Nach sechs Jahren im Gemeinderat scheidet André Amon aus der Sulzer Kommunalpolitik aus. Der Stadt stellt er ein gutes Zeugnis aus, Sorgen bereitet ihm das Thema Windkraft.
Die Begeisterung ist André Amon (SPD/GAL), auch nachdem er sein Ausscheiden aus dem Gemeinderat verkündet hat, deutlich anzumerken.
„Ich kann es nur jedem empfehlen, der Lust hat, in die Kommunalpolitik zu gehen“, macht der Noch-Fraktionsvorsitzende ordentlich Werbung. Da lerne man nämlich einerseits, was alles fachlich-technisch in der Verwaltung gemacht werde, damit das Leben in der Stadt funktioniert.
„Die Spitze des Eisbergs“
Aber auch persönlich komme man mit vielen Menschen in Kontakt, deren Sicht auf die Dinge – auch wenn sie in anderen Fraktionen sitzen – das eigene Leben bereicherten. „Für mich war das die vergangenen sechs Jahre eigentlich nie Arbeit, sondern eine Freude“, erklärt der 39-Jährige.
Auch wenn er in dieser Zeit oftmals erst spät in der Nacht nach Hause kam. „Die Sitzungen sind nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Amon. Das mehrstündige Einlesen in Unterlagen, die Gespräche im Hintergrund beanspruchten deutlich mehr.
Austausch ist wichtig
Aber wie aus dieser investierten Zeit Gutes erwachsen könne, macht er am Beispiel der Gartenschau deutlich. „Über die Finanzierung war in den Unterlagen praktisch nichts ersichtlich“, erinnert er sich im Vorgang auf die Sitzung.
Nach Gesprächen in der eigenen Fraktion telefonierte er seine Ratskollegen in den anderen Parteien ab, um dort die Stimmungslage mitzubekommen – die der von SPD/GAL ähnelte.
Klimaschutz und Wohnen
„Da rief ich bei Bürgermeister Jens Keucher an, bat um ein Vorgespräch wegen aktueller Unklarheiten – und stieß auf offene Ohren“, beschreibt er das gute Miteinander zwischen Fraktionen und Verwaltung. So konnten offene Fragen geklärt werden sowie Verwaltung und Parteien gut vorbereitet in die entscheidende Sitzung gehen. Das Ergebnis: Bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung spricht sich die große Mehrheit dafür aus, das Groß-Event 2031 ausrichten zu wollen.
Begonnen habe sein Engagement 2018, als Klaus Schätzle – „wie vor jeder Wahl, meint Amon schmunzelnd – fragte, ob er sich nicht als Stadtrat aufstellen lassen wolle. „Beruflich war ich da auf festen Beinen, sodass ich zusagte“, blickt er zurück. So konnte er seine Anliegen – etwa bei Klimaschutz und Wohnen – selbst vorantreiben.
Andere Bürgermeister einladen?
„Will ich selbst mitgestalten oder warten, bis irgendjemand das für mich tut“, spricht er seine Maxime an. Und blicke man auf den Klimaschutz, hätte man doch einiges erreicht. „Wir haben einen festen Fahrplan für Photovoltaik, E-Mobilität und Wärme“, zählt Ammon auf.
Auch die Stelle des Klima-Managers und die „3-Täler-Bürgerenergie-Genossenschaft“ sei ein wegweisende Schritte. „Beim Klimaschutz sind wir eine Vorbild-Kommune im Kreis Rottweil“, findet er. Eigentlich könnten andere Bürgermeister und Stadträte aus der Region hierherkommen, um zu sehen, wie man das Thema anpacken könne, überlegt er.
Kommune hat den Hut auf
Doch auch im Wohnungsbau habe man viel erreicht. „Statt Bestehendes nur zu verwalten, haben wir auch aktiv Gebäude gekauft und in den freien Markt eingegriffen“, erläutert er. Sei es beim „Grünen Baum“ in Renfrizhausen oder der ehemaligen Tanzschule Geyer in der Bergstraße am Marktplatz.
„Jetzt können wir bestimmen, was mit den Gebäuden passiert“, hebt Amon die Bedeutung kommunalen Wohnbestands hervor. Und mit den Mieteinnahmen würden die aufgenommenen Kredite getilgt – das komme auch dem städtischen Haushalt zugute.
Von Herzen ein Sulzer
Doch das man als kleinste Fraktion für all das verantwortlich sei, das weist er weit von sich. „Das geht nur über viele Gespräche, Zuhören und Argumente“, kommt er auf die Arbeit im Gemeinderat zu sprechen. „Mit Siegfried Dölker und Jürgen Huber als Fraktionsvorsitzenden war es einfach eine tolle Zusammenarbeit“, lobt er die Kollegen von CDU und FWV.
Kritisch sehe er jedoch das innerstädtische Miteinander beim Thema Windkraft. „Als wir mit der Initiative ‚Pro Wind‘ unterwegs waren, schlug uns von manchen Personen purer Hass entgegen“, blickt er zurück. Diese Entwicklung, weg von sachorientierten Argumenten hin zu Emotionalisierung von Themen sehe er für die Kommunalpolitik als durchaus problematisch an.
Und nun? „Ich habe eine kleine Familie, einen neuen Job und wohne jetzt in Rottweil“, beschreibt Amon seine aktuelle Situation. Da müsse er sich erst noch sortieren, was ein künftiges außerparlamentarisches Engagement angehe. „Vom Herzen bleibe ich immer noch Sulzer“, hält er fest – ist er doch schließlich noch Aufsichtsrat in der Energie-Genossenschaft und im Musikverein aktiv.