch mit ihnen gesungen“, sagt er. Wegen des vorangeschrittenen Alters der Kollegen habe der gemeinsame Auftritt nicht im Vereinsraum, sondern im Pflegeheim stattgefunden.
Aktiv in der Bauderkantorei
Weitere Stationen seien der Männerchor in Kreuztal bei Siegen in Nordrhein-Westfalen gewesen, wo er berufsbedingt zehn Jahre tätig war.
Auch im Mühlheimer Chor sei er bis zu dessen Auflösung Mitglied gewesen, zählt er weiter auf. Seine Gesangsleidenschaft übt Stocker nun in der Bauderkantorei aus.