Weil die Führerscheinreform für Diskussionen sorgt, tauschten sich die SPD-Landtagskandidatinnen Daniela Steinrode und Farina Semler mit Fahrschulinhaber Stefan Halanke aus.
Die Reformpläne des Bundes beim Führerschein und veränderte Anforderungen in der Ausbildung standen im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen der SPD-Landtagskandidatin Daniela Steinrode und Zweitkandidat Jochen Maier aus dem Kreis Calw, der SPD-Landtagskandidatin Farina Semler (Wahlkreis Herrenberg/Leonberg) und Stefan Halanke, Inhaber der Fahrschule Halanke.
Halanke betreibt mehrere Fahrschulstandorte, unter anderem in Herrenberg und Nagold. Die Diskussion um hohe Preise beim Erwerb des Führerscheins hatten Steinrode und Semler dazu bewogen, sich direkt Informationen aus der Praxis einzuholen und Einblicke in den Alltag von Fahrschulen zu gewinnen.
Im Fokus des Gesprächs standen dabei unter anderem die deutlich verlängerten Prüfungszeiten sowie höhere Prüfungsrichtlinien und ein insgesamt gestiegener Anspruch. „Viele Fahrschüler brauchen heutzutage mehr Unterrichtsstunden als früher“ berichtete Halanke.
Strenge Kriterien erhöhen Durchfallquote
Komplexere Verkehrssituationen, dichtere Verkehrsführung und strengere Bewertungskriterien führten nach seiner Einschätzung zu einer höheren Durchfallquote. Geplante Reformen des Bundes betrachtete Halanke kritisch: Qualität und Verkehrssicherheit müssten oberste Priorität haben.
Im Durchschnitt benötigten Fahrschülerinnen und Fahrschüler zwischen 25 und 40 Fahrstunden, um prüfungsreif zu sein. Eine weitere Reduzierung oder Verschiebung verpflichtender Ausbildungsbestandteile sehe er kritisch, insbesondere den Ansatz, Teile der Ausbildung stärker zu flexibilisieren oder praktische Elemente zu reduzieren. „Sonderfahrten wie Autobahn- oder Überlandfahrten sind keine Formalität, sondern essenziell, um gefährliche und anspruchsvolle Verkehrssituationen real zu erleben“, so Halanke.
Diese Lerninhalte dürften nicht durch eine rein digitale Vorbereitung ersetzt werden. Die Straße lasse sich nicht vollständig simulieren. Grundsätzlich sei eine Kombination von vorbereitendem digitalem Lernen und ergänzendem Präsenzunterricht, um sicherheitsrelevante Situationen zu besprechen und Fragen direkt zu klären, aber durchaus denkbar.
Steinrode: Junge Menschen nicht abschrecken
Farina Semler betonte: „Wir brauchen eine moderne Fahrausbildung, die digitale Möglichkeiten sinnvoll nutzt – aber die Praxis darf nicht auf der Strecke bleiben.“ Wer am Straßenverkehr teilnimmt, trage Verantwortung für sich und andere. Dafür brauche es solide Ausbildung und echte Erfahrung im Verkehr.
Daniela Steinrode ergänzte: „Gerade im ländlichen Raum ist der Führerschein oft Voraussetzung für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe.“ Deshalb müssten Qualität und Bezahlbarkeit „zusammen gedacht“ werden. Trotz höherer Anforderungen dürften junge Menschen nicht durch immer höhere Hürden abgeschreckt werden,
Auch bei den Fahrstunden sprach sich Halanke für eine sinnvolle Verzahnung mit dem begleiteten Fahren aus. Die Laienausbildung durch Eltern könne unterstützen, dürfe aber professionelle Ausbildung nicht ersetzen.