Wie sieht die Zukunft der Stadtbibliothek aus? Aktuell steht besonders das Haus in Villingen auf dem Prüfstand. Jetzt wird aber auch die Forderung laut, an beiden Standorten zu sparen. Foto: Marc Eich

Einsparungen winken auf dem Papier, doch aktuell bleiben noch viele Fragen offen: Welche Zukunft hat insbesondere die Stadtbibliothek in Villingen?

Welcher Zukunft gehen die beiden Standorte der Stadtbibliothek Villingen-Schwenningen entgegen? Diese Frage lässt sich derzeit in beiden Fällen nicht so ganz leicht beantworten.

 

Die Schwenninger Bibliothek könnte künftig im neuen „Rössle“ unterkommen, sollten die Pläne so wie vorgestellt realisiert werden. Unterdessen ist weiterhin noch offen, wie es mit der Villinger Bibliothek weitergeht.

Die Stadtverwaltung, die für alle möglichen Bereiche Sparmaßnahmen vorschlagen sollte, hat das mit Blick auf den Villinger Bibliotheksstandort so getan: „Reduzierung des Leistungsangebots einschließlich Flächenverkleinerung“ – so nennt man im Rathaus den Vorschlag, der sich im Maßnahmenkatalog der sogenannten ABC-Analyse wiederfindet.

Die Verwaltung kommt auf eine geschätzte Summe von 700 000 Euro, die man auf diese Weise bis ins Jahr 2030 einsparen könne. Der Betrag setze sich aus so jährlich eingesparten Mietumlagen und Sachkosten und einer jährlichen Personalkostenreduzierung zusammen, abzüglich Teilnehmerentgelte und Landes- und Bundeszuschüsse.

SPD beantragt Änderung

Zum Vorschlag, das Angebot am Villinger Standort zu verkleinern, stellte im Ausschuss für Jugend, Bildung und Soziales Birgitta Schäfer (SPD) einen Antrag im Namen ihrer Fraktion. Demnach soll der Punkt Flächenverkleinerung beim Standort Villingen gestrichen werden. Stattdessen solle die Verwaltung mit der Bibliotheksleitung ein Sparkonzept erarbeiten, ohne die Funktionalität der Bibliothek als „dritten Ort“ in einem der beiden Häuser einzuschränken. Das Konzept des „dritten Ortes“ sieht neben dem Zuhause („erster Ort“) und dem Arbeitsplatz („zweiter Ort“) einen dritten elementaren Sozialraum vor, der identitätsstiftend für die Menschen und ihre lokale Gemeinschaft sein soll.

Sie wünschte sich, dass nicht nur für den Villinger Standort über Einsparungen nachgedacht werde. Vielmehr gelte es, für beide Bibliotheken nach Lösungen zu suchen, wie man jeweils Einsparungen erreichen könnte, so Birgitta Schäfer. Constanze Kaiser sagte für die Grünen, dass diese dieses Ansinnen unterstützen.

Was würde der Umbau kosten?

„Des Weiteren möchten wir, dass vor der Entscheidung mitgeteilt wird, was mit der freien Fläche in der Bibliothek in Villingen passieren soll, wenn das Angebot in Villingen reduziert wird und wie hoch die Kosten für einen Umbau der freien Fläche für eine anderweitige Nutzung wären“, erläuterte Sozialdemokratin Schäfer weiter. Wie konkret die Reduktion umgesetzt werden solle, wisse man bislang schlichtweg nicht. Einfach nur den Betrieb in einem der Obergeschosse einzustellen, wie es angedeutet worden war, bringe doch noch gar keine große Einsparung, zumal man diese Räumlichkeiten nicht ohne weiteres einfach anderweitig vermieten könne?

Der zuständige Amtsleiter Stefan Assfalg räumte ein: „Sie haben recht, dass man die freiwerdenden Flächen nicht einfach anders nutzen kann.” Es gelte, zu definieren, in welchem Umfang eingespart werden solle. Gleichzeitig verwies er auf die angespannte Personalsituation durch eine Vakanz in der Leitungsposition der Bibliothek. „Wir haben gerade einen 50-Prozent-Führungskader“, meinte er mit Blick auf den Weggang des langjährigen Bibliotheksleiters Volker Fritz.

OB verweist auf klaren Auftrag

Oberbürgermeister Jürgen Roth erinnerte daran, dass der klare Auftrag aus dem Gemeinderat an die Verwaltung gewesen sei, Doppelvorhaltungen in den Blick zu nehmen. Der Vorschlag der räumlichen Verkleinerung und der Reduzierung des Angebots sei „von der Idee getragen“ gewesen, den Standort Villingen nicht ganz aufzugeben, vor allem zum einen wegen der Grundschulen in diesen Bereich, die kurze Wege bräuchten, und zum anderen, weil die Bibliotheken allen Nutzern auch „eine Möglichkeit, sich irgendwo in Ruhe hinzusetzen“ böten.

Schließung ausgeschlossen

„Variante zwei“
Die ebenfalls in einem ersten Maßnahmenkatalog erwähnte mögliche „Variante zwei“ – nämlich die komplette Schließung des Standorts Villingen – ist vom Tisch. Die Verwaltung hatte eine Einsparsumme in Höhe von rund 2,45 Millionen Euro bis ins Jahr 2023 als Schätzung für eine solche Schließung und die Veräußerung der Immobilie abgegeben. Auf diesen Betrag kam man, weil sich in diesem Fall die jährlichen Mietumlagen, Sach- und Personalkosten sparen ließen und ein einmaliger Erlös durch den Immobilienverkauf einkalkuliert wurde. Dieser wurde vom Fachamt auf rund 760 000 Euro geschätzt. Diese Maßnahme hatte die Verwaltung dem Gemeinderat aber nicht empfohlen.

Auch kein Schwenninger Verkauf
In der selben sogenannten „ABC-Analyse“ war zunächst auch die mögliche komplette Schließung der Stadtbibliothek in Schwenningen und der Verkauf dieser Räume aufgeführt gewesen – schließlich hatte man alle freiwilligen Leistungen unter die Lupe genommen. Hier hatte die Verwaltung ein Einsparpotenzial in Höhe von rund 4,55 Millionen Euro errechnet. Der einmalige Erlös des Immobilienverkaufs wurde vom Fachamt auf rund

Gebühr auf dem Prüfstand
Den Vorschlag, gleichzeitig die Jahresgebühr der Bibliotheksnutzung von 16 auf 20 Euro zu erhöhen und damit bis ins Jahr 2030 für Mehreinnahmen in Höhe von 72 000 Euro zu sorgen, versieht die Verwaltung mit dem Vermerk, dass eine Gebührenerhöhung die Niedrigschwelligkeit des Angebots reduziere und die Bürgerinnen und Bürger belaste.