Dass so viele Menschen auch in diesem Jahr wieder im Zuge der Kulturnacht auf den Schwenninger Muslenplatz kommen werden, ist unwahrscheinlich. (Archivfoto) Foto: Michael Kienzler

Die Schwenninger Kulturnacht soll laut Haushaltsplanung nur noch im Zwei-Jahres-Rhythmus stattfinden. Was bedeutet das fürs Format? Und was ist mit dem Jugendzirkus?

Mehr als 74 Millionen Euro sind es, die die Doppelstadt bis 2030 einsparen will. Und im Sparpaket, das die Verwaltung im Februar im Zuge der aktuellen Haushaltsberatungen vorab geschnürt und mit allerhand Maßnahmen gefüllt hat, sind bekannterweise auch Kultur- und Veranstaltungsformate.

 

Während es bei den abschließenden Beratungen am Mittwoch etwa auf einschneidende Budgetkürzungen der Städtischen Galerie in Schwenningen hinauslaufen wird, die die CDU-Fraktion beantragt hatte, soll die Schwenninger Kulturnacht künftig nur noch alle zwei Jahre stattfinden.

Wann wird ausgesetzt?

Und was bedeutet das für die 19. Ausgabe, die, laut Flyer der Stadt, eigentlich am 4. Juli dieses Jahres als bunter Mix aus Konzert, Tanz, Theater, Show und Kulinarik wieder Tausende Besucher in die Schwenninger Innenstadt locken sollte? Ebenso ist dieser Termin bereits in dem einen oder anderen Terminkalender derjenigen Vereine, die Jahr für Jahr als feste Größe am Veranstaltungshöhepunkt teilnehmen, vermerkt.

Müssen sich diese jetzt erst einmal gedulden? „Laut Maßnahmenkatalog wird in 2026 die Lange Schwenninger Kulturnacht ausgesetzt und soll in der bisherigen Art und Weise 2027 wieder stattfinden“, teilt Patrick Ganter von der städtischen Pressestelle auf Anfrage unserer Redaktion mit.

Eine kleine Alternative

So ganz kultur- und feierfrei soll das erste Juli-Wochenende, an dem die Kulturnacht stets stattgefunden hat, dann aber doch nicht bleiben: Es sei für dieses Jahr geplant, eine Alternative im kleineren Format stattfinden zu lassen. Das konkrete Format sei aktuell in der Entwicklung und Vorbereitung, so Patrick Ganter weiter. In der Entstehung sollen auch verschiedene Akteure und Vereine involviert werden. Federführend werde hier das Kulturamt koordinieren und einladen – so, wie für die große Kulturnacht auch.

Die Organisationsfäden dafür in der Hand hatte stets Projektleiterin Sandra Bummel. Wie weit waren ihre Planung für die 19. Ausgabe überhaupt schon gediehen? „Sie waren in den Startlöchern“, berichtet der Pressesprecher. Konkrete Planungen seien aber noch nicht begonnen worden. Bisher seien Abstimmungen mit Beteiligten getroffen und Fristen bis März vereinbart, bis sich das Kulturamt meldet. Das sei so auch mit den Vereinen besprochen.

„Somit werden wir nach den finalen Haushaltsberatungen in die konkrete Entwicklung eines Formates für 2026 gehen“, blickt Patrick Ganter voraus.

Zirkus als Auslaufmodell?

Und noch ein anderes Kulturangebot muss aller Voraussicht nach unter den Sparmaßnahmen leiden: der städtische Kinder- und Jugendzirkus, der sich als offenes jugendkulturelles Angebot versteht und seit seiner Gründung 2004 dem Amt für Jugend, Bildung, Integration und Sport (JuBIS) zugeordnet ist.

Seit mehr als 20 Jahren bereichert der Kinder- und Jugendzirkus das jugendkulturelle Angebot der Stadt. (Archivfoto) Foto: Martin Disch

Neben dem offenen Trainingsangebot – viermal pro Woche – und den daraus resultierenden Auftritten bei diversen Veranstaltungen, ist der Zirkus mit einer großen Angebotspalette fester Bestandteil des städtischen Kinderferienprogramms und wird in die Nachmittagsprojekte der Ganztagsschulen miteingebunden.

Angebot bis 2029

Laut Maßnahmenliste soll er künftig eingestellt werden – aber wann genau? Die Antwort kennt Patrick Ganter: Er werde bis zum Renteneintritt – November 2029 – von Leiter Georg Thomas in städtischer Trägerschaft fortgeführt.

Und warum trifft es genau diese seit mehr als 20 Jahren existierende beliebte Institution? Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung seien alle freiwilligen Leistungen geprüft worden. In Abwägung zu den anderen Angeboten der Kinder- und Jugendarbeit sei der Kinder- und Jugendzirkus als Einsparungsmaßnahme vorgeschlagen worden.

Und ein Nachfolger?

Und der Pressesprecher macht sofort deutlich: „Eine städtische personelle Nachfolgelösung wird mit der Auflösung ausgeschlossen.“ Dass sich außerhalb des städtischen Betriebs eine Trägerschaft ohne städtische Beteiligung und Unterstützung entwickeln kann, sei jedoch durchaus möglich.