Die Stadtbücherei Albstadt rüstet sich für die Zukunft. Zentrale Anlaufstelle wird der Standort in Ebingen. Foto: Roth

Die Stadtbücherei steht vor einem Umbruch. Der Gemeinderat hat für das Zukunftskonzept grünes Licht gegeben.

Auch die Stadtbücherei Albstadt ist vor Sparmaßnahmen angesichts der angespannten Haushaltslage der Stadtverwaltung nicht gefeit. Die Büchereileitung hat daher in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt jüngst ein Zukunftskonzept für die Stadtbücherei erarbeitet und dem Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstagabend präsentiert.​

 

Dieses Zukunftskonzept sieht unter anderem die Schließung der Außenstandorte der Stadtbücherei am Tailfinger Uhlandsgarten sowie im Onstmettinger Rathaus zum 31. Juli dieses Jahres vor. Kulturamtsleiter Martin Roscher betonte in seinen einführenden Worten: „Eine Verschiebung oder Aufweichung dieser Neuausrichtung ist nicht sinnvoll.“ Bereits heute würden die Haushaltsmittel für den Unterhalt von drei Büchereistandorten nicht ausreichen. Der Vorschlag daher: die Stadtbücherei am Standort Ebingen zu zentralisieren. Oder wie es Roscher nannte: „Lieber einen schlagkräftigen als drei angeschlagene Standorte.“

Büchereiauto in die Stadtteile

Doch die Schließung der Außenstandorte ist nur ein Teil des Zukunftskonzeptes. Statt sich aus den Stadtteilen zurückzuziehen, wolle man eine „aufsuchende Büchereiarbeit“ anbieten. Ein Büchereiauto wird angeschafft, um mit diesem mit Kisten voller Bücher und anderer Medien in die Stadtteile zu fahren. Genutzt werden sollen Kooperationsräume wie Bürger- oder Gemeindehäuser. Auch Schulen und Kitas werden so versorgt.

„Wir gehen dorthin, wo die Menschen sind“, betonte Büchereileiterin Tanja Wachter, die das Zukunftskonzept der Bücherei federführend ausgearbeitet hat, dieses aber nicht mehr umsetzen wird. Wachter verlässt Albstadt und wurde in der Gemeinderatssitzung verabschiedet. Sie gibt ihr Amt an Julia Barthelmeß ab.

Aber zurück zum Zukunftskonzept: Neben der aufsuchenden Büchereiarbeit soll der Standort Ebingen, 36 Stunden pro Woche geöffnet, zur „Open-Library“ werden. Sprich: Der Büchereiausweis ist die Eintrittskarte in die Bücherei, wenn auch kein Personal zugegen ist. „Vorteile sehen wir vor allem für Berufstätige, Schüler und Studenten“, betont Tanja Wachter. Diese Maßnahme stärke die Bücherei als öffentlichen Ort mit niederschwelligem Zugang.

Blumen für Büchereileiterin Tanja Wachter: Albstadts OB Roland Tralmer verabschiedete Wachter in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Foto: Roth

Ohne Kritik blieb die Neuausrichtung der Stadtbücherei im Gemeinderat nicht. Insbesondere die Schließung der Außenstellen schmerzte einige Gremiumsmitglieder. Onstmettingens Ortsvorsteher Jürgen Kurz sprach für den Büchereistandort in seinem Stadtteil von „einem Sterben auf Raten“. Nach und nach seien Medien und Öffnungszeiten reduziert und daher auch die Kundschaft weniger geworden. Dabei sei die Betreuung der Onstmettinger Bücherei durch Ehrenamtliche hervorragend gewesen, was indes auch Oberbürgermeister Roland Tralmer bestätigte.

Mit der Bücherei, so Kurz, falle ein „Treffpunkt für Lesebegeisterte“ weg; die aufsuchende Büchereiarbeit müsse die logische Konsequenz der Entscheidung sein. Dennoch: Nach dem beschlossenen Abzug der Werkrealschule an den Tailfinger Lammerberg sei es ein weiterer Schlag für Onstmettingen. Der Ortschaftsrat hatte das Zukunftskonzept in der Montagssitzung mehrheitlich abgelehnt.

SPD hinterfragt Angebot

Die SPD-Fraktion lehnte den Vorschlag der Verwaltung ebenfalls ab: Stadtrat Peter Demmer wollte nicht von einem Konzept, sondern lediglich von einem „Papier“ sprechen. Mit den Schließungen reiße die Verwaltung Lebensqualität für Jung und Alt an lange etablierten Orten zusammen. Zur aufsuchenden Büchereiarbeit warf er die Frage auf, ob diese von Einrichtungen wie Schulen oder Kitas sowie den Bürgern überhaupt gewünscht sei. „Mobile Dienste können sicherlich ergänzen. Aber dafür sollten sie im Vorfeld sauber evaluiert werden“, so Demmer weiter.

Auch den Freien Wählern ging das Konzept nicht weit genug. Sie stellten den Antrag, das Konzept zunächst weiterzuentwickeln und erst mittelfristig die Außenstandorte zu schließen. Fraktionschef Matthias Brauchle begründete seinen Antrag damit, dass erst die Zukunft des Standortes in Ebingen geklärt sein müsse. Zum Hintergrund: Die Stadt hatte das Gebäude in der Johannesstraße, in dem die Stadtbücherei derzeit untergebracht ist, erst zum Jahresende an einen Investor veräußert.

Der Antrag wurde letztlich bei 20 Gegenstimmen mehrheitlich abgelehnt und der Vorschlag der Verwaltung mit 18 Ja-Stimmen, acht Gegenstimmen und vier Enthaltungen angenommen. Dafür sorgten insbesondere die Stimmen der CDU-Fraktion. Deren Vorsitzender Steffen Conzelmann betonte, dass der Gemeinderat den Mut haben müsse, den Weg der Konsolidierung konsequent zu gehen.