Hans Michael Burkhardt informierte im Rahmen des "Spaziergangs mit dem Bürgermeister" über aktuelle Themen in Jettingen. Foto: Priestersbach

Spaziergang: Bürgermeister Hans Michael Burkhardt informiert über aktuelle und künftige Entwicklungen

Die vor 50 Jahren gebildete Gäugemeinde Jettingen wächst weiter: Davon zeugen nicht nur zahlreiche Baukräne und Neubauten in Ober- und Unterjettingen, sondern ebenso die steigenden Einwohnerzahlen. Derzeit kratzt Jettingen an der 8000er-Marke, die vielleicht sogar noch in diesem Jahr gerissen werden könnte.

Jettingen. Hans Michael Burkhardt erklärte beim fast schon traditionellen "Spaziergang mit dem Bürgermeister" unter der Regie der Volkshochschule, dass derzeit 7970 Einwohner in Jettingen gezählt werden. Neben einigen laufenden Nachverdichtungen befinden sich im neuen Baugebiet "Amsel" aktuell sieben Einfamilienhäuser im Bau. Nach Schätzung des Bürgermeisters dürften sich die Einwohnerzahlen in den kommenden Jahren wohl zwischen 8200 und 8300 einpendeln.

Daneben erfuhren die rund 30 Teilnehmer des Informations-Spaziergangs vom Bürgermeister aus erster Hand, was gerade in Jettingen läuft – und das ist wahrlich nicht wenig. Bereits in den nächsten Wochen soll der Startschuss für die Sanierung und Erweiterung des in die Jahre gekommenen Rathauses fallen. "Es zieht zu den Fenstern rein", machte Burkhardt deutlich, dass man sich von der Fenster- und Fassaden-Sanierung unter anderem eine jährliche Einsparung von mehr als 10 000 Litern Heizöl verspricht. Geplant sei daneben ein kleiner Anbau im aktuellen Eingangsbereich unterhalb des Sitzungssaales, in dem künftig das Bürgerbüro untergebracht werden soll. "Das ist keine kleine Investition", räumte der Rathauschef mit Blick auf geschätzte Baukosten von 1,7 Millionen Euro ein. Doch weil das Rathaus im Sanierungsgebiet liegt, beteiligt sich das Land mit einem Drittel an den Kosten.

Anschließend steht die Umgestaltung und Erweiterung des Partnerschaftsplatzes auf der Agenda. Da geht es dann um zusätzliche Flächen für Veranstaltungen, doch seien ebenfalls Themen wie Wasserspiel mit Zisterne, Trinkbrunnen, Spielgeräte oder WLAN angedacht. Bei dieser Gelegenheit soll der Parkplatz erneuert und mit Ladesäulen für E-Mobilität ausgestattet werden. "Wir wollen den Bereich als wirkliche neue Ortsmitte erkennbar machen und aufwerten", so der Bürgermeister. An den voraussichtlichen Kosten in der Größenordnung von 2,5 Millionen Euro werde sich das Land sogar mit 63 Prozent beteiligen.

Feuerwehrgerätehaus benötigt einenetwas längeren Atem

Einen längeren Atem braucht man wohl in Sachen Neubau eines Feuerwehrgerätehauses. Unbestritten ist zwar, dass die Wehr mehr Platz braucht, was am bestehenden Standort aber kaum realisierbar sei. So habe der Gemeinderat einen Neubau an anderer Stelle beschlossen – und jetzt sei man auf der Standortsuche. Immerhin werde eine Fläche von rund 5000 Quadratmetern benötigt.

Den nächsten Halt bildete der Kindergarten Heubergring, der um zwei oder sogar drei Gruppen aufgestockt werden soll. Wie Burkhardt unterstrich, "sind die Kinderzahlen extrem gestiegen". Zählte man vor zehn Jahren noch durchschnittlich 65 Geburten, sind es derzeit 90 jährlich. Vor diesem Hintergrund wurden die Kita-Kapazitäten deutlich ausgeweitet – und alleine in den vergangenen fünf Jahren wurden sieben neue Gruppen eingerichtet. Auch das hat seinen Preis, denn die Personalkosten für die Kindergärten haben sich in der letzten Dekade verdoppelt.

Eine Erfolgsgeschichte ist die Jettinger Gemeinschaftsschule, was alleine schon an den gestiegenen Zahlen deutlich wird. So besuchen 300 Schüler die Schule. Der Bürgermeister rechnete vor, dass sich die Schülerzahlen in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt haben. Allein in diesem Schuljahr gab es 60 Neuanmeldungen am einst mit 15 Anmeldungen eher kränkelnden Schulstandort. "Das Thema Gemeinschaftsschule hat bei uns richtig gezündet", sagte Burkhardt. Es seien "traumhaften Bedingungen" geschaffen worden. So locke die bundesweit für ihren digitalen Standard ausgezeichnete "Smart School" eben auch etliche auswärtige Schüler an, die unter anderem aus Nagold, Wildberg, Mötzingen und Gäufelden nach Jettingen kommen.

In Sachen Mobilität wollen Verwaltung und Gemeinderat gemeinsam mit den Bürgern in den kommenden Jahren ein zukunftsweisendes Konzept ausarbeiten. In diesem Zusammenhang ging der Bürgermeister auf die wiederbelebten Gedankenspiele einer Bahnverbindung zwischen Nagold und Herrenberg ein – für die in Jettingen sogar eine Freihaltetrasse im Flächennutzungsplan ausgewiesen ist. Es habe bereits im Jahr 1890 – also vor über 120 Jahren – die ersten Planungen für diese Schienenverbindung gegeben. Zwischenzeitlich wurde von den Landkreisen Böblingen und Calw eine neue Machbarkeits-Untersuchung angestoßen. "Man wird sehen, was dabei rauskommt", weiß Burkhardt, dass es bei diesem Projekt um dreistellige Millionenbeträge geht.